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Romanversuch: Golden Sun - Alex Rückkehr
#1
Update: Nur für alle die es anfangen zu lesen eine Warnung vorab. Ich habe diese Geschichte für unbestimmte Zeit auf Eis gelegt, was bedeutet, dass sie nicht vollständig ist. Vielleicht geht's mal irgendwann weiter, aber momentan bin ich an einer anderen Geschichte dran. Entstanden ist diese Geschichte mit 15/16, da hat sich in den letzten 4/5 Jahren einiges getan, weshalb ich jetzt ungern hier weiterschreiben möchte weil mir permanent Fehler auffallen oder einfach Sachen, die ich jetzt anders machen würde. Ich will es nicht ausschließen, dass es hier niemals weitergeht, aber es ist eher unwahrscheinlich zur Zeit. Dafür schon mal eine Entschuldigung, weil ich ungern die Leute enttäusche denen meine Geschichte gefällt. Smile


Vorwort: Tja, dass die Golden Sun Spiele die besten überhaupt sind, brauch hier eigentlich nicht mehr zu erwähnen, ich tue es trotzdem xD. Vor allem die Geschichte hat mich von Anfang bis zum Ende fasziniert und irgentwann hatte ich die Idee selbst eine eigene kleine Geschichte um eine Fortsetzung zu schreiben.
Das hier ist nur ein kleiner Ausschnitt, demnächst kommt mehr.

Und Kritik ist unbedingt erwünscht, wenn ihr etwas zu bemängeln habt, egal wie viel es auch ist, versuch ich das natürlich zu ändern^^
Aber ich hoffe euch gefällts =)


Kapitel 1 – Der Dunkle Sturm



Ohrenbetäubendes Donnern und fürchterliches Grollen riss Sam aus seinem festen Schlaf. Fast wäre er vor Schreck aus seinem hölzernen Bett gefallen, das mit fast drei Metern Länge und einsfünfzig Metern Breite den größten Platz in seinem ansonsten eher bescheiden ausgestatetem Zimmer einnahm. Verwirrt rieb er sich seine kleinen, haselnussbrauen Augen und fuhr mit seiner Hand durch sein rebellisches blaues Haar, das wieder einmal völlig zerzaust war. Er seufzte in sich hinein und verfluchte sein Haar, das er wohl niemals gebändigt bekommen würde, als erneut dieses irrsinnig laute und grauenhafte Donnern zu hören war.

Sam stieß sich beim dem Versuch aufzustehen den Kopf an einem zu tief geratenen Balken und fluchte erneut. Dieser Tag, sofern es denn Tag war, fing ja schon mal gut an an und er ahnte, dass es nur noch schlimmer werden könnte. Sam kam schließlich aus seinem Bett, legte seinen Schlafkleider beiseite, zog sich ein paar frische Sachen an und stolperte schlaftrunken aus dem Haus wo er seinen müden Augen kaum trauen konnte. Der Himmel war pechschwarz und von dunklen Wolken durchsetzt, hier und da zuckten grelle Blitze auf und erhellten das Dorf. Ein paar Häuser standen sogar in Flammen, man konnte riesige Rauchschwaden sehen, die meterhoch über Denuo schwebten. Sam fasste sich an seinen brummenden Kopf, das würde deftige Kopfschmerzen geben und zu allem Überfluss stand das ganze Dorf Kopf und er hatte keinen Schimer wieso.
Er vernahm plötzlich gedämpfte aber panische und hektische Rufe aus dem Dorfzentrum und als Sam merkte, dass seine Eltern ebenfalls nicht im Haus waren, lief er mit riesigen Schritten los zum Marktplatz, welcher genau im Herzeb Denuos, dem Dorfzentrum lag. Trotz pechschwarzem Himmel und tiefer Nacht wurde der Platz durch die vielen, brennden Gebäude, die rings um den Platz standen, taghell erleuchtet. Dem gnadenlosen Feuer waren schon einige Häuser zum Opfer gefallen und es wütete mit grausamer Zerstörungswut. Die meisten Dorfbewohner waren bereits dabei, die lodernen Brände zu löschen, zumindest versuchten sie es mit aller Kraft.

Als Sam nach fast einem Kilometer endlich die Mitte des Platzes erreicht hatte, musste er erst einmal eine kurze Pause einlegen und kurz verschnaufen. „V..Verdammt“, keuchte er wütend. „Ich bin völlig aus der Form, so ein verdammter Mist, es wird endlich Zeit, dass Chas wiederkommt und wir endlich weiter trainieren können, sonst schaff ich ja bald nicht mal mehr drei Schritte ohne vor Erschöpfung anhalten zu müssen“. Ärgerlich über den Zustand seiner offensichtlich angeschlagenen Fittness, rappelte er sich aus purem Trotz und Starrsinn wieder auf und lief, immer noch fluchend, langsameren Schrittes weiter. Neben den zahlreichen Dorfbewohnern waren auch viele Dschinns, vor allem Wasserdschinns, am Löschen der Brände beteiligt, wodurch sich langsam aber sicher ein Sieg gegen das Flammenmeer abzeichnete.

Die zierlichen, hell-, bis dunkelblauen Wesen halfen ihnen beim Tragen oder versuchten die Brände mit vereinter Kraft und ihrer Psyenergie unter Kontrolle zu behalten und schließlich zu löschen. Sam war nur noch ein paar Schritte vom Platz entfernt, als er seinen Augen erneut kaum trauen konnte. Mitten in der hektischen Menge aus umherfliegenden Dschinns und umherrennden Dorfbewohnern, erkannte er Chas, seinen besten Freund und inzwischen jungen Mann von Einundzwanzig Jahren und immerhin stattlichen Zwei Metern Größe. Sam hatte ihn seit einem Monat nicht mehr gesehen, als er aufgebrochen war um ein wenig zu traineren und er hatte sich verändert.

In seinem Gesicht hatten sich jede Menge Bartstoppeln eingenistet, das Gesicht selbst war wettergegerbt und die Anstrengung des vergangen Monats war im ins Gesicht geschrieben. Sein leuchtend silbernes Haar formte sich in der Mitte von vorne bis hinten zum nacken zu einem langen Iroförmigen Schnitt, die Seiten waren vorne kürzer, hinten ein wenig länger, sodass die Haare vor allem nach hinten sich wie scharfe Stacheln gen Himmel reckten. Sam musste unwillkürlich losprusten; was die Frisur anging war Chas doch im Endeffekt eitel wie ein stolzer Pfau, es war wirklich ein zu herrlicher Anblick. Denn das ganze äußere Erscheinen war vernachlässigt und passte so gar nicht zu der makelos geschnitten Frisur. Während Sam ihn noch immer musterte, hielt Chas kurz mit seiner Arbeit inne, denn er war schwer beschäftigt, zusammen mit zwei Dschinns, einen Stall zu löschen, der hell in Flammen stand und die übrigen Häuser in Brand zu stecken drohte. Sam eilte ihm schließlich mit schnellen Schritten zu Hilfe. „Wo hast du so lange gesteckt mensch“ rief er zu ihm mit vorwurfsvoller Miene, noch während er im Laufschritt war.

„Tut mir leid, alter Freund“, entgegnete Chas lächelnd. „Das Training hat mich in der Tat weit mehr Kraft und Zeit gekostet als ich gedacht hätte. Wegen einer bösen Verletzung musste ich zwangsweise eine längere Pause einlegen, sonst hätte ich wohl keinen ganzen Monat gebraucht“. Sam legte ihm seine bullige, rechte Hand auf die Schulter, in der ein ganzer Brotlaib hätte verschwinden können und drückte ihn damit fast zu Boden. „Na gut, darüber können wir später immer noch streiten“, grinste er Chas an. „Schön dass du wieder da bist, Bruder“, wobei er bewußt das Wort Bruder unterstrich, um den besonderen Draht ihrer Freundschaft zu betonen. „Ja schon gut, erdrück mich nicht gleich“, japste Chas gespielt und fing sofort von ganzem Herzen zu Lachen an. Sam sah ihn nur einen Bruchteil einer Sekunde an und stimmte sofort mit ein. Glücklich schaute er Chas an. „Ach mensch, dann hat dieser blöde Tag ja doch noch was Gutes“, grinste Sam erneut, seine Laune hatte sich sichtlich zum Besseren gewandelt.

Sam und Chas waren nicht wirklich Brüder, zumindest waren sie nicht blutsverwandt. Sie waren aber einander die besten Freunde und kannten sich nun schon eine ganze Weile, sodass irgentwann einer von beiden angefangen hatte, den anderen als Bruder zu sehen und seitdem nannten sie sich eben manchmal so, wenn ihnen danach war.
Mit vereinten Kräften hatten sie schließlich den Brand unter Kontrolle und überließen den Dschinns alles weitere. Chas schaute seinen Freund mit ernster Miene an: „Ich hab vorhin verzweifelte Stimmen gehört, scheinbar gabs einen Kampf weiter unten im Dorf. Die Geräusche kamen aus der Gegend wo unsere Clans leben, da bin ich mir leider sicher. Ich hoffe, dass alles in Ordnung ist und wenn ich mich nicht irre, dann müssten deine und meine Eltern auch dort sein“. Sam nickte ihm nur zu, er vertraute auf Chas gutes Gehör.

Sowohl Chas und Sam lebten mit ihren Eltern nicht in den für ihre Clans eigens errichteten Bezirken, sondern sie lebten fast nebeneinander in ihren eigenen Häusern, weitab der Clanbezirke. „Also los, gehen wir unseren Eltern helfen, was auch immer passiert sein mag“. „In Ordnung“, stimmte Chas zu und zusammen machten sie sich auf den Weg, rannten vorbei am hell erleuchteten Markt und den brennenden Gebäuden tiefer in das Dorf hinein. Je weiter sie kamen, desto stiller wurde es. Nur irgendwo aus den hinteren Ecken des Dorfes waren jetzt noch vereinzelt Stimmen zu vernehmen. „Schneller Sam, du bist zu langsam, wir müssen zu der Kreuzung der beiden Clanbezirke, ich bin mir ziemlich sicher, dass von da die Stimmen kamen“. Sam sah in mit leidvollen Gesicht an. „Du weißt doch, dass du der schnellere von uns beiden bist“, keuchte er. „Dafür bin ich stärker“ fügte er hinzu und lächelte Chas mit einem breiten Grinsen an. “Jaja ich weiß“, gab Chas seinerseits grinsend zurück.

Als sie kurz vor der letzten Ecke der Kreuzung waren, hörten sie plötzlich zwei Stimmen, wobei eine von beiden abruppt mit einem Röcheln und einem Schmerzensschrei endete; danach Stille. “Halt“, zischte Chas leise, als Sam ihn endlich eingeholt hatte. Vorsichtig spähten sie um die Ecke und ihrem eben noch heiteren Grinsen wich ein entetzter Blick, denn ein wahrlich grauenvolles Bild bot sich ihnen.

Überall auf der Kreuzung und in beide Richtungen zu den Clanbezirken lagen die Mitglieder beider Clans blutüberströmt, mit grausamsten Wunden regungslos und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, auf dem Boden.
Die Straßen waren regelrecht blutgetränkt, tote Adepten säumten die Straßen, als würden sie sich von einer Feier erholen; ganze Häuser und Läden waren dem Erdboden gleichgemacht, Waffen, Rüstungen und vereinzelt Schilde lagen verbeult oder zersplittert auf dem harten Steinboden. Die Kreuzung und die Straßen waren fast komplett zerstört, riesige Löcher und Risse hatten den Steinplattenbelag in ein Trümmerfeld verwandelt. Abgerissene Stofffetzen von dunkelrot gefärbten Roben lagen neben abgetrennten Gliedmaßen.

Vor dem Haupthaus des Beyon Clans, ungefähr Hundert Schritt von Sam und Chas entfernt, stand eine mittelgroße, schmächtig gebaute Person, gehüllt in pechschwarze Kleidung, die mit der Nacht verschmolz und kaum zu erkennen war. Der Fremde hatte einen Langbogen aus dunklem Holz auf seinen Rücken geschnallt. An seiner Hüfte steckte zusätzlich ein gebogenes Schwert, welches fest am Gürtel in seiner Scheide steckte und so nicht drohte, dem Fremden als Hindernis zwischen die Beine zu geraten. Ein ebenso rabenschwarzes Wesen, das gewisse Ähnlichkeiten mit einem Dschinn aufwieß, schwebte auf Schulterhöhe des Fremden.

Er redete mit beruhigender Stimme auf einen noch lebenden, aber tödlich verwundeten Adepten mit ein. Dem Mann fehlten ein Arm und ein Bein, eine ellenlange Wunde verlief quer über seinen Bauch und drohte die Gedärme freizugeben. Der Fremde kniete sich hin und gab dem Sterbenden einen Schluck zu trinken. Der Clanangehörige, dessen hellblaue Robe und seine blauen Haare ihn als Angehöriger der Beyons kennzeichneten, gab dem Fremden dankend die Flasche wieder, legte seinen Kopf zur Seite und spuckte unter einem grellen Schmerzensschrei einen Schwall Blut aus bevor er sich nicht mehr rührte.

Sam und Chas überwanden den ersten Schock, der ihr Gehirn bis dahin völlig gelähmt hatte, stürzten zu Boden und übergaben sich. Obwohl sie am ganzen Körper zitterten wie Espenlaub und kaum in der Lage waren sich auf den Beinen zu halten, rafften sie sich beide auf, bis sie wankend auf die Knie kamen. Aufkeimende Wut, die in ihrer beiden Augen loderte und das Ausmaß des Hasses zeigte, überstieg die anfängliche Angst und überwand den Schock. Chas fand zuerst seine Stimme wieder. „Hast du sie alle umgebracht?“, schrie er, mehr oder weniger einschüchternd mit matter Stimme.

Er zitterte immer noch, aber Chas war so rasend vor Wut, dass er zum Erstaunen von Sam und des Fremden auf diesen plötzlich zuhielt und seine beiden Schwerter aus ihren Scheiden zog. Ungelenk und schwankend näherte sich Chas dem Fremden; auch Sam hielt jetzt auf ihn zu und war im Begriff seine Streitaxt zu siehen, als er gut zwanzig Schritt und Chas ein paar Schritt weiter der Länge nach auf den harten Straßenboden schlugen.
Chas Schwerter rutschten ihm aus den Händen und landeten klirrend auf der Straße. Sam war gar nicht erst dazu gekommen seine massive Streitaxt, die an seinem Rücken befestigt war, zu ziehen. Beide wurden mit enormer Kraft zu Boden gedrückt, unfähig auch nur die kleinste Bewegung auszuführen und der Druck raubte ihnen den Atem.

Der Fremde kam mit erhobenem Arm und langsam aber mit festen Schritten auf sie zu, das Gesicht tief im Schatten seiner Kapuze verborgen. Die Stimme war nicht allzu tief, sie passte eher zu einem jungen Mann und kam Chas unheimlich vertraut vor. Seine Miene blieb kalt und ausdruckslos als er anfing zu sprechen.

„Es waren eure beiden Väter, Marius Scragal und Georg Beyon – er spie ihre Namen verächtlich aus. Wenn man dem Adepten Glauben schenken darf, haben die beiden alle gnadenlos umgebracht, als die beiden Clans ein gemeinsames Fest gaben, um der besonderen Freundschaft zu gedenken, welche die Beyons und Scragals verbindet“, sagte er so beiläufig als würden sie über das Wetter reden. „Das kann ... nicht sein“, beschwor Sam den Fremden mit tränengefüllten Augen . „Sie ... würden so etwas ... niemals tun. Unsere beiden Väter ... sind die Helden unser Clans ... und keine dreckigen Verräter“.

„Leichtgläubig wie immer Sam Beyon“, erwiderte dieser lächelnd. Der Fremde kam noch dichter auf sie zu. „Woher kennst du ... meinen Namen du feiger Abschaum? Nimm deine Kapuze ab ... damit ich das Gesicht sehen kann, ... das sterben wird“, fauchte Sam weiter, trotz schwacher Stimme. Der Fremde lächelte böse. „Habt ihr beide mich etwa schon vergessen? Wie traurig, ich hatte mir wirklich mehr von euch erhofft“, sagte er in gespielt vorwurfsvollem Ton.

Der Fremde nahm die Kapuze ab und enthüllte sein Gesicht, dass zweifelsohne einem jungen Mann gehörte. Chas und Sam schauten ihn mit weit eufgerissenen Augen an, die Verwirrung stand ihnen ins Geisicht geschrieben. „Sha....shagon“, entfuhr es Chas knapp, mehr brachte er nicht heraus. Er konnte es kaum glauben, vor ihm stand sein leiblicher Drillingsbruder, der zu Unrecht für jenes grausame Ereignis beschuldigt wurde, das zu seiner Verbannung geführt hatte.

