17.09.2009, 19:37
World of Warcraft
„World of Warcraft“ (oder unter den gemeinen Zockern: WoW) gehört zum Marktführer der MMORPGs (Massively Multiplayer Online Role-Playing Game) – es wird schon hier deutlich: Ohne einschlägigem Interpretations- und Gedächtnisvermögens – sowie grammatikalisch falschen Englischkenntnissen, mehr dazu später – kommt man hier nicht weit – und zieht bereits über zehn Millionen Menschen weltweit in seinen Bann. Dies macht sich deutlich bemerkbar: Jeder kann mindestens ganz spontan, ohne groß nachzudenken, mindestens 50 Bekannte aufzählen, die WoW-abhängig sind. Doch warum ist das so?
Der Aspekt des Team-Spielens („ey du *****, was sollte das, **** dich!“) und der vielen Interaktionsmöglichkeiten mit der Umwelt („lass uns nackt tanzen!“) ist spannend und motivierend. Und es kommt immer mehr dazu!
Bald wird der Tag kommen, in dem der gestresste Ehemann von der Arbeit heimkehrt, den PC anschaltet und sich in WoW einloggt, in sein virtuelles Haus geht und seine Familie begrüßt, die auch alle einen WoW-Account besitzen. Schlechter Scherz? Mitnichten.
Schon jetzt ist bekannt: Beim Zocken von WoW vergisst man seine Umwelt komplett. Beispiel: Zwei Koreaner sind vor Erschöpfung gestorben, weil sie eine Woche lang World of Warcraft duchgespielt haben.
Doch woran erkennt man einen Abhängigen? Bei Schülern ist ein deutliches Abfallen der Leistungen bemerkbar. Ganz egal, wie gut der Schüler normalerweise ist – die Noten werden immer dieselben sein: 6. Ein Student erscheint nicht mehr in der Universität, Berufstätige im Büro werden zur Arbeit erscheinen - vielleicht auch früher als sonst - und pflichteifrig ihren Charakter trainieren.
Zudem ist auffällig, dass sich die Spieler falsche Englischkenntnisse antrainieren: Sie vergessen oft Präpositionen und das nur deswegen, weil im Spiel so viel abgekürzt wird und jene Wortart einfach rausfällt. Erwähnenswert sind ebenso geradezu hanebüchene Rechtschreibverbrechen wie „daylie“, abenteuerliche Sprachvermischungen (natürlich inklusive Rechtschreibfehler) wie „ddler mit vull epic eq sucht group für __“ und generell eine Ausdrucksweise, die jeden Grundschullehrer erschrecken dürfte („ey ich need noch den kopf und die füsse dan hab ich full epic“). Wie man sieht, grassiert in WoW ein angsteinflößender Jargon.
Insgeheim geht das Gerücht um, dass Blizzard die ganze Welt mit ihrem Spiel kontrollieren will – „purer Schwachsinn!“ meinen die 24/7er-WoW-Spieler. „Wir können auch ohne WoW!“, heißt es oft.
Doch wer schon einmal versucht hat, den PC eines begeisterten Spielers abzuschalten, der schon acht Stunden am Stück spielt, wird mindestens mit einer Ohrfeige bestraft, schlimmstenfalls sorgt eine extra für Spielverderber konzipierte Falle (eingebaut im Rechner), dass Selbiger einen gewaltigen Stromschlag abbekommt.
Wenn Sie also einen WoW-Spieler fragen, wie lange er heute denn schon wieder gezockt hat und er mit „Eine Stunde!“ antwortet, dürfen Sie getrost diese Zahl verzehnfachen. Für einen Spieler vergeht die Zeit schnell. Im Regelfall ist es so, dass sie um 14 Uhr den PC anschalten und um Mitternacht einen kurzen Blick auf die Uhr werfen und sich wundern, wie eine Stunde nur so kurz sein kann.
Ein WoW-Süchtiger rät seiner Umwelt zumeist ab, selber mit dem Spielen anzufangen. Woher kennt man das? Genau, von den Rauchern. WoW hat sogar noch schlimmere Nebenwirkungen:
Die Gehirnmasse schrumpft erheblich, aus dem Mund des Spielers dringen nur solch komischen Abkürzungen wie „grats“, „lfg“ „wts“ etc. Fällt aber jetzt der Strom aus, mobilisiert der Zocker ungewohnte Kräfte – er erhebt sich von seinem Stuhl und beschwert sich lauthals bei den Eltern bzw. Stadtwerken, je nach Alter des Betroffenen.
Ein gut gemeinter Rat: Wenn ein Freund/Bekannter von Ihnen öfter den Spruch „Mein Leben für die Horde!“ zum Besten gibt, widersprechen Sie ihm nicht und auf KEINEN Fall sagen Sie: „Ruhm der Allianz!“ Es könnte schlimme Folgen haben ...
Wohin wird das alles führen? Zur Versklavung der Menschheit?
Der Austilgung des „echten“ Lebens? Zum Weltuntergang? Apokalypse? Armageddon? Paradies?
Wie auch immer: Dem WoW-Zocker kann dies vollkommen egal sein. Er hat seinen Spaß und kümmert sich nicht groß um seine Umwelt – in diesem Sinne: Für die Horde!


