17.09.2009, 19:15
Kuriose Parallelwelten
Vor kurzem habe ich in dem mehr oder minder bekannten Populärwissenschaftsmagazin P.M. einen Artikel über Paralleluniversen (bzw. über ein sog. Multiversum) gelesen. Das Ganze klang zwar recht interessant, entpuppte sich dennoch mehr oder weniger als blanke Theorie; manch einer mag auch sagen: Unsinn.
Den eigentlichen Grund jedoch, warum ich (mal wieder) meinen Senf auf virtuelles Papier bringe, stellt die Theorie der Paralleluniversen dar. Soweit ich mich entsinne, hat dieses Modell seine Wurzeln in der Quantentheorie und besagt, dass jede unserer Handlungen, sofern sie mehrere, verschiedene Konsequenzen nach sich zieht, einen anderen Ausgang in einem jeweils anderen Universum hat. Was heißt das also im Klartext?
Stellen wir uns einen Durchschnittsmenschen vor: Den Nachbar von nebenan, den harmlose Spinner in der letzten Reihe oder den redseligen Kollegen. Können Sie sich vorstellen, dass so jemand in einem Paralleluniversum die Welt beherrscht? Sich dies vorzustellen, mag sehr schwer sein, gänzlich unmöglich ist es jedoch nicht, wenn man sich wirklich anstrengt und mit gewissen Hilfsmitteln assistiert.
Doch unvorstellbar wird es, wenn uns ein paar Wissenschaftler mit ihrer Theorie weismachen wollen, dass der Trottel im gleichen Haus in einem anderen Universum einen tollen Beruf hat, jeden noch so luxuriösen Wunsch erfüllen kann und sogar zur Abwechslung auch mal ganz lieb ist. Derselbe grobschlächtige Kerl, der nachts im Bett furzt und sich durch sein eigenes Schnarchen selbst aufweckt (bzw. der dürre Wärmesauger mit den gemein-gefährlich kalten Füßen, der sich nachts eiskalt die Bettdecke krallt und Beistand gegen Mücken verlangt). Derjenige (oder diejenige), für den (oder die) Sie sich tagtäglich in allen Situationen schämen.
Wie kann das möglich sein?
Vielleicht sind es kleine Handlungen, die unser zukünftiges Leben bestimmen; kleine, unscheinbare Handlüngchen also, die festlegen, was wir werden und was wir sind und die wir wohl nicht frei durchführen können.
Denn wenn die Theorie der Paralleluniversen tatsächlich der Wahrheit entspricht, heißt das automatisch, dass wir dazu gezwungen sind, eine ganz bestimmte Wahl zu treffen, damit jede noch so kleine Möglichkeit in einem Paralleluniversum seinen Platz hat. Ist das nicht eine Frechheit?
Ja, eine Frechheit. Eine hanebüchene Frechheit. Ihr Ebenbild hat in einem anderen Universum die fette Karosse, die Sie sich immer gewünscht haben, aber durch einen kleinen Fehler haben Sie Ihre gut entlohnte Arbeitsstelle verloren und preschen mit einem Golf durch die Gegend. Ungerecht?
Mag sein. Wer sich ganz tollkühn in gut versteckten Bereichen der Vorstellungskraft vorwagt, kommt vielleicht sogar auf die Idee, dass unser allseits beliebter US-amerikanischer Ex-Präsident den Friedensnobelpreis erhält. Na gut, lassen wir das; in keinem Universum wird das wohl der Fall sein.
Wenn ich mir allerdings eine menschenfreie Welt vorstelle, in der die Natur, der Schöpfer, der Zufall oder was auch immer die Erschaffung des Menschen nicht vorgesehen hat, sehe ich eine Art Paradies vor Augen. Endlich keine übermäßige sowie überwältigende Dummheit mehr!
Doch was auch der Fall sein mag: Die Klärung über die wirklichen Begebenheit und das, was später Fakten sein mögen, werden wir nicht mehr erleben, zumindest glaube ich das. Aber wer weiß …
Solange können wir in Gedanken schwelgen und den elenden Burschen auf der Parallelerde für sein unverschämtes Glück verfluchen.




durchaus zu verstehen 