Shagon kniete sich hin, seine Stimme war kalt und emotionslos, nicht eine einzige Gefühlsregung zeichnete sich in seinem makellosen Gesicht ab. „Auch wenn ihr mich damals verstoßen habt, werde ich meinem einst geliebten Dorf etwas Gutes tun und die beiden Verräter zur Strecke bringen. Eine Schande, dass es unsere Väter sind und eine Schande für das ganze Dorf. Aber endlich, endlich werdet ihr erfahren wie es sich anfühlt, ausgestoßen zu werden, denn wenn die Ältesten davon erfahren, habt ihr beide hier keine Chancen mehr. Den Söhnen von Verrätern zeigt man keine Gnade das wisst ihr, sie werden euch beide ebenso verbannen, wie einst mich“.

In seinen Augen spiegelte sich jetzt lodernder Hass und sie funkelten zornig, alte Erinnerungen flammten in ihm auf und steckten sein Herz in Brand. „Dass du ... verstoßen wurdest, war deine eigene ... Schuld. Du hättest warten sollen, anstatt die Räuber ... allein zu verfolgen und nach ... Raiya zu suchen“, sagte Chas plötzlich, wobei er die Worte stockend und mühsam gradezu hochzuwürgen schien, die unbekannte Kraft sorgte noch immer dafür, dass er sich kaum bewegen oder atmen konnte. Doch Shagons Worte hatten ihn rasend gemacht und er konnte sich einfach nicht mehr beherrschen.

„Dein Schicksal hast du ganz allein zu verantworten ... und niemand sonst, mach andere ... für deine Fehler und dein Verhalten ... verdammt noch mal nicht verantwortlich“, keuchte er hervor. „Ich hab nur versucht das zu tun, was meinem schwächlichen Bruder nicht in den Sinn kam, weil er ein Feigling war, ist und auch immer sein wird“, antwortete Shagon kühl doch ein kleines Lächelnd umspielte wieder seinen Mund; er erfreute sich an dem Anblick wie Chas sich windend, kaum mehr als zwei Sätze rausbrachte.

Shagons Worte raubte Chas das letzte bisschen Kraft und er blickte verletzt von den Worten seines Bruder zu Boden. Erinnerungen, die er längst hatte vergessen wollen, kamen in ihm hoch und er flüchtete sich hilflos in seine Gedanken.

Vor einem knappen Jahr waren bei einem Räuberüberfall Chas und Shagons Schwester Raiya verschwunden und wahrscheinlich entführt worden. Entgegen dem Befehl der Ältesten in Denuo zu bleiben, war Shagon in seiner Verzweiflung sofort aufgebrochen, um nach seiner geliebten Schwester zu suchen.
Nach einiger Zeit fand er zwar das Banditenlager, aber sie war nicht mehr da, nur eine Handvoll zurückgebliebener Wachposten hielten die Stellung und passten auf, dass sich niemand ihrem Lager näherte. In seinem Wahn aus Wut, Hass und Verzweiflung metzelte er die zwanzig Räuber ohne Erbarmen nieder und schlug solange auf ihre Körper ein, bis sein Blutdurst verflog und sie aufs grausamste verstümmelt waren.

Dass er mit leeren, blutverschmierten Händen zurückkehrte, war jedoch nicht der Grund für die schreckliche Verbannung gewesen. Während Shagon sich auf den Rückweg nach Denuo gemacht hatte, hatten die Räuber die Kunde von ihren ermordeten Freunden erhalten und auf einem Schleichweg ein zweites Mal Denuo überfallen, diesmal aus Rache für ihre, von Shagon niedergemetzelten Kameraden.

Sie überraschten das Dorf, dass sich gerade erst von dem Schrecken erholt hatte und die Überraschung fordete ihren hohen Tribut seitens der Dorfbewohner. Die Räuber kämpften, blind vor Rachsucht und Hass, bis keiner von ihnen mehr am Leben war.
Denuo hatte hohe Verluste zu beklagen, die leidvollen Schreie von Witwen und kleinen Waisen war bis weit in den Morgen zu hören und eine ganze Weile sprachen die stummen Gesichter der Dorfbewohner von der Katasstrophe Bände.

Die Ältesten waren ebenso verzweifelt wie wütend; sie gaben Shagon die Schuld an allem und verbannten ihn für immer aus Denuo. Nie wieder dürfte er zurückkehren, nie wieder seine Familie und Freunde sehen, nie mehr.
Seit diesem tragischen Tag hatte Chas weder etwas von seiner Drillingsschwester Raiya noch von seinem Drillingsbruder Shagon etwas gehört, obwohl er so manche Nächte in den Wäldern um Denuo genächtigt hatte, stets in der Hoffnung beide wiederzusehen.

Chas schüttelte seinen Kopf, um die traurigen Gedanken zu verscheuchen. Die Realität holte in ein, er schaute Shagon mit traurigem Blick an. „Ich hätte sie auch lieber verfolgt, aber wir mussten auf den Rat der Ältesten hören.

Du weißt, dass wir sie niemals in Frage stellen dürfen, wir müssen ihren Befehlen gehorchen. Und wärst du der Bande damals nicht gefolgt und sie ermordet, hätten wir nicht viel mehr Tote zu beklagen gehabt, nachdem ihr zweiter Angriff wie ein tosender Herbststurm über Denuo fegte und uns völlig überrumpelte. Du warst ja nicht da, du hast nicht gesehen wie sie die Frauen und Kinder ohne Unterschied abschlachteten, du hast nicht den Schmerz gefühlt, hast nicht gesehen was wir leidvoll mit ansehen mussten, bevor wir ihre Köpfe unter der Last unzähliger Hämmer entzweibrachen, ihre Beine und Arme abtrennten und ihre Körper verbrannten.
Nein, solch ein Wüten hast du noch nie erlebt“.

Shagon durchbohrte ihn mit seinen schwarzen Augen, die unbeugsam und voller Wut auf die beiden starrten. „Ha, nur weil ihr zu schwach wart, kamen so viele Dorfbewohner ums Leben. Wie immer wurde dem Dorf ihre eigene Unfähigkeit bewußt, ohne mich blieb ihnen nichts anderes als der Tod“.
Chas konnte die nackte Wahrheit hinter seinen Worten nicht leugnen. Shagon war ein herausragender Kämpfer, der beste den das Dorf je hatte. Ein Meister im Umgang mit der Zweihandtechnik und dazu unglaublich bewandert in der Psyenergie, auch wenn viele ihm nachsagten, er wäre ein Bündnis mit dem Teufel eingegangen, da seine Macht auf keinem der bekannten Elemente beruht.
Nichtsdestotrotz war Shagon der unangefochtene Held des Dorfes, unzählige Male hatte er Denuo ganz allein vor den brutalen Banden von Räubern und anderen Scheusalen verteidigt. Um so mehr hatten sich die Bewohner damals gewundert, warum ihr Held in die Verbannung geschickt wurde, doch niemand hinterfragte die Entscheidungen des Rates, so war es schon immer gewesen.

„Hätte der Rat früher auf mich gehört und eine Festungsmauer, Wachposten und eine Miliz aufgebaut, wären niemals so viele Bürger gefallen und ich wäre nicht verbannt worden. Aber Tvash hat das von Anfang an geplant, ihm ist nicht zu trauen“.
Shagon machte eine Pause und holte tief Luft, bevor er sich zu ihnen runterbeugte. „Nun gut, dass ist die Vergangenheit, Bruder“, wobei er das Wort Bruder verächtlich betonte. „Sollte einer der beiden Verräter wirklich unser Vater sein, werde ich ihn mit meinen eigen Händen töten, dass verspreche ich dir, mein schwächlicher Bruder“. Shagons Augen funkelten vor reiner Mordlust und bei Chas sträubten sich alle Haare.

In Chas Kopf hallten Shagons Worte dumpf nach und schwollen zu einem lauten Stimmengewirr an – sein Kopf dröhnte und Chas hatte das Gefühl, dass er jeden Moment unter einem lauten Knall bersten würde, wie eine trockene Nußschale unter einem unbarmherzigen Fuß. Was soll das heißen? Wieso sollte ihm nicht zu trauen zu sein, all die Jahre hat er nur das Beste für unser Dorf getan. Nein, Shagon ist verblendet vom Hass, er weiß es nicht besser, sprach sich Chas in Gedanken Mut zu – doch eine hässliche Unsicherheit machte sich in ihm breit, schlich durch seinen Körper wie ein tückisches Gift.

Shagon stand auf, ging ein paar Schritte weg und hob beschwörend seinen rechten Arm. Er murmelte ein paar unverständliche Worte, sie klangen dunkel und bösartig - sie klangen wie grausame Verwünschungen, die einem den Tod versprachen.
Chas wurde abermals aus seinen Gedanken gerissen, als er merkte wie er und Sam von einer unsichtbaren Kraft emporgehoben wurden.

Plötzlich umgab sie beide eine Art kreisförmiges Kraftfeld, das in einem dunkel-lilanen Schein glänzte und kräftig leuchtend pulsierte, als würde es Leben in sich tragen. Shagon grinste sie schief an. „Das wird euch nich töten, immerhin waren wir mal Freunde, aber die Verletzungen werden euch daran hindern, mir zu folgen“.
Seine Lippen setzten erneut an, um den Spruch zu vollenden, als Chas dazwischenschrie. „Warte bitte noch“, flehte Chas ihn an.

Sein Atem ging schwer, das Kraftfeld zerrte an ihm, als wollte es ihn in Stücke reißen. „Wie hast du das gemeint, dass man unserem Bürgermeister Tvash nicht trauen kann“. Er blickte Shagon bittend an und hoffte eine Antwort auf seinen schmalen Lippen ablesen zu können.
Doch Shagons Gesicht zierte wieder derselbe emotionslose Ausdruck als er kühl antwortete: „Tvash spielt ein falsches Spiel, mein leichtgläubiger Bruder. Ihm ist einfach nicht über den Weg zu trauen, der wahre Grund für meine Verbannung ist nicht, wie ihr alle glaubt, der Angriff der Banditen.
Es gibt einen ganz anderen Grund, die Bürger von Denuo sind Tavsh egal, aber das merkt ihr folgsamen, blinden Lämmer ja nicht. Ich kann euch auch keinen Vorwurf machen.

Es ist Tvash, den ich abgrundtief hasse, nicht dieses Dorf, Bruder. Er ist für den Tod von zahlreichen Adepten verantwortlich, nur um seine falschen Intrigen zu spinnen und Zwietracht zu sähen“. Shagon genoß sichtlich den irritierten Blick seines Bruders, hob lächelnd seinen Arm und vollendete mit abermals unverständlichen Wörtern seinen Spruch.
Durch einen Wink seines Arms flogen Chas und Sam mit atemberaubender Geschwindigkeit fünf Schritt nach hinten, bevor sie mit einem schrecklichen Geräusch, ähnlich dem Bersten von Knochen, gegen eine meterdicke, steinerne Hauswand krachten.

Beide fielen auf den harten Boden und rührten sich nicht mehr. Shagon blickte sie abschätzend an. Er hatte die Kraft richtig eingeteilt, oder nicht? In jedem Fall war es egal, es galt nun seinen, von der heutigen Stunde an, verhassten Vater zu finden und zu töten. „Lass uns gehen, Dschinn, wir sind hier fürs erste fertig“, sprach er das Wesen an seiner Seite an, dass bis dahin völlig ungerührt neben seinem Meister ausgeharrt hatte. Shagon übergab dem Wesen ein merkwürdiges Schreiben aus pechschwarzem Papier, die Versiegelung war mit Blattgold verziert und gab der Wichtigkeit des Schreibens zusätzlichen Nachdruck.

Der Dschinn nahm in bedächtig an und verschluckte das Schreiben, als hätte er es verspeist. „Ich möchte, dass du den Schattenfürsten für ihre Hilfe dankst. Mein Meister und Ich werden uns in absehbarer Zeit erkenntlich zeigen. Dem Brief sind ein paar Entschädigungen beigefügt. Allerdings gibt es ein neues, unerwartendes Problem. Laut den Informationen unserer Späher, hat ein gewisser Alex gestern mit zwei anderen Adepten, einem älteren, männlichen Erdadept und einer jungen Anhängerin des Winds, einen unserer Posten überfallen.

Dabei wurde einer der sieben Fürsten, Fürst Grenau, getötet. Es ist kein besonders schmerzlicher Verlust, für uns war er lediglich eine von vielen Figuren, in dem von meinem Meister brilliant geplanten Marionettenspiel.
Erfülle deine Aufgabe schnell Dschinn, die Zeit drängt – denn der Wandel hat bereits begonnen. Ich werde mich persönlich um diesen Alex und seine beiden Begleiter kümmern. Richte bitte meinem Meister aus, dass ich zurückkehre, sobald ich den Mörder meines Vaters gefunden habe und den Tod der vielen Unschuldigen gerächt habe; er wird Verständnis dafür haben.
Ich erwarte deine Ankunft in spätestens einer Woche. Nun geh, Charon sei mit dir“, sagte Shagon lächelnd und streichelte den Dschinn behutsam.

„Wie ihr wünscht, Nachtwächter Shagon“, erwiderte der Dschinn erfürchtig während er sich verbeugte und war sofort verschwunden. Shagon blickte auf die junge, mitte dreißig, weibliche Leiche, die zu seinen Füßen lag.
Ihre Augen waren geschlossen und ihr Blick friedlich, trotz der ellenlange Wunde die ihren feinen Oberkörper vom Hals bis hin zum Nabel grausam verunstaltet hatte. Ihr silber glänzendes Haar war schulterlang und verfärbte sich unterhalb der Schultern in einen blutroten Ton. Die leichte Lederrüstung war von dem heftigen Schlag in zwei Hälften geteilt worden, die beide rechts und links neben ihrer Hüfte lagen. In der Rechten Hand lag blutverschmiert eines ihrer beiden seidendünnen Kurzschwerter, das ebenfalls zerteilt war, das andere steckte ein paar Meter weiter in einer massiven Holztür fest. Ein zierlicher Schild, der ihre linke Hand bedeckte, war komplett geborsten, Leder, Riemen und Metallplättchen lagen versprenkelt um sie herum. Zusammen mit dem silbernen Umhang, den jetzt zwar einige rötliche Flecken zierten, und ihrem silber glänzendes Haar, machte sie dem Scragal Clan ihrer Schönheit wegen alle Ehre.

Selbst im Tod strahlte sie immernoch jene Eleganz, jene Schönheit aus für der Scragalclan bekannt war, ohne dabei überheblich zu wirken. Shagons Miene verfinsterte sich und eine kleine Träne stahl sich aus seinem linken Auge. „Ich werde dich rächen Mutter, ich lass ihn nicht davon kommen, ganz gleich wer es gewesen ist. Vergib mir bitte meine damalige Tat“. Angewidert bei dem Gedanken an seinen Vater, spuckte er zu Boden. Shagon schloss seine Augen und sprach noch einen Zauber. Mit einem hellen Blitz, der die Umgebung in ein gespenstisches Licht tauchte, verschwand er im nächsten Moment.


Augenblicklich verlor sein Zauber an Macht, der Chas und Sam noch immer zu Boden gedrück hatte und beide stöhnten vor Schmerzen, als der Druck qualvoll langsam nachließ. Sie versuchten sich hochzustemmen, aber sie sackten wenig später unter lauten Schmerzenschreien zusammen.

Ihre Rüstungen waren stark demoliert, tiefe Risse durchzogen die, an sich feinen und kunstvoll herausgearbeiteten, Muster und Runen.
Vom Blut vollgesogene Lederhemden ragte unter den Rüstungen hervor, gebrochene Rippen und Brüche an Armen und Beinen setzten beiden schwer zu, hier und da schaute sogar ein ein winziges Teil einer Rippe aus der Hüfte hinaus. Langsam und Leise wie das Ticken des Zeigers einer Uhr, tropfte das Blut im ruhigen, gleichmäßigen Rhythmus auf die Straßen, vermengte sich mit dem Dreck und den anderen roten Pfützen, während sich Chas und Sam unter pausenlosem Gestöhne, Gefluche und schrecklichen Schmerzensschreien schließlich zu der Stelle schleppten, an der Shagon sich in Luft aufgelößt hatte.

Neben Chas Mutter lag auch die von Sam.
Ihre Augen waren schmerzgeweitet, der Mund formte einen stummen Hilfeschrei und beide fingen bei dem Anblick bitter an zu weinen. „Nein, nein das kann nicht sein. Mutter, du darfst nich tot sein, wach doch auf verdammt“, schrie Sam laut, obwohl er längst wußte, dass seine Mutter weder heute, noch irgendwann wieder aufwachen würde. Sie lag auf der Seite, angelehnt an einen Pfeiler aus massivem Holz. Durch ihren Bauch ragte ein langer metallener Speer, der sie fast ganz durchgebohrt hatte, ehe er in einem zweiten Holzpfeiler hinter dem ersten stecken blieb.
Ihre weiß, blaue Robe, die rund um den Speer zerrissen und rot gefärbt war, zeichnete sie als einen Meisterheiler und hohen Anhänger des Beyonclans aus.

Auch Chas starrte seine Mutter an, so wie Shagon kurz zuvor.
In seinen Augen funkelte derselbe flammende Zorn und er wurde nur von der unbändigen Trauer, die sie befiel, im Zaum gehalten. Beide versuchten ihre Tränen zu unterdrücken, so wie es sie die erwachsenen Männer gelehrt hatten um keine Schwäche zu zeigen, aber bei dem Anblick ihrer beiden toten Mütter konnten sie nicht aufhören und Träne um Träne kullerte aus ihren Augen und landete schließlich mit leisem Platscher auf dem, mit rissen durchzogenem Steinpflaster der Straße, die wie ein einziges Schlachtfeld aussah.

Sie war an einigen Stellen komplett zerstört, Häuser und Stände, die dem Erdboden gleich gemacht waren, säumten die gesamte Straße. Tote Anhänger beider Clans lagen enstellt in tiefen Blutlachen und der Regen tauchte die Steine in ein dunkles, kirschfarbenes Rot. Es war kaum auszudenken was hier für ein verzweifelter Kampf stattgefunden haben musste.

Chas ließ noch einmal seinen schmerzerfüllten Blick über die einsame Straße wandern. Hier lagen gut Zweihundert Adepten aus den beiden größten Clans Denuos: Beyon und Scragal. Chas hoffte inständig, dass es irgentwelche Überlebende aus den beiden Clans gab, gleichzeitig schauderte er vor Angst bei dem Gedanken an den Mörder. Wer? Warum? Und vor allem, wie konnte diese Tragödie sich nur ereignet haben? Doch im Moment konnte er vor lauter Schmerzen kaum einen klaren Gedanken fassen.

Mit einem gellenden Wutschrei, der Glas zum Springen hätte bringen können, sanken beide schließlich zu Boden und wanden sich vor Schmerzen, was allerdings Sam nicht daran hinderte Shagon wutentbrannt und verzweifelt zu verfluchen und zu beschimpfen. Minutenlang war nichts, außer den grausamen Schreien und Verwünschungen zu hören, die dumpf durch ganz Denuo hallten, bis Sam und Chas erschöpft und geschwächt, durch ihre bösen Verletzungen, in tiefe Ohnmacht fielen.

Schon kurz nachdem sie sich ins Reich der Träume verabschiedet hatten, tauchten eine erste Gruppe von schwer bewaffneten, männlichen Bewohnern auf. Als sie das Gemetzel und die Zerstörung sahen, versagten ihre Stimmen und ihre Mienen erstarrten. „Was ist hier los“, hörte man den alten Bürgermeister Tvash erschöpft sagen, der auf einen Stock gestützt, als letzter der kleinen Gruppe ankam. „Bei Iris, das ... ist ja ... fürchterlich ... wie?... „.

Der Bürgermeister verstummte plötzlich, Tränen füllten seine runzeligen, vom Alter gezeichneten Hände und er fing leise, aber bitter an zu weinen. Frauen schlangen sich mit traurigem Blick um ihre still gewordenen Männer und das Geschreie der kleinen Kinder hallte wie ein grausiges Echo über einen kalten Friedhof.




Kapitel 2 - Der Angriff



Mit wildem Gestrampel und einem durch Mark und Bein gehenden Schrei wachte Chas auf. Er wußte zuerst nicht, wo er sich befand und blickte sich verwirrt um, bis ihm die letzten grausamen Erinnerungen wieder vor Augen erschienen. Er seufzte, als er merkte, dass sein Albtraum nicht ein böser Traum, sondern die bittere Realität gewesen war. Sein Verstand hatte die brutalen Geschehnisse versucht zu verarbeiten, die ihm vor rund drei Tagen passiert waren, solange hatte er mit dem Tod gerungen. Unter ächzem und schweißgebadet mit einem klitschnassen Hemd raffte sich Chas auf.

Das Zimmer in dem er lag, war in nüchternem Weiß gehalten und schlicht dekoriert. Das Weiß der Wände wirkte kalt auf ihn und er schauderte unwillkürlich. Ich bin im Krankenhaus, dachte er noch, bevor ihn die Müdigkeit übermannte. Erschöpft ließ er sich zurück fallen und schlief schließlich ein.
Zwei ganze Wochen später waren Sam und Chas aus dem alten Krankenhaus entlassen worden. Sie beide hatten lebensgefährliche Knochenbrüche- und quetschungen, besonders am Rücken, erhalten und Chas war haarscharf am Tod vorbeigeschrammt. Sam hatte eine Woche weniger das Bett gehütet, als Erdadept besaß sein Körper unglaubliche Selbstheilungsfähigkeiten, sodass seine Verletzungen nur die knapp Hälfte der Zeit brauchten, um zu heilen, außerdem konnte er wesentlich mehr einstecken durch seine Statur, als der eher schmächtigere Chas.

Sie trafen sich am nächsten Morgen bei Sam zuhause, wo er gerade an dem Grab seiner Mutter stand – die Häuser und insbesondere die Gärten waren so angelegt, dass bei Bedarf Clanangehörige in ihren eigenen Häusern bestatt werden konnten.

„Ich hasse es, machtlos zu sein“, sagte Sam schließlich resigniert und mit müder Stimme. „Warum sterben immer die Guten, die Freunde und Verwandten, die man ins Herz geschlossen hat, warum? Ich weiß nicht wie viele böse Menschen wir schon getötet haben, elende Räuber und mordende Banditen, grausame Monster und andere scheußliche Kreaturen, doch es hört einfach nie auf, verstehst du? Es gleicht schon fast einem Kampf gegen Windmühlen. Unsere Mütter haben nie im Leben etwas schlechtes getan und jetzt wurden sie einfach so niedergemetzelt, vor einem Jahr wurden unsere Schwestern entführt und Denuo bereits das zweite Mal von einem großen Überfall heimgesucht, man könnte meinen Iris ist sehr wütend auf uns“, lächelte er bitter - die beißende Ironie war kaum zu übersehen.

Seine Niedergeschlagenheit wich einer unbändigen Wut, die wie ein hungriges Feuer in seinen Augen loderte. „Wenn ich Shagon finde bring ich ihn eigenhändig um, koste es was es wolle!“. Chas setzte sich auf einen Stuhl, schlug die Beine übereinander und blickte seinen besten Freund lange an.
Sam erwiderte seinen Blick, doch in seinem Gesicht lag nicht die Ruhe, die Chas Gesicht zierte, im Gegenteil. Sam Gesichtsausdruck glich beinahe dem eines Wahnsinnigen. „Ich kauf ihm die Geschichte nicht ab, dass unsere Väter die Mörder sind, das ist doch nur eine weitere Lüge. Das alles ergibt nicht den geringsten Sinn, Väter als Mörder, wilde Verschwörungstheorien und dazu seine verschlagene Art – ich sage, dass er sie alle umgebracht hat, aus Rache für seine Verbannung. Auch wenn er dein Bruder ist Chas, das rettet ihn nicht“.

Sam ballte seine Fäuste, schwieg aber, weil er nichts mehr sagen wollte. Er wußte, wie sehr Chas an Shagon hing und auch er dachte leidvoll an vergangene Tage wo sie zu Fünft Denuo unsicher machten. Damals waren sie noch alle zusammen gewesen; Chas, Shagon, Rayia, seine Schwester und er hatten jeden Tag neue Abenteuer unternommen, die Schule geschwänzt und dafür gesorgt, dass Denuo stets von Leben erfüllt war.

Sie waren immer ein gutes Team gewesen. Der schlaue Chas, der aufbrausende Shagon, die milde Raiya, seine temperamentvolle, ältere Schwester und er selbst, der gutmütige Riese wie Raiya ihn damals immer genannt hatte.
Besonders an sie hatte er Tag und Nacht gedacht – eigentlich tat er es immer noch, wie er sich selbst eingestehen musste - und sein Herz war im Dreieck gesprungen, wann immer er sie getroffen hatte. Einmal hatte Sam es seinem Vater erzählt und er hatte von Herzen gelacht und gesagt, dass es ganz normal sei, so hätten sich ja Mutter und er schließlich auch kennen gelernt. Damals hatte Sam nicht sofort verstanden, was sein Vater ihm versucht hatte zu vermitteln. Jetzt musste er nur noch schmunzeln, wenn er an die damaligen Worte dachte.

Mit Sehnsucht, Schmerz aber auch mit unendlich viel Glück und Freude, dachte er an die vergangen Jahre zurück, die lauschigen, ruhigen Sommer, in denen sie immer in einem nahen See gebadet, oder im Winter die Straßen mit zahlreichen Schneemännern geschmückt hatten.

Gleichzeitig verfluchte Sam die Räuber, die soviel Unglück über ihr Dorf gebracht hatten und schwor sich, es ihnen einen Tages heimzuzahlen und keine Gnade walten zu lassen, auch wenn er ansonsten eher friedlicher Natur war.
„Du tust ihm Unrecht, Sam“, sagte Chas schließlich und riss Sam aus seinen Gedanken.

„Warum hätte er denn den einen Adepten verschonen sollen? Und nur aus Rache so ein Massaker zu vollbringen? Mir missfällt der Gedanke auch und wenn ich ehrlich bin versteh ich gar nichts mehr. Dass unsere Väter tatsächlich zu so einer Tat fähig wären ...“ Sam blickte betreten zu Boden. „Tut mir leid Chas, ich bin nur so verzweifelt. Ich weiß doch, was Shagon dir bedeutet und ich hoffe ja selber, dass er es nicht war, doch das unsere ... Väter es gewesen sein sollen ...“. Er brach den Satz ab und schaute zu Chas, der seinen Blick erwiderte.

Chas blickte seinen besten Freund lange an. „Und ich weiß was dir Raiya bedeutet, mir kannst du nichts vormachen“, sagte er lachend und erfreute sich daran, dass Sam sofort errötet den Blick nach unten sengte. Mit sanftem Blick sagte er: „Einen geliebten Menschen zu verlieren ist nie einfach. Das gilt für Freunde, wie Verwandte oder Familienmitglieder.
Ich kann verstehen das du in Shagon den Schuldigen siehst“. Lächelnd fügte er hinzu: „Und du bist ja auch erst Sechzehn“. Er neckte ihn und spielte auf den großen Altersunterschied zwischen ihnen an.
Oft spielte er den älteren Bruder, herblassend und weise zugleich und Chas freute sich immer schelmisch wenn er dadurch Sam zur Weißglut brachte. Seine Rechnung ging natürlich, wie so oft auch, auf.

Sam blickte ihn sofort herausfordend an. „Hey! Falls du es vergessen hast, ich bin gestern siebzehn worden. Und einundzwanzig ist auch nicht viel älter“ gab er leise dazu. Trotz der schrecklichen Umstände musste Chas lachen angsichts der vorhergesehnten Situation. Sam stimmte schallend mit ein, als er bemerkte, dass Chas ihn mal wieder aufgezogen hatte.
Das Lachen tat ihnen gut und ließ sie für eine Weile den Schmerz und all das drumherum vergessen. Sam schaute seinen besten Freund ernst an. „Was auch immer passiert, wir halten zusammen wie Pech und Schwefel alles klar Chas?“, sagte er und hielt ihm dabei seine Hand hin. Chas lächelte, als er sie ergriff und einschlug: „Wir halten zusammen. Bis zum bitteren Ende. Wobei bitter sollte es nicht unbedingt sein, nicht wahr?“, setzte er lachend hinzu, obwohl sich ein flaues Gefühl in seinem Magen breit machte.

Sam geriet zusehendst in Aufbruchstimmung. „Na gut ich muss los und werd dem Schmied aushelfen. Ich denke wir sollten zunächst die Versammlung der Ältesten abwarten und sehen, wie sie entscheiden“.
Chas schmunzelte, dass Sam, ein Sprössling des Beyon Clans, tatsächlich Gefallen an der Schmiedekunst gefunden hatte. Doch Sam war ohne Zweifel einer der besten Schmiede im Dorf, wenn nicht sogar der beste, daran gab es keinen Zweifel. Er vermutete, dass der Einfluss des Erdelementes seines Vater deutlich größer war als beim ihm der des Feuers. Dass Feueradepten eben nicht die besten Schmiede waren, verwunderte ihn schon seit langem und er hatte es selbst ausprobiert, mit mittelmäßigem Erfolg und seitdem hatte er sich damit abgefunden - die besten Schmiede waren einfach Erdadepten, warum auch immer.

„Gut ich werde nacher auf dem Stoppelfeld wieder fleißig trainieren. Wer weiß wem wir noch alles gegenüber stehen werden. In jedem Fall müssen wir stärker werden“, sagte er zwinkernd.
Sie verabschiedeten sich mit einer herzlichen Umarmung und vereinbarten, sich morgen wieder zu treffen.


Am nächsten Morgen traf Chas Sam in seinem Haus an. „Hey bist du da?“ rief er in das riesige Haus mit lauter Stimme. „Ja ich bin im Garten“ hörte er Sam von weiter hinten rufen. Er stand im Garten – ein Bild von seiner Mutter in seinen bulligen Händen haltend. Sie war noch sehr jung auf dem Bild, hatte aber bereits die weiß, bläuliche Robe an, die als Auszeichnung der bestandenen Prüfung als Meisterheiler vergeben wird – ein strahlendes Lächeln umspielte ihren Mund und in der linken Hand hielt sie stolz die Prüfungsurkunde. Chas ging zu ihm und blieb neben ihm stehen.

„Ich habe es eben selbst erst erfahren, aber scheinbar war es wirklich ein Verrat aus den eigenen Reihen. Die beiden Clans hielten gerade zusammen eine Geheimsitzung ab, niemand wußte davon“. Sam seufzte tief bevor er zu einer Antwort ansetzte: „Ja das habe ich befürchtet. Sollten sich alle Vermutungen bestätigen, müssen wir unsere Väter töten Chas, das weißt du, auch wenn diese neuen Vorwürfe wieder nichts bedeuten müssen. „Sie wiegen schwer ja, weil nur unsere Väter als einzige überlebt haben, abgesehen von uns. Das bedeutet, dass wir beide zu den letzten unseres Clans gehören, selbst die kleinen Kinder wurden nicht verschont“.

Sam schaute betreten zum Grab seiner Mutter: „Und unsere Familien auch nicht“, fügte er stockend hinzu. Nach einen paar Minuten, in denen sie beide auf Knien für das Heil der Mutter beteten, legte er schließlich das Bild auf das Grab. Chas stand einfach da und legte seinem besten Freund die Hand auf die Schulter zum Zeichen seiner Anteilnahme. Sam erhob sich schließlich. „Ich hoffe du hast unrecht“. „Ich auch, Sam, glaub mir ich auch“, flüsterte Chas leise während er beklommen zu Boden schaute – er fühlte sich, als würde ihm ein Kloß im Hals stecken.
„Komm lass uns nach draußen gehen, um mal auf andere Gedanken zu kommen“, meinte Chas, nachdem seine Zuversicht wiedergekehrt war. Sam nickte zustimmend.


Während sie nach draußen gingen um sich abzulenken, tagte tief unter der Erde in einem Konferenzraum der „Rat der Ältesten“ . Dieser Rat bestand aus den Zwölf weisesten und stärksten Dorfbewohnern und zwar genau Sechs Frauen und Sechs Männern unterschiedlichen Alters – bei der Gründung durften nur Männer und Frauen beitreten, die das Hundertste Lebensjahr beendet hatten, selbst für Adepten zu der Zeit ein hohes Alter. Diese Beschränkung wurde bereits wenig später aufgehoben, da andernfalls der Rat vermutlich ausgestorben wäre. Auch wenn der Name erhalten blieb, wurde doch zunehmend jüngeren Erwachsenen die Ehre zuteil, diesem Rat beizutreten. Nur wenige im Dorf wußten, dass es diesen Geheimrat gab und selbst diejenigen die es wußten – zumeist einfache Boten, sogenannte Kitaki -, kannten nicht die Namen der Mitglieder oder sonst etwas. Lediglich die bloße Existens war diesen Boten bekannt.

So war eine strenge Gehimhaltung stets gesichert, denn einmal im Rat blieb man bis an sein Lebensende, sofern man nicht ausgeschlossen wurde. Außerdem bekam man ein Siegel auf die Zunge, das es unmöglich machte jegliche Informationen über den Rat und alles was damit verbunden war zu verraten. Die Mitglieder wurden nur aus den vier großen Clans einberufen, Ausnahmen gab es keine und die Gründung des Rates reicht weit zurück, bis in das Goldene Zeitalter – von dem Jahr 0. an bis ca. zum Jahr 800. nach der Wende, zur Zeit jener acht großen Helden. Sie schufen diesen Rat, um die einzelnen Herrscher in ganz Weyard zu überwachen, denn die Helden hatten dem Alten Weisen einst versprochen auf den Frieden zu achten und ihn zu sichern.

Während also das Leben in Denuo langsam wieder weiterging, traf sich der Rat unter der Erde zu einer Besprechung, um über den blutigen Angriff zu beraten. Sara Beyon und Avia Scragal, Sam und Chas Mütter, waren auch Mitglieder gewesen, ebenso die Väter Marius Scragal und Georg Beyon, die beide im Verdacht standen diesen Verrat begangen und alle anderen Clanangehörigen brutal und kalt niedergemetzelt zu haben.

Durch den Tod von Avia und Sara und den eventuellen Verrat von Marius und Georg war der Rat nun geschwächt – vier Mitglieder fehlten, acht waren nur noch übrig. Die Ältesten beschlossen Sam und Chas auf eine Reise zu schicken um zu ihren Vätern aufzuschließen und sie gefangen zu nehmen, damit sie in Denuo dem Gericht übergeben werden konnten.

Obwohl Chas und Sam noch beide sehr jung waren, gehörten sie schon zu den stärksten Adepten in Denuo und waren sehr talentierte Kämpfer. Die Eltern waren ebenfalls noch sehr jung gewesen als sie aufgenommen wurde was daran lag, dass sie für ihr Alter besonders starke Kräfte entfalten konnten – wie stark letztendlich die Nachkommen der Helden wurden, war reiner Zufall.

Das heißt, dass, wenn überhaupt, die Anlagen für solche großen Kräfte weitergegeben wurden, aber eine Garantie war das noch lange nicht, die Großeltern von Sam und Chas waren ganz normale Adepten gewesen, eher unter dem Durchschnitt, was die Masse an Psyenergie und deren Anwendung angeht.

Aus den acht großen Helden bildeten sich insgesamt vier große Clans. Cosma und Ivan gingen den heiligen Bund der Ehe ein, ebenso Aaron und Jenna sowie Garret und Mia. Felix heiratete eine Frau aus Prox, Isaac eine Überlebende aus Vale. Bis auf Felix und seine Frau, die kinderlos blieben, hatten die anderen Nachkommen und zwar reichlich, was daran lag, dass die Helden wohl Nachts ihr wahres Temperament zeigten, wie der Gelehrte Kraden stets schmunzelnd und vor allem leise gesagt hatte um nicht den zornigen Blick Jennas, sowie nachfolgende Schläge ertragen zu müssen. Diese „Vier“ waren Clan Scragal mit dem Element des Windes von Cosma und Ivan, Clan Beyon, Adepten des Wassers von Mia und Garret, Clan Draghzir mit dem Feuerelement von Jenna und Aaron und Clan Eth'rhar, Erdadepten von Isaac und seiner Frau aus Vale.

Da es den meisten Ratsmitglieder Furcht bereitete, dass die Verräter scheinbar mühelos alle Zweihundert Angehörigen ihrer Clans hatten umbringen können, wollten sie Chas und Sam nur wiederwillig losschicken. Doch die beiden waren nach ihren Vätern mit die stärksten im Beyon- und Scragalclan. und Angelegenheiten, die einen Clan direkt betrafen, wurden in der Regel auch von ihm alleine gelößt, ohne Hilfe der anderen. Da Sam und Chas die einzigen Überlebenden, neben ihren Vätern und Shagon, waren, war der Rat gezwungen sie zu entsenden.

Zumindest war das offiziell. Doch inoffiziell unterhielt der Rat seine eigene Truppe von Assassinen, die Zarku, um ihre fragwürdigen Aufgaben zu erledigen. Die Truppe bestand aus zirka einem Dutzend männlichen und weiblichen Adepten, die alle aus den vier Clans stammten und eisern im lautlosen Töten geschult wurden. Die Aufgabe der Zarku war es, Abtrünnige zu jagen, Kriegsverbrecher zu ermorden oder kriegslüsterne Herrscher zu eliminieren.

Sie dienten dem Rat und erfüllten ihre Aufgabe mit absolutem Gehorsam und stellten niemals Entscheidungen infrage. Die Zarku waren einer der Machtpfeiler des Rates, er stützte das Dorf Denuo, wenngleich er auf Kosten vieler Tausender Leben errichtet worden war. Der Rat gehörte zu den sogenannten Hardlinern, die Denuo im Stillen vor Schaden bewahrten, da sich ihre Methoden selten im legitimen Breich befanden.
Es gab natürlich in Denuo auch einen Bürgermeister und seine Regierung denen aber die Existens verschwiegen wurde so wie den meisten anderen Fünftausend Einwohnern - Tvash war der erste Bürgermeister überhaupt, der Mitglied im Rat war.

Um sich den Alltag erträglicher zu machen und weil die Entscheidung des Rates noch auf sich warten ließ, gingen Chas und Sam zusammen trainieren auf dem Stoppelfeld vor Denuo. Im Kampf waren sie sich ebenbürtige Gegner, obwohl sie unterschiedlicher nicht hätten sein können.
Sam mit seiner riesigen Axt und einem furchteinflößenden Hammer sah in seiner glänzenden Rüstung aus wie ein gottgleicher Titan. Seine Axt war fast so groß wie er selbst, der Hammer nicht minder klein und die Rüstung bedeckte ihn vollständig von Kopf bis Fuß. Dazu seine Größe von fast Drei Metern ließ viele Gegner schon beim bloßen Anblick voller Furcht davonlaufen. Durch die Ganzkörperrüstung und die beiden schweren Waffen war Sam allerdings nicht der schnellste.

Nur die Rüstung wog schon gut Einhundert Kilo, da sie an einigen Stellen mehrere Zentimeter dick war und die ganzen Waffen, Rucksäcke und dergleichen waren nicht mitgerechnet, sodass er nicht selten die Last trug, derer vier oder fünf ausgewachsener Männer bedurft hätten.
Um seine Schwäche im Fernkampf auszugleichen hatte er gelernt mit dem Bogen zu schießen und das nicht gerade schlecht, wie Chas ab und an befand. In der Tat war Sam weit mehr als ein passabler Schütze im Laufe der Zeit geworden, woran das lag konnte er sich selbst nicht ganz erklären, denn weder seine Mutter noch sein Vater waren begnadete Schützen gewesen.

Obendrein passte Sam so überhaupt nicht in den Beyonclan, höchstens seine bemerkenswerten Kenntnisse von Medizin, seine Heilfähigkeiten und seine knallblauen Haare zeugten von seiner Abstammung. Aber es war letzlich auch egal, die Hauptsache war, dass er mit dem Bogen umgehen konnte und das Sam es konnte, hatte er schon oft genug bewiesen.

Im Gegensatz zu Sam mit seiner bulligen Statur und seinen monströsen und ebenso schweren Waffen, war Chas Kampfstil geprägt von seiner unglaublichen Schnelligkeit und Wendigkeit. Er hatte bis vor kurzem zwei hauchdünne Kurzschwerter als Waffen benutzt, sogenannte Kumai, da sie federleicht und gleichzeitg messerscharf waren.

Sie waren eine Erfindung seines Clans gewesen, weil sie perfekt auf ihre Voraussetzungen zugeschnitten waren und seitdem gehörten sie zur Standardausrüstung eines Scragalsoldaten. Doch nach dem Tod seiner Mutter und dem Verrat seines Vaters hatte er aus Traditionsgründen zwei ganz besondere Schwerter geerbt.

Genauer gesagt war mit ihnen der Clan gegründet worden. Damals vor über Tausend Jahren, hatten sowohl Ivan als auch Cosma festgelegt, dass die zwei besten Adepten ihre beiden Waffen besitzen dürften – es war als ein kleiner Ansporn gedacht. Seit dem Zeitpunkt waren Generation für Generation die besten der besten ausgewählt worden, um mit diesen Waffen zu kämpfen, zu üben und so die Technik zu vervollkommnen.

Für die magisch Zugewandten stand Cosmas Stab zur Verfügung, Kämpfer stritten um Ivans Schwerter – der Begründer der sagenumwobenen Zweischwertertechnik, für die der Scragalclan so berühmt war. Ivans Schwerter waren beide auf ihre Art absolut tödlich, unterschieden sich aber erheblich in allen Bereichen, so wie Tag und Nacht, weshalb Ivan ihnen diese Namen gab; Tag und Nacht.

Tag hatte eine hauchdünne Klinge dessen Spitze leicht nach hinten gebogen war. Nacht besaß Zacken, anstatt einer scharfen Klinge, ähnlich einer Säge. Der Rest der Klinge war außerdem wesentlich breiter und dicker, vor allem zum Klingenrücken hin.

Ersteres hatte eine leuchtende, weißliche Klinge von der Länge eines Zweihänders, aus reinstem, silbernem Windkristall, die einige Hundert Lagen fasste, aber nach wie vor hauchdünn war. Der Griff bestand aus hellem Dankbukholz, war eine ganze Elle lang und fliligrane Goldstreifen waren in den Griff eingearbeitet. Obwohl man vermuten könnte, dass zwei Hände nötig wären, das Gewicht zu tragen, reichte ein starker Arm und eine feste Hand aus, um es zu führen, was vor allem an den federleichten Materialien lag.

Die andere Klinge hingegen glänzte pechschwarz, bestand aus einer ganz speziellen Legierung und war wesentlich kürzer, ungefähr die Länge eines Arms von einem erwachsenen Menschen. Die Bestandteile waren das seltene Tzoi-Erz, Cantyium und winzig kleine Fragmente eines Psykristalls. Das Tzoi-Erz gab der Klinge die satte, schwarze Farbe, Cantyium sorgte gleichzeitig für Geschmeidigkeit und die gute Schmiedbarkeit. Je nach Anteil dieses Metalls konnte die Klinge bis zu Zehntausend Lagen enthalten; Waffen oder andere Gegenstände in die Cantyium eingearbeitet war, konnten mehrere Tausend Jahre halten und waren nahezu unzerbrechlich.

Normalerweise lag die Anzahl bei höchstens Einhundert bis Dreihundert Lagen, wenn überhaupt. Deshalb war das Cantyium sehr selten und ebenso begehrt – in der Vergangenheit hätte deswegen beinahe ein Krieg stattgefunden.
Der Psykristall war dazu da, größere Mengen Psyenergie zu speichern, um sie bei Bedarf dem Träger zu spenden. Der Griff des dunklen Schwertes war aus massivem, dunkelrotem Hradaniholz, verstärkt mit dicken Streifen aus Tzoi-Erz und gab einen guten Kontrast zu der rabenschwarzen Klinge.

Insgesamt wog es gut das doppelt bis dreifache und hatte die Wucht eines Streitkolbens, während das andere Schwert trotz seiner Länge eher dazu gedacht etwas zu zerteilen.
Anders als Sams ummantellter Körper war Chas nur geschützt von einer modifizierten Lederrüstung, die mit ein paar Metallplättchen verstärkt worden war, um besseren Schutz zu bieten. Zusätzlich trug Chas immer einen riesigen, schwarzen Umhang mit Kapuze und Mundschutz, sodass er sein Gesicht und den restlichen Körper verbergen konnte.

Bei Nacht verschmolz er regelrecht mit seiner Umgebung, besser beherrschte das nur sein Bruder Shagon. Da Chas ebenfalls nicht gut im Kampf auf sehr weite Entfernungen war, hatte er auch einmal angefangen mit dem Bogen zu üben.
Schnell hatte sich herrausgestellt dass er kein guter Bogenschütze war und wohl auch nie einer werden würde. Also hatte Chas darüber nachgedacht, womit er denn umgehen könnte und als Waffe für den Fernkampf benutzen konnte.

Mit Bögen konnte er nicht richtig zielen und schießen und die riesigen Armbrüste waren ihm zu klobig und sperrig. Eines Tages kam ein Händler nach Denuo und verkaufte die merkwürdigsten Waffen und Rüstungen, die Chas jemals in seinem Leben gesehen hatte. Doch er fand hier etwas, was genau zum ihm zu passen schien: zwei kleine aber extrem tödliche Armbrüste für jeweils eine Hand.

Da sie für eine Hand gemacht und damit längst nicht so schwer waren, wie ihre größeren Verwandten, kam Chas schnell mit ihnen zurecht und wurde von Tag zu Tag besser, zumal sie nahezu perfekt zu seinen Fähigkeiten passten.

Das einzige was ihm nicht gefiel war der einzelne Schuss pro Armbrust – Nachladen konnte im Eifer des Gefechts tödlich enden -, also modifizierte Chas sie ein bisschen. Das Ergebnis seiner nächtelangen Tüfteleien war schließlich ein „Magazin“, wie er es nannte, ein Holzquader mit genug Raum für rund Fünzig kleine Pfeile, der unterhalb der Armbrust angebracht wurde und so kein manuelles Nachladen mehr nötig war, da die Pfeile durch einen Mechanismus sofort den gerade verschossenen ersetzten.

Wenn so ein Magazin leer war, steckte man einfach ein neues rein; das einzige Problem war hierbei der wahrlich gigantische Verbrauch an Pfeilen, weshalb Chas seine Armbrüste auch nur in Notfällen benutzte. Sie steckten auf seinem Rücken in speziellen Halterungen, sodass er sie blitzschnell herausziehen konnte.

Ein dutzend an Wurfmessern und Munition für die Armbrüste, gut gesicherte Phiolen mit den unterschiedlichsten Giften und Betäubungsmitteln, waren unter seinem Umhang versteckt angebracht. Chas war nicht so kräftig, glich das aber mit seiner Schnelligkeit mehr als aus und das obwohl auch er immerhin fast zwei Meter groß war.
Zusammen hatten sie schon oft das Dorf vor kleinen Überfällen durch Räuberbanden beschützt wie auch vor einem Jahr.

Ihre Stärke ruhte aber nicht nur auf ihren Körperlichen Voraussetzungen und kämpferischen Fertigkeiten, sondern auf einer bis dahin einmaligen Besonderheit. Jeder Bewohner in Denuo, wirklich jeder war grundsätzlich einem der vier Elemente Feuer, Wasser, Erde oder Wind zugetan, was bedeutet, dass jeder in Denuo ein Adept war, auch wenn nur rund ein Zehntel der Adepten auf die Vier Clans verteilt waren.

Die meisten Bewohner besaßen auch nur geringe Kräfte und Möglichkeiten in Bezug auf ihre Anwendung von Psyernergie angeht, aber es reichte um sich den Alltag angenehmer zu machen. Auch bei Sam und Chas war die Sache mit dem Element nicht direkt anders, jede ihrer Familien waren einem speziellen Element verschrieben.

Es gab bei den beiden aber zwei Besonderheiten, die so noch nicht vorgekommen waren. Chas Familie, der Scragal Clan war seit jeher dem Element des Windes zugetan. Die Scragals haben, je nach Stufe der Adepten, die Fähigkeiten anderer Menschen Gedanken zu lesen, Wind und Wetter zu nutzen und selbst über Kilometerweite Entfernungen nahezu perfekt zu hören.

Wenige sind außerdem mit der Gabe der Voraussicht gesegnet, Fähigkeiten die den Anemos nachgesagt werden und ein Grund warum viele Clananhänger die Anemos als ihre Ahnen verehren. Eine Eigenschaft, die Windadepten von Geburt an besitzen, ist ihre unglaubliche Schnelligkeit. Chas war hier besonders herausragend und sehr stolz auf seine Beweglichkeit, da keiner im Dorf schneller war als er.
Ein wichtiger Grund warum er sich für einen Kampfstil mit zwei Schwertern entschied, wie seine Mutter und so viele andere auch in seinem Clan. Der Scragalclan war nämlich berühmt für seine Perfektion des Zweischwerterkampfes, weshalb auch fast jeder diese Technik benutzte.

In der Familien Geschichte der Scragals waren oft Frauen die Stammhalter gewesen weshalb sie meist Männer außerhalb des Clans heirateten. Normalerweise wurde immer nur das Element des Stammhalters auf die Nachkommen übertragen, in Chas Familie also das Windelement.
Bisher war das auch immer so gewesen. Doch Chas hatte scheinbar durch Zufall die Fähigkeiten des Feuers von seinem Vater Marius mitbekommen. Es war das erste Mal in diesem Clan und auch in ganz Denuo dass jemand Zwei Elemente beherrschte, wobei sich Chas abmühte auch das Feuerlement zu beherrschen.
Sein Körper wehrte sich zunächst weshalb er die ersten Jahre seiner Kindheit mehr an Krankheiten und dergleichen zu leiden hatte als andere Kinder. Mit der Zeit hatte sich ein stabiles Gleichgewicht zwischen den Elementen eingependelt und sein Körper hatte sich dran gewöhnt.

Genau das selbe war bei Sam passiert. Seine Familie, der Beyon Clan, waren Nachfahren von Mia und Garret und es war seit jeher das Wasserelement vorherrschend. Sam Vater jedoch war ebenfalls angeheiratet und ein Erdadept. Sam hatte durch Zufall, wie Chas, die Fähigkeiten seines Vaters erhalten. Bei ihm waren die Auswikungen der Kombination von Wasser und Erde sogar wesentlich stärker, doch nicht unbedingt immer zu seinem Vorteil.

Sam wurde größer und kräftiger als je einer im Dorf zuvor. Eigentlich waren die Beyons eher zurückhaltend, sie stellten die beste Heiler der Clans. Selbst die männlichen Vertreter waren körperlich eher bescheiden bedacht, sie waren viel mehr die großen Denker, die Meistermagier unter den anderen Magiern mit enorm mächtiger Psyenergie. Da Sam so gar nicht zu den Beyons zu passen schien, wurde er als Kind oft gehänselt und die anderen Angehörigen spotteten über ihn, schimpften ihn als Missgeburt – die Freundschaft zu Chas gab ihm den nötigen Halt den er brauchte.

Die Auswirkungen auf die Psyenergie war bei Sam ebenfalls stärker. So konnte er bis zu einem gewissen Grad die Natur mit seinen Gedanken und Worten kontrollieren, z.B mit vielen anderen Lebewesen kommunizieren und das Wachstum von Pflanzen und Bäumen beeinflussen. Auch besaß er wohl die zehnfache Menge an Psyenergie, im Vergleich zu Chas, was er bisher aber kaum ausschöpfen konnte. Allerdings war das nur eine Vermutung von ihrem verstorbenen Lehrmeister Sama gewesen, der ihn und Chas immer gleichzeitig trainiert hatte.

Wie auch bei dem Windelement gibt es grundlegende Eigenschaften für Erde, Wasser und Feuer. Erdadepten sind meist größer als die Adepten anderer Elemente und auch kräftiger gebaut. Sie gehören zu den größten und kräftigsten Adepten in ganz Weyard und haben hervorragende Selbstheilungsfähigkeiten.
Erdadepten gehören, was das Kämpfen angeht, zu den Allroundern, das bedeutet sie haben die Anlagen um nahezu alle Waffen und Kampftechniken zu lernen, jedoch längst nicht perfekt anwenden zu können. Sie sind also ziemlich vielseitig, beherrschen aber nichts meisterlich.

Wasseradepten hingegen sind besonders intelligent und haben hervorragende Heilfähigkeiten. Die meisten Wasseradepten sind Magier – konzentriert auf den Kampf mit Psyenergie -, da ihre Körperlichen Voraussetzungen bescheiden sind. Sie haben auch die größten Mengen an Psyenergie und werden älter als alle anderen.

Feueradepten haben den besten Geruchssinn und die schärfsten Augen von allen, was sie besonders als Späher auszeichnet. Sie können hervorragend im Dunkeln sehen und gehören zu den besten Kämpfern, besonders im Nahkampf sind sie regelrechte Berserker. Adepten des Feuers haben neben Windadepten die größte Zerstörungskraft von allen, leben dafür aber auch am kürzesten.

Sam war alles andere als ein Magier, er verließ sich lieber auf seine schlagfertigen Hände und eine große Axt in seinen Händen. Ansonsten hatte er nur die besten Eigenschaften bekommen und zwar von beiden Elementen, von den riesigen Mengen an Psyenergie bis zu seinen starken Heilfähigkeiten. Obwohl er absolut kein Magier war, war Sam dennoch zu einem begnadeten Arzt herrangewachsen. Sein messerscharfer Verstand bei diesen Sachen hatten Chas und auch ihm selbst so manches Mal das Leben gerettet. Denn seit seiner Kindheit, war es Sams größter Wunsch, irgentwann mal Arzt zu werden, trotz seiner kämpferischen Fähigkeiten.

Mittlerweile waren volle drei Wochen seit jenem grauenvollen Tag ins Land gegangen und das Leben hielt wieder Einzug in den reparierten Straßen.. Gelockt durch die frühlingshafte Sonne gingen viele spazieren, Bewohner säumten die langen Straßen, der Marktplatz war ebenfalls repariert und platzte fast vor geschäftigem Treiben. Denuo wirkte an diesem schönen Tag endlich wieder lebendig.

Gegen Mittag machte sich Chas auf, um Sam zum Training zu überreden. Er ging zu Sams Haus, blieb unter dem geöffneten Fenster von seinem Zimmer stehn und rief laut nach ihm. Mürrisch und verschlafen rief der nach draußen: „Ich komme ja gleich“. Chas musste unwillkürlich grinsen, als sein bester Freund die Tür aufmachte.

Eins seiner wenigen Laster war seine unglaubliche Faulheit, vor allem was das Schlafen anbelangte. Nicht selten schlief Sam Vierzehn Stunden und mehr.
Chas sah ihn lachend an: „Wie lange willst du noch die Zeit verpennen du Faulpelz. Komm, lass uns mal wieder traineren gehen“. Sam schaute ihn immer noch schlaftrunken an. „Naja willst du nicht erstma reinkommen?“ Ich muss wenigstens bisschen was essen sonst kannst du das Training vergessen“, nuschelte Sam die Worte aus seinem Mund. Erneut musste Chas grinsen. Bisschen was bedeutet bei ihm wahrscheinlich wieder ein ausgewachsenes Schwein ganz alleine zu verdrücken, dachte Chas.

„Nein, nein ich hab keinen Hunger“, wehrte er dankend ab. „Ich renn noch kurz einmal ums Dorf also beeil dich ja?“ „Jaja“ gab Sam nur kopfschüttelnd zurück – so viel Aufregung am „frühen Morgen“, etwa Einuhr, brachte ihm nur wieder Kopfschmerzen. Grunzend trat er den Rückzug ins Haus an um sich fertig zu machen. Schon wenig später trafen sie sich auf ihrem Stoppelfeld und trainierten bis spät Abends, als sie sich nur noch nach Hause schleppten und vor Erschöpfung sofort einschliefen.

Aber sie trainierten nicht immer auf diesem Stoppelfeld. Manchmal zogen sie sich auch in den Arboras-wald zurück, der hinter Denuo direkt an den Füßen des gleichnamigen Berges lag. Als sie noch Kleinkinder waren, hatten sie im Wald eine verfallene Hütte aus morschem Holz endeckt und dort oft gespielt. Später hatten sie die Hütte wieder aufgebaut und verbrachten hier ab und zu ein paar Tage.
In dieser Zeit übte Sam oft, seine Fähigkeiten mit Tieren zu kommunizieren und die Natur zu kontrollieren. Während Sam weg
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#2
So scheinbar kann ich in diesen einen Beitrag nicht meht schreiben, also gehts hier weiter.
Ich hoffe der Doppelpost sei mir verziehen Smile




Nach unzähligen Stunden schweißauftreibenden Trainings, war die Sonne inwzischen fast untergegangen. „Lass uns mal ne pause machen“, keuchte Sam außer Atem. „Bin ich dabei“ stimmte Chas ihm erschöpft zu und sie beide ließen sich ins hohe Gras am Feldrand fallen. „Ich will nachher noch wenigstens einmal ausprobieren, ob ich mich endlich genug konzentrieren kann, um zumindest kurz fliegen zu können“, unterbrach Chas nach einer Weile ihr Schweigen. Sam lächelte ihn gezwungen an: „Du weißt wie unmöglich das ist, außerdem ist es anstrengend und gefährlich dazu“.

„Ja das weiß ich alles, aber ich muss es trotzdem probieren. Wenn es mal eng für uns aussieht kann, ich uns rausfliegen, klingt doch gut“, antwortete Chas lächelnd. „Das 'Herausfliegen' übe ich garantiert nicht mit dir“, hielt Sam mit kritischem Blick dagegen. Beide mussten plötzlich laut lachen, denn die Vorstellung allein war schon zu komisch. Chas nahm sich einen Grashalm, legte ihn gerade auf seine rechte Handfläche und ließ ihn mit Hilfe seiner Windpsyenergie hoch in die Luft steigen.

„Ich frage mich woher es kommt, dass ihr Erdadepten so eine starke Abneigung dagegen habt, die anderen stäuben sich auch nicht so“.
„Frag mich nicht, ich bleib nur lieber mit meinen Füßen auf dem Boden und das, obwohl ich nur zur Hälfte Erdadept bin“, sagte Sam grinsend.

Der Gründervater der Scragals, Ivan, hatte sich die Kunst des Levitierens angeeignet und damit den Grundstein für die Kunst des Fliegens gelegt, die seit zwei Generationen bei geeigneter Begabung gelehrt wurde. Da sie jedoch viel zu viel Energie verbrauchte, verschwand sie zunehmend in der Versenkung.

Chas lächelte ihn an: „Wie du meinst, Sam“ und fügte hinzu: „Fragst du dich nicht auch des öfteren, warum ausgerechnet wir beide diese besondere Gabe haben?“.
Sam drehte sich zu ihm um, als hätte er die Frage nicht richtig verstanden. „Du meinst, dass wir zwei Elemente einsetzen können?“, hakte er nach. Chas nickte ihm zu.„Ja genau das mein ich; soweit ich weiß, sind wir die einzigen mit dieser Begabung“. Sam zuckte nur mit den Schultern.
„Ehrlich gesagt ich hab keine Ahung warum. Vielleicht sind wir was besonderes, vielleicht sind wir auserwählt, vielleicht aber auch nicht. Am Ende ist es einfach nur eine Mutation in unseren Zellen“, gab ihm Sam als Antwort. Chas schüttelte lachend seinen Kopf. „Bitte ohne diesen biologischen 'Kram', bitte“, flehte er Sam an.

Dieser sah Chas nur ungläubig an und hielt sich seine Hand an die Stirn. „Mann, mann Chas, du hast ja noch weniger in der Schule gelernt als ich und das ist schon schwierig“. „Naja ist ja auch egal, hauptsache wir haben gleich zwei Elemente; bestimmt werden wir deswegen mal die stärksten Adepten überhaupt“, sagte Chas stahlend. Sam schaute in den weiten Himmel, sah die feuerrote Sonne ganz weit entfernt am Horizont untergehen und seufzte. „Stimmt die Vorstellung ist cool, aber überhaupt schon zwei Elementströme in seinem Körper zu haben ist echt schwierig und anstregend unter Kontrolle zu halten. Der gute Sama hat mal erzählt, dass es für einen normalen Menschen kaum möglich sei, mehr als ein Element zu meistern. Er sagte selbst wenn vor uns Leute mit dieser Gabe zur Welt gekommen wäre, theoretisch dürfte es nicht möglich sein“.

„Ach ja der alte Sama, möge er Frieden Ruhen“, sagte Chas nach einer Weile. Sama war ein alter Gelehrter aus Denuo gewesen und hatte die Nachwuchsausbildung für spezielle Adepten übernommen. Auch Sam und Chas hatte er trainiert. Vor zwei Jahren war Sama schließlich im stolzen Alter von Hunderteinundziebzig Jahren gestorben, ein hohes und sehr seltenes Alter unter normalen Adepten.

„Komm lass uns zurück gehen für heute haben wir wohl genug trainiert“ sagte Chas schließlich und zog Sam am Arm hoch – zumindest versuchte er es. „Das mit dem Fliegen verschieben wir wohl, ich könnte dich eh kaum anheben“, sagte er grinsend. Sie packten ihren Sachen zusammen und machten sich auf den Heimweg. Sam und Chas waren gerade auf dem Marktplatz, als sie ein alarmierendes Geräusch vernahmen. Die Glocken der Wachtürme läuteten mit aller Macht und waren bis in die hintersten Winkel Denuos zu hören. Chas und Sam erstarrten augenblicklich. „Ein Angriff?“, rief Sam verwirrt.

„Die Glocken werden nur bei Gefahr geläutet, es muss nicht unbedingt ein Angriff sein. Nichtsdestotrotz, lass uns mal ein Zahn zulegen und mach dich kampfbereit, nur für alle Fälle“, schrie Chas ihm entgegen und versuchte gegen den panischen Lärm anzukämpfen der sich mit dem Glockengeläute zu einm diabolischen Konzert vermischte. Die Dorfbewohner schwirrten wie eine Horde wild gewordener Ameisen umher, denen man gerade ihren Bau zerstört hatte. Mütter brachten sich und ihre Kinder in Sicherheit, die Männer eilten mit Waffen und klirrenden Rüstungen und Schilden zum Nordtor, von dem das Geläute ausging. Auch Chas und Sam schlossen sich dem Strom Richtung Nordtor an.

Unterwegs fragte Sam einen Bauer, ob er wüßte was vor sich ging, doch der zuckte genauso unwissend die Achseln.
Gut Hundert Meter vor dem Tor wurde den beiden und auch allen anderen bewußt dass sich ihre schlimmsten Befürchtungen bewahrheitet hatten; Denuo wurde erneut angegriffen.
Seit dem 'Unfall', wie Tvash es genannt hatte, war in Denuo eine eigene kleine Miliz, also eine Armee aus Dörflern, entstanden. Wachtürme waren errichtet worden ebenso eine massive Mauer aus Holz und Stein, um besseren Schutz zu bieten.

Doch das Nordtor, das massivste und schwerste von allen, war vollkommen zerstört, die Mitte schmückte ein mannsgroßes Loch, rings um war das Holz pechschwarz verkohlt und das Metall geschmolzen.
Chas konnte dank seinen guten Augen schon von weitem erkennen, dass es sich bei den Angreifern zweifelsfrei um einfache Banditen handelte. Er fragte sich, wie es ein so unorganisierter Haufen geschafft hatte, das Tor zu stürmen und plötzlich erstarrte Chas, als er mitten im Kampfgeschehen zwei Feueradepten ausmachte. Der eine war kräftig gebaut, der andere eher von schmächtiger Natur. Beide hatten feuerrote Haare und weiße Umhänge mit dunkelrotem Flammenmuster zierten ihre Körper. Sie gaben eiligst Befehle an niedere Banditen und kämpften nebenbei mit einer Leichtigkeit, dass es Chas kalt den Rücken runterlief. Diese beiden waren keine Anfänger, das wußte er sofort. „Hey was siehst du Chas?“, rief Sam und riss Chas aus seinen Gedanken.

„Es gibt ein verdammt großes Problem. Zu den gegnerischen Streitkräften gehören zwei Feueradepten, Stufe Eins aber gehobene Klasse, das sind keine Anfänger“, schätzte er die Lage ein. Auf Sams Gesicht spiegelte sich ein kleines Grinsen wieder. „Perfekt! Endlich eine Herausforderung für uns Chas, na los“, brüllte er hoch motiviert, zog seine riesige Zweihandaxt und streckte den ersten Banditen im vorbeilaufen nieder, indem er ihm den Schädel einschlug, der mit einem lauten Krachen entzweibrach.

Chas seufzte nur angesichts Sams flammender Begeisterung und zog ebenfalls seine beiden Kumai um seinem Freund beizustehen.
Die Feueradepten hatten scheinbar zuerst das Tor zerstört und so den Banditen ermöglicht ins Dorf einzudringen, anders wäre es ihnen kaum möglich gewesen. Da die Glocken jedoch rechtzeitig gewarnt hatten, kamen die Banditen nicht weit, ein dichter Ring der Miliz drängte sie langsam, aber beständig zurück. Beide Seiten verzeichneten hohe Verluste, wenngleich diese auf Seiten der Miliz deutlich geringer ausfielen. Die Banditen konnten sich nur durch ihre schiere Überzahl behaupten, Chas schätzte sie auf an die Vierhundert Mann, im Gegensatz zu der nur Hundertmann starken Miliz von Denuo, die aber wesentlich besser ausgerüstet und ausgebildet war, sodass beide Seiten ungefähr gleichstark waren.

Chas und Sam kämpften sich Rücken an Rücken immer weiter vor, stets in Richtung der feindlichen Adepten. Sams Rüstung hatte ein paar leichte Beulen abbekommen und auch Chas hatte nur eine Streifwunde am rechten Unterarm. „Der linke von beiden, der mit dem Stab ist der Magier, den knöpf ich mir vor. Den anderen übernimmst du, alles klar Sam?“, schrie Chas mit aller Kraft, um das Schlachtengetümmel zu übertönen.
Sam klopfte ihm als Antwort auf die rechte Schulter, nickte kurz und sie wagten einen Ausbruch. Chas wirkte eine kräftige Windböe, die auf einer Strecke von Fünfzig Schritt alles beseite fegte und er konnte dabei nicht verhindern, dass auch einige Milizen getroffen wurden. Die Böe erfasste jedoch weit mehr Banditen, das sie ins Herz der feindlichen Armee gerichtet war und schleuderte sie Meterhoch in die Luft und zu den Seiten, wo die meisten regungslos liegen blieben.

So schuf er eine relativ breite Schneise und zum ersten Mal hatten sie Augenkontakt mit den beiden Feueradepten. Als diese Chas und Sam erblickten, verschwanden sie sofort aus dem Kampfgeschehen und rannten auf den Arboreaswald zu. „Los hinterher, bevor sie uns entkommen“, brüllte Sam und rannte durch die immer kleiner werdende Schneise, Chas folgte ihm mit kurzem Abstand. Sie liefen beide mitten durch das immer blutiger wütende Gefecht, denn keine der beiden Parteien war gewillt auch nur einen Fuß breit an Boden zu verlieren.

Nach gut Hundert Metern hatte Chas und Sam gerade das Tor hinter sich gelassen, als sie die beiden Feueradepten erblickten, die auf dem Stoppelfeld, wo Sam und Chas immer trainieren gingen, kampfbereit warteten. Offenbar hatten sie sich umentschieden und waren auf direkten Kampf, ohne irgentwelche hinterlistigen Spielchen, aus. Sam und Chas näherten sich ihnen bis auf dreißig Schritt und verharrten einen ganze Weile während sie stumm in die dunklen Augen ihrer Gegner blickten und sie musterten.

Der Magier war typisch schmächtig gebaut und trug einen dunklen, hölzernen Stab, an dessen Ende ein blutroter Kristall eingesetzt war, den kleine Flammen umspielten. Die Robe war aus reinstem Weiß verziert mit einem hellroten Flammenmuster; eine Kapuze verdeckte die Haare und einen Großteil des Gesichts. Der andere Adept war eher der Kriegertyp. Sein vernarbtes Gesicht, eine runzelige Haut und das nur noch mattrote Haar, das von einigen grauen Stränchen durchzogen wurde, zeugte von einem fortgeschrittenen Alter. Eine breites Kreuz und kräftige Arme wurden geschützt von einem mächtigen Kettenpanzer. In jeder Hand trug er eine mittelgroße Axt mit schwarzem Griff aus purem Eisen und einer leicht rötlichen Klinge. Seinen Umhang zierte ebenfalls das selbe Muster wie auf der Robe des Adepten, allerdings war sein Umhang ganz in Schwarz gehalten.

„Warum greift ihr uns an, was wollt ihr hier“, schrie Sam sie an und hob seine riesige Zweihandsaxt drohend in die Luft.
„Das Feuer erhebt sich erneut und niemand wird es diesmal aufhalten können“, sagte der Magier geheimnisvoll. „ Die Feinde des Feuers sollen vor Hitze vergehen, die Kraft des Feuers soll ihre Lande zu Staube trocken. Unser heiliges Oberhaupt hat uns befohlen, dieses neutrale Dorf zu vernichten. Auch wenn ihr neutral seit, könntet ihr zu einer ernsten Gefahr für das Feuerreich werden, dieses Risiko will unser Oberhaupt auf keinen Fall eingehen“, fuhr er fort.

„Das ist doch Irrsinn“, sagte Chas in einem vernünftigem Ton, dennoch verharrte er in angespannter Haltung. „Ihr solltet eigentlich aus euren Fehlern gelernt haben. Krieg zu führen bringt niemandem etwas, nur Leid, Zerstörung und unendliche Trauer für die Menschen und uns. Die Drei anderen Reiche werden sich wieder gegen euch verbünden und euer Volk wird wieder leiden müssen. Wollt ihr das wirklich verantworten, Fremder?“.

Der Magier hielt einen Moment inne, so als wollte er tatsächlich darüber nachdenken, doch plötzlich lächelte er grausam. „Asmodeo du nimmst den Riesen da, ich knöpf mir das labernde Weichei vor, sein Geschwätz geht mir langsam auf den Geist und stellt meine Geduld auf eine harte Probe“.
Kaum hatte er zuende gesprochen, zauberte er mit atemberaubender Geschwindigkeit einen kürbisgroßen Feuerball und feuerte ihn direkt auf Chas ab, der völlig überrumpelt von der Attacke und der Geschwindigkeit, an seiner Stelle wie verwurzelt stehen blieb und um ein Haar verbrannt wäre, hätte nicht Sam ihn mit einem riesigen Wasserschild geschützt. „Chas pass besser auf verdammt, oder willst du hier schon draufgehen?“, schrie Sam ihn an. „Ja ja“, rief dieser hastig zurück. „Ich werd besser aufpassen“.

Der Feueradept mit den Äxten setzte sofort nach an und hoffte Sams Blöße ausnutzen zu können. Doch darauf hatte Sam schon gewartet. Er ließ den Angreifer herankommen, tauchte dann unter den beiden Schlägen ab und rammte dem Krieger den Schaft seiner Zweihandsaxt mit voller Wucht in die Seite – sein Treffer wurde trotz der dicken Kettenpanzerung mit einem Knacken und einem unterdrückten Fluchen des Kriegers bestätigt. Der Feueradept stürzte wandte sich vor Schmerzen auf dem Boden. Doch Sam gab ihm nicht den Gnadenstoß, dafür brannte er viel zusehr auf einen richtig guten Kampf. „Komm her Opa, oder war das schon alles“, brüllte er kampfeslustig und seine Augen glühten förmlich vor Begeisterung.

Der Krieger kam auf die Beine und tobte vor Wut. „Ich reiß dir deinen verdammten Schädel ab, du kleiner Hosenscheißer“, schrie der Krieger wutentbrannt und stürzte sich blindlingbs auf Sam.
Sam ergriff die Initiative und versuchte mit einem Beintritt, seinen Gegner zum Straucheln zu bringen. Er verfehlte ihn knapp, riss aber zum Glück im letzten Moment seine Axt nach oben, um den Schlag zu parieren, welcher ihm andernfalls den Schädel gespalten hätte. Die Wucht des Schlages ließ Sam kurz zittern, dann rollte er sich zur Seite weg, stand wieder auf um erneut einen doppelten Angriff parieren zu müssen.

Die Zweihandtechnik seines Gegners machte ihm zu schaffen, zumal er ohnehin nicht der allerschnellste war. Ich muss mir was überlegen, der Opa ist gar nicht so schlecht, genau wie Chas gesagt hat, dachte er schwitzend. Mehr Zeit hatte er auch nicht, da sein Gegener wieder nachsetzte und mit einer Finte versuchte, ihn aus seiner Deckung zu locken. Sam erkannte die Täuschung rechtzeitig, ging jedoch drauf ein, um im Gegenzug den Feueradepten zu überrumpeln. Sein Plan ging fast auf.

Als sein Gegner zum Schlag ansetzte, versuchte Sam nach rechts auszuweichen und schwang gleichzeitig seine Axt um den Schwung der Drehung auszunutzen. Sam wurde allerdings noch zweimal an der Hüfte verletzt, wie das Knacken und sein Aufschrei bewieß, bevor er sich einmal um seine eigene Achse drehte und anschließend mit dem Schwung seine Axt in den Rücken des Opas schlug, dessen Kettenpanzer klirrend auseinanderbrach, ebenfalls verbunden mit einem Knacken aber ohne einen Laut. Die Wirbelsäule war auf Schulterhöhe durchgebrochen, der Adept war sofort tot.
Sam stürtze zu Boden und krümmte sich, da ihm die gebrochene Rippe höllisch zu schaffen machte.

Er sah rüber zu Chas der sich ebenfalls sichtlich abmühte, seinen Gegner in die Knie zu zwingen. Chas stand leicht gebeugt und keuchte vor Erschöpfung; der Magier hatte ihm durch seine Feuerzauber ordentlich zugesetzt. Doch dem Feueradepten ging es nicht besser, welcher sich ebenfalls erschöpft auf seinen Stab stützte. Sein Schutzschild ist zu stark und lenkt Schwertattacken einfach ab, aber es müsste durchlässig gegen Pfeile sein, wenn ich mich nicht irre und in den Stunden in der Schule über Auren und Schutzschilde gut aufgepasst habe, dachte er mit einem gequälten Lächeln.

Ich muss ihn erst täuschen und dann mit meiner Armbrust angreifen, anders wird’s wohl nicht gehen; also Los!. Chas durchdachte seinen Plan noch einmal kurz und nahm seine beiden Kumai in die Hände, während er im Zickzackkurs auf den Magier zurannte, um ein schwerer zu treffendes Ziel abzugeben. Er wich dutzenden Feuerbällen aus, bis er nur noch eine Armlänge vor ihm stand. Chas wollte gerade seine Armbrust ziehen als ihn ein Feuerball von hinten voll erwischte, über den Magier hinweg hob und dreißig schritt entfernt hart zu Boden warf.

Chas stöhnte laut auf und ein Schwall von Blut spritzte aus seinem Mund. Er hatte sich eigentlich vergewissert, dass die Feuerbälle, denen er ausgwichen war, ihm nicht in den Rücken fallen würden doch offenbar hatte er einen übersehen, wie sein verbrannter und schmerzender Rücken ihm klarmachte. Dieses feige Schwein von einem Magier, dich mach ich fertig, dachte er wütend.

„Du bist nicht gerade schlecht Junge“, höhnte der Magier, „aber gleich ist es aus mit dir“. Er begann einen mächtigen Zauber zu weben, indem er mit seinen Händen stetig Kreise ind die Luft zeichnete und sein Stab schwebte rotierend über dem Erdboden. Er war fertig noch bevor Chas ihn daran hindern konnte und aus dem Stab entsprangen drei grausig, riesige Drachen mit meterlangen Flügeln und gewaltigen Reißzähnen in purer Feuergestalt, die einen langen Schweif hinter sich herzogen und alles verbrannten. Sie hielten direkt auf Chas zu.
Er versuchte noch in einer verzweifelten Ausweichaktion den Drachen zu entkommen doch nacheinander erwischten ihn alle drei. Chas wurde von einer ihm unbeschreiblich großen Kraft zu Boden gedrückt, die Lederrüstung verbrannte, ebenso sein Wams und sein ganzer Körper waren übersät von Brantflecken.

Dampfend blieb er eine ganze Weile liegen. Der Magier schaute verächtlich auf ihn herbab. „Steh gefälligst auf, du minderwertiges Stück Dreck. Eine Chance gewähre ich dir noch, dein Freund war ebenso großzügig und meine Ehre verbietet es nun, dies dir zu verwehren“. Röchelnd erhob er sich schließlich und seine Lunge brannte wie Feuer als er ansetzte zu sprechen. „I...ich brauche deine Gnade nicht; w...war das denn schon alles? Lächerlich!“, hauchte er mit einem dünnen Lächeln. Scheiße, noch einen davon halte ich nicht aus, jetzt wird’s ernst. Chas konzentrierte sich und fasste einen Plan. Wenn er mit seinen Vermutungen recht hatte, konnte der Magier höchstens noch einmal seine Drachen steigen lassen, da seine Aura bereits merklich schwächer geworden war. Wenn er das macht, erwisch ich ihn irgentwie mit einem Pfeil.

Er nahm das noch heile Kumai in die linke Hand und stürmte wieder auf den Magier zu. „So wird das nichts“, seufzte der Magier in einem Ton, als ob ein Schüler seinen Fehler einfach nicht begreifen wollte. „Einen zweiten davon überlebst auch du nicht“, fuhr er grimmig fort und setzte wieder zum Drachenzauber an. Der Stab rotierte bereits und feuerte kurz danach abermals drei gewaltige Feuerdrachen auf Chas ab, der genau auf sie zuhielt.

Als diese nur noch zwanzig Schritt entfernt waren, gab er sich mit Hilfe seiner Windkräfte einen kurzen aber heftigen Geschwindigkeitsschub und flog geradewegs über die Drachengestalten hinweg, die ihn nur um Haaresbreite verfehlten. Die letzten paar Schritte flog Chas förmlich, zog mit seinem rechten Arm seine Armbrust aus der Halterung über der rechten Schulter und ließ eine ganze Salve in das erstarrte Gesicht des Magiers ab. Die meisten verfehlten ihr Ziel doch drei Pfeile bohrten sich genau zwischen dessen Augen und rissen den Magier zu Boden. Auch er war auf der Stelle tot; Schmerzen hatte er keine empfunden.

Chas fiel zuerst auf seine Knie und kippte danach einfach nach vorne über. Als er auf dem harten Erdboden aufschlug, nahm er das schon fast gar nicht mehr wahr. Eine wohlige Wärme breitete sich in ihm aus und dankbar gab er sich ihr ganz und gar hin.

„Was hast du getan Raymond“, herrschte die selbe Frau, die Sam Sekunden vorher angesprochen hatte, seinen Angreifer an. „Ich habe ihn nur betäubt also reg dich ab“, sagte der Fremde mit Namen Raymond genervt; die Frau schnaubte nur als Antwort. Raymond fuhr ungerührt obgleich ihrer Reaktion fort: „Erstaunlich, wie sich die beiden entwicklet haben, findet ihr nicht?“. „Die beiden Adepten aus dem Feuerreich waren immerhin um die Stufe Eins-plus wenn ich mich nicht irre. Sama hat ihnen wirklich eine Menge beigebracht, dass muss man ihm lassen. Unglaublich wie stark sie jetzt schon sind, kein Wunder warum Tvash so interressiert an den beiden ist“.

Die Frau die Raymond angeschrien hatte, schaarte nervös mit ihren Füßen auf dem Boden herum. „Wir müssen schnellstens hier weg, wenn Tvash uns sieht ist es aus, also los beeil dich Elao und heil die beiden!“. Die zweite und deutlich schmächtigere Frau kam ohne ein Kommentar angerannt, kniete sich neben Chas und Sam auf die Erde und hielt ihre beiden Hände ausgstreckt. Sie murmelte ein paar Worte und eine blau schimmernde Kuppel schloß sich um die drei. Sams Wunde verheilte nach ein paar Sekunden – nur eine kleine Narbe blieb zurück - und auch Chas Haut wurde von den Verbrennungen gereinigt; die alte fiel ab und zischend bildete sich neue Haut.

„In einer halben Stunden werden sie aufwachen, denke ich“, sagte die Frau. „Gut dann los jetzt“, drängte die andere Frau und blickte zu Raymond, welcher ihr zunickte. Raymond riss seine rechte Hand nach oben und rief: „Zurück nach Tolbi“ und im selben Augenblick waren die Vier Fremden, die eben noch hier gestanden hatten spurlos verschwunden, doch das nahmen Sam und Chas schon lange nicht mehr wahr; ebenso wenig wie zwei Zarku, die nur den Bruchteil einer Sekunde später auftauchten und sich suchend umschauten, so als hätten sie jemanden erwartet und schließlich Chas und Sam nach Denuo ins Krankenhaus mitnahmen.

Am nächsten Tag wurden Sam und Chas gegen Abend geweckt, als der Bürgermeister zu Besuch kam, um sich nach ihrem Zustand zu erkundigen. Tvash setzte sich auf einen Stuhl gegenüber von den beiden und lehnte seinen Stock an die Wand. „Wie geht es euch?“, fragte er mit besorgter Miene.
„Den Umständen entsprechend“ erwiderte Chas lachend, Sam und Tvash stimmten kurz danach mit ein. „Es freut mich, dass ihr nicht lebensbedrohlich verletzt worden seid, euren Verlust hätte das Dorf kaum verkraftet“. Sam sah Tvash direkt an: „Wir beide wären auch fast gestorben, wenn uns nicht diese Fremden am Leben gelassen hätten hätten“. Tvash wurde hellhörig, tat jedoch nicht allzu auffällig. „Ihr müßt mir alles erzählen was passiert ist“, forderte er die beiden freundlich aber bestimmt auf.

Chas berichtete, wie sie traniert und auf einmal die Alarmglocken geläutet hatten. Dass Banditen Denuo angegriffen hatten und die Miliz tapfer am Nordtor die Stellung gehalten hatte. Und wie sie schließlich die beiden Feueradepten bemerkt, bekämpft und besiegt hatten. Tvash hörte die ganze Zeit aufmerksam zu, obwohl er das bereits alles wußte. Die beiden Zarku hatten, sehr zu seinem Missfallen, ihren Auftrag zwar nicht erfolgreich ausgeführt, ihm aber erzählt was passiert war. Es war gut, dass Sam und Chas rechtzeitig gerettet wurden, denn er brauchte die beiden; noch.

Dann war Chas am Ende seiner Erzählung und Sam übernahm den Part mit den Fremden und abermals wurde Tvash's Aufmerksamkeit geweckt, denn die beiden Zarku hatten diese, ihm nicht ganz so fremden und unbekannten Leute, nicht mehr gesehen. „Kannst du sie näher beschreiben Sam?“, fragte der Bürgermeister. Sam kramte in seinen Erinnerungen und versuchte die letzte Bildfetzen zu ordnen, die vor seinen Augen aufploppten und danach gleich wieder verschwanden. „Nun nicht so gut“, gestand er.

„Es waren auf jeden Fall zwei Frauen und zwei Männer und sie waren sehr merkwürdig und auffällig gekleidet. Alle trugen fast einen Ganzkörperumhang und Masken mit den selben Farben und Formen. Waffen konnte ich keine ausmachen, auch die restliche Kleidung wurde nahezu komplett unter diesem Riesenumhang verdeckt – Gesicht, oder wenigstens Gesichtszüge waren so perfekt versteckt, dass ich nur durch die Stimmen etwas erkannt habe. Aber es waren Adepten, keine Frage – zumindest will ich nicht hoffen, dass normale Menschen plötzlich so stark geworden sind. Der Typ der mich K.O. Schlug, war fast genauso schnell wie Chas, was – und er musste lächeln – an sich schon fast unmöglich ist, also kann es nur ein Windadept gewesen sein.

Bei den anderen bin ich mir natürlich nicht sicher, aber ich habe eine gute Nase und Adepten riechen einfach anders als gewöhnliche Menschen oder andere Lebewesen. Tvash schwieg eine ganze Weile. Schließlich sagte er entschlossen: „Wenn ihr vollständig genesen seid, möchte ich, dass ihr aufbrecht und zwar um eure Väter zu verfolgen. Der Rat hat einstimmig beschlossen, dass Jan und Marius die Schuldigen sind; es tut mir sehr leid. Aber was auch immer eure Väter zu dieser Tat getrieben haben mag, ihr beide, Sam und Chas, ihr seid anders, ihr seid gute Adepten; vergesst das bitte niemals“. Chas und Sam sahen ihn zwar mit traurigem Blick an, doch ihr Gesicht sagte ihm, dass sie diese Entscheidung längst geahnt und innerlich akzeptiert hatten.

Chas ergriff nach einer Pause für ihn und Sam das Wort: „Wir haben schon vorhergesehen, dass es so kommen wird. Sie sind immer noch unsere Väter, aber was wir für sie empfinden ist nur tiefe Verachtung, Wut und Hass. Wir sehen es als unsere Pflicht an, die Verräter unserer Clans zu finden und sie nach Denuo zu bringen; wenigstens einen kleinen Teil der Schuld wollen wir abladen“. Tvash sah zuerst Chas, dann Sam an, der mit ernstem Blick bestätigte, was Chas soeben gesagt, ja regelrecht geschworen hatte.
Tvash deutete einen kleine Verbeugung an: „Wahre Größe beweißt ihr nicht nur dem Dorf, sondern allen Bewohnern in diesen schweren Zeiten; dafür ziehe ich meinen Hut vor euch. Was eure Reise angeht, seht ihr die Fremden, macht einen Bogen um sie und zwar schnell. Diese Fremden sind international gesuchte Verbrecher und extrem gefährlich. Sie sind noch eine Nummer zu groß für euch, wie Sam sicherlich bestätigen kann – dieser nickte nur kurz – und ich werde euch Begleitschutz zur Seite stellen, die zwei besten aus der Miliz“.

Er machte eine kleine Pause und schaute Sam und Chas lächelnd an.
„Wir alle setzen viel Vertrauen in euch und eure Mission, aber die Reise hat noch ein paar Tage Zeit; ruht euch erstmal aus dann reden wir weiter“. Sam und Chas deuteten ihrerseites eine Verbeugung an: „Habt Vielen Dank, Herr Bürgermeister“. „Ist mir ein Vergnügen, ihr beiden“; mit diesen Worten verabschiedete sich der Bürgermeister, erhob sich von seinem Stuhl, nahm seinen Stock und ging gemächlich nach draußen. Chas und Sam genehmigten sich noch eine kleine Ruhepause und schliefen früh an diesem Tag ein, während Tvash in sein Büro ging und die beiden Zarku zu sich rief.

Bereits wenig später fanden sie sich in seinem Büro ein und erwarteten auf Knien ihre Befehle. „Ich möchte, dass ihr einen Geheimauftrag für mich erfüllt. Bald, sehr bald schon, werden zwei sehr begabte Adepten, Sam Beyon und Chas Scragal, das Dorf verlassen, es sind die beiden, die ihr gerettet habt. Eure Mission wird sein den Begleitschutz zu stellen; für die gesamte Zeit des Auftrages sind eure Namen Gherr und Raso“. Der kräftig gebautere von beiden, dem Tvash den Namen Raso gegeben hatte, hob seinen Kopf und sah Tvash fragend an.
„Was ist mit den Abtrünnigen, Meister?“. Tvash lachte grausam: „Wenn euch diese vier Verräter begegnen tötet sie und nehmt ihre Köpfe mit als Warnung für alle Zarku. Ich will diese Sache endlich zu Ende bringen, aber tut es nicht zu auffällig. Für den Auftrag versteckt ihr eure Kraft, nutzt also nur das nötigste. Die ganze Zarkuausrüstung also Kleidung, Waffen etc. legt ihr ebenfalls ab. Lasst euch vom Dorfschmied etwas anderes geben die Auswahl überlass ich euch. Die genaue Position von Georg und Marius, ihren Vätern, ist mir unbekannt.

Sucht sie, geht Hinweisen nach solange bis ihr sie findet und dann eliminiert die Verräter. Sollten sich euch Chas und Sam in den Weg stellen, - Tvash hustete einmal überdeutlich - , ich denke ich habe mich klar ausgedrückt.
Ihr könnt die Unterschlüpfe in den einzelnen Städten nutzen und natürlich auch die dortigen Ordensmitglieder um Hilfe bitten, alles wir für den Erfolg benötigt wird euch zur Verfügung gestellt.
Das wäre dann alles; seid übermorgen zur frühen Stunde am Nordtor, ich erwarte euch da“. „Jawohl, wie ihr wünscht, Meister Tvash“, antworteten die beiden Zarku verbeugend und machten sich auf den Weg.

Nachdem die beiden gegangen waren, hatte Tvash endlich Zeit zum Nachdenken. Die Dinge entwickelten sich genauso, wie er es erwartet hatte. Zufriedenheit spiegelte sich in seinem faltigen Gesicht wieder und ein dämonisches Grinsen zierte seinen Mund. Plötzlich musste er würgen und eine schwarz, stinkende Flüssigkeit ergoss sich über seinem Schreibtisch. Wütend wischte er sich den Mund ab und säuberte den Tisch. „Viel Zeit bleibt mir nicht mehr, aber bald, schon sehr bald wird mein Plan endlich in Erfüllung gehen; auch ohne Sam und Chas“.

Am nächsten Tag wurden Chas und Sam aus dem Krankenhaus entlassen, ihre Wunden waren wieder einigermaßen verheilt, von ein paar größeren Schrammen mit jede Menge Schorf mal abgesehen. Sie machten sich eiligst auf den Weg zu Tvash Büro, da ein Bote ihnen heute morgen die Nachricht überbracht hatte, Sam und er mögen sich doch bitte beim Bürgermeister einfinden.
Und so saßen sie nur ein paar Minuten später in zwei sehr großen und gemütlichen Edelholzstühlen mit dicken Polstern während sie mit Tvash die Details ihrer Reise besprachen. „Nun ich denke damit hätten wir den größten Teil abgehakt“, sagte Tvash nach einer Weile zusammenfassend. „Ich möchte euch aber noch eine ganz besondere Ehre zukommen lassen“, sagte er geheimnisvoll und ein Schmunzeln lief dabei über seinen Mund. Die Worte hatten ihre Wirkung natürlich nicht verfehlt, Sam und Chas wurden sofort hellhörig.

„Wie ihr vielleicht aus der Schule wisst - oder auch nicht –, sagte er zwinkernd, waren die Helden vergangener Tage nicht auf sich allein gestellt. Damals noch mystische und fremdartige Wesen, prägen sie doch heute überall den Alltag. Ich spreche von den Dschinns. Den Helden wurde ein sehr, sehr langes Leben geschenkt, doch letztendlich überlebten die Dschinns sie. In der gemeinsamen Zeit, die sie Seite an Seite mit ihren Herren erlebt hatten, veränderten sich die Dschinns, z.T. erheblich. Viele kamen um vor Trauer, weil ihre geliebten Herren nicht mehr unter ihnen weilten.
Die meisten die überlebten, zerstreuten sich in alle Winde und versteckten sich, um einfach die Zeit zu überdauern, denn irgentwann neigt sich auch das Leben eines Dschinn zur Neige, nur vergeht die Zeit für sie unglaublich langsamer.
Es ist immer zu bedenken, dass ich hier von den Dschinns spreche, die die Helden des Goldenen Zeitalters begleiteten. Nur die ersten Vier jedes Elementes fielen nicht diesem Wahn anheim, sie überlebten alle Dschinns und sie leben auch heute noch. Bei diesen Vieren waren die Veränderungen am auffälligsten.

Sie begannen Gestalten von Menschen, welche sie besonders gern hatten, anzunehmen und ahmten ihre Redens- und Verhaltensweisen nach – kurz, sie bekamen deutlich, menschliche Züge. Es ist schwer zu beschreiben was sie genau sind, theoretisch gesehen natürlich Dschinns, allerdings sehen sie komplett anders aus und verhalten sich wie Menschen“.
Tvash Stimme versagte und er musste sich räuspern, ehe er forfuhr. „Jedenfalls, diese Vier blieben bei den Helden und halfen mit bei der Gründung des neuen Dorfes Denuo, wie auch die anderen. Doch wie eben schon erwähnt, überstanden sie den Tod ihrer Herren und die daraus resultierende Trauer und Verzweiflung relativ gut. Alle anderen kamen auf unterschiedlichste Weise um, diese Vier jedoch nicht, sie sind allein deswegen schon einzigartig.

Sie schworen einst, Denuo bis in alle Ewigkeit gegen alle Angreifer zu verteidigen. Isaac, Felix und die anderen legten bei der Gründung Denuos unter der Erde eine zugeschüttete Grotte frei und die vier Dschinns blieben dort, solange bis sie erneut gebraucht würden. Das Wissen um sie geriet fast in Vergessenheit, nur ein einziges Dokument wurde von Bürgermeister zu Bürgermeister übertragen, in welchem ledeglich das Vorhandensein der Vier bestätigt wird.
Doch das alles wäre nur halb so spannend für euch, wenn sich folgendes nicht ereignet hätte. Vor nicht allzulanger Zeit, entdeckte ein Dschinnforscher eine Möglichkeit, um sich mit einem Dschinn zu vereinen. Diese Entdeckung war wegweisend, die Adepten konnten völlig neue, unbekannte Kräfte entfalten, länger leben, kurzum: sie profitierten davon.
Die Sache hatte nur einen Haken. Der Dschinn, mit dem man sich vereinen wollte musste quasi zu einem passen, also erstens freiwillig bei bzw. in dem Adepten verweilen und ein enges Band musste Adept und Dschinn verknüpfen. Bis heute weiß niemand, woher die Dschinns eigentlich kamen und wie viele es waren, doch schon zu Zeiten der Helden gab es nicht viele von ihnen und wenn Adpten und Dschinns beieinander waren, wurden die Dschinns oft nur als Werkzeuge genutzt - leider.

Diese eigentlich, unheimlich wichtige Entdeckung wurde so letztendlich zur Vergessenheit verdammt, da sich diese Beziehung so gut wie nirgens fand. Nur an ganz wenigen Orten in Weyard wurde diese Methode angewandt und weiterentwickelt, so auch in Denuo“. Sam wurde langsam ungeduldig und fummelte nervös an seinen Händen herum. „Ich will ja wirklich nicht unhöflich sein, aber kommen sie bitte zum Punkt, Bürgermeister“, drängte er höflich. Tvash musste lachen und hatte noch Tränen in den Augen, als er mühevoll sagte: „Ungeduldig wie immer, Sam Beyon“. Tvash fasste sich wieder und fuhr fort. „Mein Bitte ist, dass ihr beide euch den Vier vorstellt, womöglich werden sich zwei von ihnen euch anschließen. Dass ihr dann mit ihnen umherzieht ist wichtig, damit ihr euch später vereinen könnt – immer vorausgesetzt, die Vier befinden euch für würdig“, sagte Tvash lachend.

Ernsteren Blickes fuhr er fort. „Durch sie werdet ihr neue Kräfte bekommen und glaubt mir, ihr werdet sie brauchen. Gegner wie die beiden Feueradepten waren nur der Anfang, euch werden viel härtere Herausforderungen gestellt werden. Also was sagt ihr? Eine größere Ehre gibt es kaum, bitte schlagt einem alten Mann diese Bitte nicht ab“. Sam und Chas waren sprachlos und starrten ihn mit offenen Mündern an. „Si...sie wollen also, dass wir jeder einen Weisen mitnehmen, um dadurch stärker zu werden?“, fragte Chas. Tvash nickte ihm zu. „Glaubt mir, für den Erfolg eurer Mission ist diese Entscheidung von großer Bedeutung“. Sam sah zu Chas und als der nickte, wandte er sich an Tvash. „Wir sind damit einverstanden, auch wenn wir nicht sicher sind eine solche Ehre zu verdienen“. Tvash erhob sich und mit einem täuschend echten Lächeln sagte er: „Ihr seid die Richtigen, vertraut mir.

Diese Grotte von der ich sprach, kann über zwei Wege erreicht werden. Ersterer indem man durch eine Luke steigt, welche sich unter dem Haus des Bürgermeisters befindet und einen langen Weg offenbart, zweiterer durch ein spezielles Portal, welches uns sofort ans Ende bringen wird“. Tvash trat ohne ein weiteres Kommentar zurück, Sam und Chas taten es ihm gleich. Er fing an Worte zu flüstern, die Chas und Sam nicht verstanden. Gleichzeitig führte er seine Hände zusammen und streckte sie Richtung Boden. Ein greller, blau leuchtender Blitz entfuhr seinen Händen und zog jeweils einen Kreis auf dem Boden und einen Kreis mitten in der Luft in Deckenhöhe. Als beide Kreise fertig waren, wurden sie schließlich durch leuchtende Striche verbunden.

Die Mitte dehnte sich nun nach außen aus und offenbarte das Bild einer Art Höhle. Kurze Zeit später war es vollendet und Tvash sank erschöpft auf einen Sessel. „Portale zu erschaffen kostet Psyenergie wie kaum eine andere Fähigkeit“, keuchte er, noch völlig ausser Atem. Nach einer kurzen Pause stand er wieder auf, doch die Erschöpfung war ihm ins Gesicht geschrieben.
„Seid ihr bereit?“, fragte Tvash leicht stotternd. „Ja“, antworteten Sam und Chas im Chor. „Das Portal ist soweit fertig, das Bild was ihr seht, ist die Grotte wo wir gleich rauskommen werden“. Sie gingen nacheinander durch das Portal und kamen, genau wie der Bürgermeister gesagt hatte, am Anfang einer Art Grotte raus. Tvash entzündete eine Fackel, übernahm die Führung und ging den schmalen aber hohen Gang voraus, Sam und Chas im Schlepptau.

Als sie am Ende des Ganges angekommen waren, wurde den beiden erst das wirkliche Ausmaß der Größe bewußt. Vor ihnen erstreckte sich eine Grotte, wie die beiden sie noch nie gesehen hatten. Gut hundert Fuß in der Höhe und möglicherweise das zehnfache an Länge, ein Ende konnten sie bei der Dunkelheit nicht ausmachen. „Chas entzünde bitte die Fackeln an den Steinsäulen, aber lass die Stöcke heil“, sagte Tvash mit schiefem Lächeln. Chas nickte dem Bürgermeister zu, „Geht klar“. Er konzentrierte sich, um seinen Geist auszusenden und so die Fackeln wahrzunehmen. Als er alle Fackeln 'makiert' hatte schoss er unzählige kleine Feuerbälle in alle Richtungen. Als die Fackeln an den Felsen, den Steinsäulen und in Bodennähe brannten, wurde die Grotte einigermaßen erhellt.

„Die Grotte ist wirklich groß, geradezu gigantisch“, sagte Chas erstaunt und voller Ehrfurcht. Plötzlich hörten sie eine tiefe, dumpfe Stimme aus der Dunkelheit vor ihnen. „Welcher Idiot wagt es, unseren heiligen Platz zu betreten? Nur die Auswählten sind berechtigt hier hinunter zu kommen“. Tvash schluckte und spielte mit seinen Händen um seine Aufregung zu vertuschen. „Ich äh … ich bin Tvash, Bürgermeister und somit Oberhaupt von Denuo und bitte um eine Audienz bei den Vier Weisen“, sagte er stotternd, während er eine leichte Verbeugung andeutete.
Die fremde Stimme verstummte und antwortete nicht sofort. Nach einer Weile grollte eine andere Stimme dann zurück: „Seit einem halben Jahrhundert haben wir keinen Menschen mehr gesehen. Wir brauchen Zeit und müssen dein Gesuch überdenken, Bürgermeister von Denuo“. Tvash zog besorgt die Augenbrauen hoch. „Ich fürchte dafür bleibt nicht viel Zeit. Unser Dorf wurde angegriffen und wir haben viele Opfer zu beklagen. Einst schwort ihr den Helden, dieses Dorf und seine Bewohner zu schützen. Ihr habt den Angriff und viele davor nicht abgewendet, dennoch hege ich keine Groll und bitte euch stattdessen um einen Gefallen“. Abermals eine Pause und Chas meinte, ganz entfernt tuschelnde Stimmen zu hören.

„Nun gut, wir wollen deiner Bitte lauschen, was ist nun dein Begehr, sprich Mensch!“, rief zweite Stimme schließlich aus der Dunkelheit. Tvash versuchte sich zu beruhigen und atmete einmal tief durch, dicke Schweißperlen rannen an seinem Gesicht herrunter. „Ich möchte, dass zwei von euch mit diesen beiden Adepten losziehen um ihnen bei ihrer Aufgabe zu helfen. Ihr seid die vier mächtigsten Dschinns jedes Elementes und ehemalige Begleiter der Helden des Golden Zeitalters. Wenn ihr mit den beiden hier geht, sind ihre Chancen wesentlich größer Erfolg zu haben. Daher bitte ich euch mit den beiden jungen Adepten hier mitzugehen. Als Belohnung seit ihr von eurem Schwur entbunden und ihr könnt gehen wohin ihr wollt. Helft uns nur noch dieses eine Mal, ich flehe euch an!“.

„Meine Güte hör auf zu heulen wie ein kleines Baby, ist ja schlimm“, antwortete die erste, vorlaut klingende Stimme. „Sind sie denn unser überhaupt würdig? Unsere Meister waren immerhin die großen Helden höchstpersönlich. Wenn die beiden halben Hemden da vorne uns nicht gefallen wird das nichts, Opa“, höhnte dieselbe Stimme. „Seit.... ehm seit wann benehmen sich Dschinns so...komisch?“, flüsterte Sam vorsichtig. Die Stimme antortete sofort: „Komisch? Ich werd hier gleich mal komisch du kleiner Furz und wer flüstert der lügt, also Schluß mit dem Rumgetuschel“. Die Stimme wurde lauter bis schließlich ein Erddschinn von imposanter Größe aus dem Schatten kam. „Hmpf, eigentlich seht ihr nicht gerade stark aus. Wenn Ciara mich nicht überzeugt hätte, dass ihr was auf'm Kasten habt, hätt ich euch glatt für zwei Bauern gehalten“, sagte der Dschinn und bog sich vor Lachen.

Sam und Chas erröteten leicht und auch an Tvash entsetztem Blick war abzulesen, dass er sich die Begegnung ein wenig anders vorgestellt hatte. Nacheinander traten drei andere Dschinns aus dem Schatten und gesellten sich zu ihrem Vorredner. Die zierlichste des Quartetts wandte sich mit empörter Miene an den Erdschinn. „Echio, sei bitte etwas höflicher, sie sind unsere Gäste“. Sie drehte sich zu Tvash, Sam und Chas um. „Ihr müsst sein vorlautes Benehmen entschuldigen, darf ich uns vorstellen?“, fragte sie. „Ich bin Ciara“, sagte die Windweise zuerst. Sie war der bezauberndste Dschinn von allen. Trotz ihrer schmächtigen Statur und relativ kleiner Größe strahlte sie eine unglaubliche Weisheit und Schönheit aus. Ihre Erscheinung war eine junge Frau um die zwanzig, mit silber glänzenden Haaren, die hinten über die Rücken bis kurz auf Beckenhöhe verliefen. Gehüllt war sie in eine ebenso seidig scheinende mattgrüne Robe.

„Mein Name is Boreas“, fuhr der Wasserweise in aristokratischem Ton fort. Er glich vom Aussehen her einem schüchternen jungen Mann. Boreas trug spießige Klamotten, die an einen Adligen erinnerten. Eine zu große Brille verdeckte sein Gesicht und seine blauen langen Haare, die zerzaust und wild abstanden, trugen auch nicht dazu bei sein Gesicht besser sichtbar zu machen. Er wirkte sehr ruhig und gefasst, fast sogar ein bisschen schüchtern. „Hey ho, ihr halben Portionen, ich bin Echio“, sagte der Erdweise mit frechem Grinsen. Echio war der größte der ganzen Truppe, sogar größer als Sam, er überragte die anderen um Längen. Echio zeigte sich ihnen als junger, gutaussehender Mann mit kurzen braunen Haaren und einem frech grinsenden Gesicht. Sein Kleider wirkten teuer, aber nicht so überdreht wie bei Boreas, zusaätzlich baumelte ein langer Rapier an seinem Gürtel und ein gedrehter Schnurrbart zierte sein Gesicht.

„Und mein Name ist Arulkae“, sagte die Feuerweise als letzte mit klimpernden Augen. In Schönheit stand Arulkae Ciara in nichts nach. Sie war ebenso schlank und ihr freuriges, rotes Haar umspielte ihren ganzen Körper sodass kleine Flammen auf ihrem zierlichen Körper hin und her tänzelten. Doch im Gegensatz zu Ciara trug sie eine komplette Kampfausrüstung, bestehend aus einer schwarz-dunkelroten Panzerrüstung, die sie bis auf den Kopf komplett verdeckte und einer Reihe verschiedenster Waffen die an unzähligen Halterungen angebracht waren. „Vielen … vielen Dank“, sagte Tvash der als erster seine Sprache wiedergefunden hatte. „Dann sind wir jetzt wohl dran. Ich hatte mich ja bereits vorgestellt, die beiden Adepten neben mir sind Sam Beyon aus dem Clan Beyon, Nachfahren von Aaron und Jenna und Chas Scragal aus dem Clan Scragal, Nachfahren von Ivan und Cosma.

„Sehr erfreut“, sagte Ciara lächelnd, Boreas verharrte regungslos während Arulkae lediglich mit dem Hammer auf den Boden schlug, zum Zeichen ihres Dankes. Echio verneigte sich und zog seinen Hut, eine spöttische Bemerkung auf der Zunge, hielt sich aber auf Grund eines bösen Seitenblicks von Ciara zurück. Diese wandte sich wieder an Tvash. „Was deine Bitte angeht, solange du dich an dein Versprechen hälst sind wir damit einverstanden. Es stimmt, die letzten Hundert Jahre haben wir auf Denuo nicht achtgegeben, verzeih uns. Aber wir werden ein letztes Mal helfen, nach dem erfolgreichen Ende dieser Mission also entbindest du uns von unserem Schwur“. Tvash verneigte sich tief, Erleichterung zeichnete sich auf seinem Gesicht ab. „Im Namen aller Bürger Denuos danke ich euch vielmals. Und ...“, „Jaja lassen wir das formale Gelaber beiseite Opa“, fiel ihm Echio ins Wort, wofür er finstere Blicke vor allem von Chiara erntete.

„Wir haben uns entschieden zu helfen also ihr beiden da Chas und Sam richtig?“. „ Ja?“, riefen die beiden sofort. „Ihr müsst euch jeder für ein Element entscheiden, die anderen beiden werden hier warten. Doch bevor wir dazu kommen, möchten wir gerne noch etwas wissen. Wir Vier sehen den Fluss der Psyenergie in allen Dingen die in Weyard vorkommen, so auch in euch. Es verwundert uns, dass zwei Elementströme in euch fließen, klärt uns auf“, forderte Echio. „Ich übernehme das, da sich die beiden ihre einmalie Begabung selbst nicht richtig erklären können“, drängt Tvash sich auf. „Chas und Sam sind deshalb einmalig weil beide zwei Elemente beherrschen, was ich persönlich und auch sonst nie vorher gesehen oder davon gehört habe. Ihre Eltern stammen jeweils aus anderen Clans und haben auch unterschiedliche Elemente.
Chas kann somit Feuer und Wind, Sam Wasser und Erde beherrschen, wobei beherrschen schon zu weit greift. Sie stehen ja beide noch ganz am Anfang ihrer Entwicklung, da ist noch viel Potenzial“. Die vier Weisen nickten sich kurz zu, bevor Echio fortfuhr. „Nun gut, das reicht uns, vorerst“, betonte er. „Also treff eure Wahl. Selbst wenn ihr zwei Elementströme in euch tragt, heißt das nicht, dass ihr beide auch beherrscht. Ein Element sollte euch genug beschäftigen“.

Sam fasste sich zuerst ein Herz. „Ich möchte, dass mich Boreas begleitet, der Weise des Wasserelementes“, versuchte er es so förmlich wie möglich rüberzubringen. Chas schämte sich für seine anfängliche Zurückhaltung und trat selbstbewußt vor. „Ich wähle das Windelement“, sagte er einfach und kurz angebunden. Echio blickte sie entgeistert an. „Waaas keiner von euch halben Portionen nimmt mich?“, sagte er in gespielter Fassungslosigkeit und fing an lauthals zu lachen, die anderen Weisen schüttelten nur mit dem Kopf. Tvash seufzte und war froh, dass alles ohne Schwierigkeiten verlaufen war.

„Nun gut ich gehe zurück, das Portal bleibt solange offen, bis der letzte von euch durchgeht. Ich bitte euch Weiser Echio und Weise Arulkae noch hierzubleiben, bis Sam und Chas auch eure Hilfe benötigen. So sind wir in Denuo wenigstens nicht gänzlich ungeschützt. Arulkae kam Echio zuvor, der bereits protestieren wollte. „Wir nehmen deine Bitte wahr Tvash, Bürgermeister von Denuo, wir bleiben hier“. Echio sah aus als wollte er noch etwas erwidern doch er verkniff sich einen Kommentar. Tvash ging voraus, Sam und Chas mit Ciara und Boreas folgten ihm.
Ein paar Minuten später standen Sam, Chas, Tvasch, Ciara und Boreas vor den Toren Denuos. Sie gingen zu ein paar Bänken, die lauschig unter riesigen Eichen lagen und setzten sich. „Wie vorhin schon gesagt hab solltet ihr sofort aufbrechen“, sagte Tvasch nach einer kurzen Pause. Sam nickte ihm zu. „Wir brechen sofort auf zu unsere Hütte und packen alle zusammen“. Tvash stand auf und schaute sie erwartungsvoll an. „Sehr gut, seid bitte morgen mittag am großen Nordtor“. Zehn Minuten später waren sie schon auf dem Weg in die Berge, eine wild gestikulierende Ciara und einen umso stilleren Boreas im Schlepptau.

Nach einer ganzen Stunde – die Chas wie eine halbe Ewigkeit vorkam -, in der sie sich einen Weg durch längst zugewachsene Wege bahnen mussten – es war lange her, dass sie die Hütte besucht hatten - , erreichten sie diese schließlich tief im Wald. Auf dem Weg dorthin hatten sie abgemacht, dass Sam sich um die Herrstellung der beiden noch benötigten Diamanten für die beiden Fluggeräte kümmern sollte. „So Ich werd dann mal gleich los um deine Kristalle herzustellen, damit wir keine Zeit vergeuden. Ich schätze mal eine gute Stunde wird’s schon dauern, ich bin überhaupt froh, wenn ich zwei Stück dieser Größenordnung in so kurzer Zeit schaffe“, sagte Sam grinsend als sie endlich am Ziel waren.
Chas schaute ihn erstaunt an. „Willst du nicht erst noch eine Pause machen?“, fragte er ihn mit abschätzendem Blick. „Je schneller wir fertig werden desto besser, oder nicht?“, grinste Sam ihn an. „Ach ist schon okay, nimm dir ruhig … “, wollte Chas noch sagen, doch Sam war schon verschwunden, die alte Labertasche Boreas im Schlepptau. Da Chas nichts sinvolles einfiel, womit er sich die Zeit vertreiben konnte, packte er schon mal die Ausrüstung zusammen. Sein Rucksack war schnell gepackt. Seine Waffen trug er ohnehin immer an seinem Körper an eigens dafür entwickelten Halterungen, er schlief praktisch mit ihnen. In den Rucksack packte er neben Magazinen für seine Armbrust, noch ein, zwei kleine Windkristalle mit ein – in brenzligen Situationen echt Lebensretter.

„Du bist Erfinder nicht wahr“, sagte Ciara plötzlich, die völlig unbeschwert in der Luft umherschwebte und dafür sorgte, dass Chas augenblicklich zusammenzuckte. Er sah sie genervt an. „Verdammt, hast du mich erschreckt, sag doch einen Ton und schleich dich nicht an mich heran. Und könntest du bitte runterkommen, ich muss mich konzentrieren damit ich nichts vergesse“, sagte er gereizt. „Schon gut, schon gut beruhig dich“, antwortete Ciara lächelnd. Chas schnaubte nur als Antwort. Was war nur los mit diesen 'Weisen'? Chiara raubte ihm noch den letzten Nerv und wirklich weise kam sie und die anderen erst recht nicht vor. Weise? Wohl eher pupertierende Kinder, dachte Chas schmunzelnd. Als er Sams Rucksack sah musste er unwillkürlich stöhnen, kein Wunder bei der gigantischen Größe – womöglich hätte ein ausgewachsener Mensch hinein gepasst.

Er zog sich seine Kleidung zurecht und setzte sich erst einmal hin. „Ich werde nie begreifen, woher er diese Kraft nimmt, all das Zeugs mitzuschleppen“, dachte er laut. Chas machte ein gequältes Gesicht. „Na gut bring ichs hinter mich, eigentlich ist es gar nich so schlimm, die Waffen trägt er ja eh wieder am Körper“. In Sams Rucksack landete der ganze Rest den sie brauchten: Sägen, Äxte zum Holzfällen und dergleichen. Bäume konnte Chas auch mit Hife einer Windklinge fällen, dass hatten sie schon öfters ausprobiert, aber auf Dauer wurde das zu anstrengend und es war Kraftverschwendung. Als er fast fertig gepackt hatte, war nur noch ein kleineres Nebenfach an der Seite unbesetzt und im selben Moment entdeckte er das Utensil welches hinein gehörte: Sams kleine pan-ähnliche Flöte aus geschwärztem Danbukholz, verziert mit schmucken Ornamenten. Chas wußte immer noch nicht, wofür Sam sie eigentlich brauchte, er hatte sie ihn noch nie benutzen sehen.
Das einzige was Chas mit absoluter Sicherheit wußte war, dass sie Sam unheimlich viel wert war; nicht nur deshalb, aber trotzdem packte Chas sie nicht mit ein, sondern wartete bis Sam wieder da war um sie selbst einzupacken. Dann sah er Sams Bogen, der fast zwei Meter groß war und den Sam ebenfalls selbst verstauen würde. Chas hatte noch nie einen breiteren und schweren Bogen gesehen. Die Pfeile die Sam verwendete waren in etwa ein bis zwei Daumbreite dick und gut vier bis fünf Fuß lang. Wer davon getroffen wurde hatte wahrlich nichts mehr zu lachen, nicht selten hatte Sams Pfeile Banditen, trotz Helm, den ganzen Kopf zerfetzt.

Chas war nun nicht der schwächlichste Kerl, doch selbst er konnte Sam's Bogen nicht mal zu einem Viertel spannen. Und sollte denoch Sam ein Feind zu nahe kommen während er mit dem Bogen hantierte, war er bestens gerüstet, auch diese Idee entstammte Chas Erfindergeist. Um in Nahkampf mit dem Bogen bessere Chancen zu haben, hatte er an Sams Bogen ab zwei handbreit von der Mitte aus bis an die Enden, eine Klinge befestigt. Kam ihm also ein Feind zu nahe konnte er seinen Bogen schwingen wie eine Sense. Erneut musste Chas lächeln. Es ist einfach unglaublich wie viel Kraft er hat. Ich möchte ihn wirklich nicht zum Feind haben, dachte er. Völlig in Gedanken versunken schreckte er auf, als es plötzlich an der Tür klopfte und Sam hineintrat. „Ha siehs dir an, ich finde es ist ein Meisterwerk geworden“, rief Sam tief erschöpft aber mit den glänzenden Augende und stolzer Stimme eines kleinen Kindes, das soeben ganz alleine zum ersten mal aufs Klo gegangen war.

Chas folgte ihm gespannt und mit einem Lächeln, auf Grund seiner lustigen Mimik, nach draußen und konnte seinen Augen kaum trauen als er Sams Werk sah. Er hatte es tatsächlich geschafft und weit mehr noch, er hatte Chas Erwartungen übertroffen. Vor ihm lag ein leuchtend und silber glänzender Kristall von gut einem Meter Durchmesser. „Wow, das ... das ist echt der Hammer, Sam. Nicht schlecht, ich zieh meinen Hut vor dir “, sagte Chas anerkennend. „Danke kumpel“, erwiderte Sam nur grinsend. „Okay packen wirs an“, sagte Chas entschlossen, Sam nickte ihm zu und machte einen Schritt vom Haus weg. Chas ging zu einem einzelnen Baum der knapp zehn Meter vom Haus entfernt stand, schob ein paar verdorrte Ranken und dafür umso saftigeres Moos zur Seite und legte einen versteckten Hebel um.
Sofort begann sich das Haus langsam aber sicher einen guten Meter nach hinten zu bewegen und offenbarte eine Treppe nach unten. „Ich finde, das ist viel nützlicher als die ganzen Waffen die du erfunden hast“, meinte Sam ernst. „Tja irgentwie hast du recht. Unser Geheimversteck ist erstklassig“, antwortete Chas zwinkernd. Sie nahmen ihre Rucksäcke aus dem Haus, versteckten den ersten Hebel wieder und gingen die Treppe nach unten.

Nach ein paar Metern blieb Chas auf der Treppe stehen und legte einen zweiten Hebel um, wodurch sich das Haus wieder an seine ursprüngliche Position bewegte. Chas nahm die Fackel, die neben dem Hebel hing, in die Hand und entzündete sie, bevor sie weitergingen. Als sie unten ankamen war es stockfinster, lediglich ein matter Schein ging von der kleinen Fackel in Chas Hand aus. Er konzentrierte sich und sandte seinen Geist aus, um die restlichen Fackeln in dem Raum wahrzunehmen. Als er alle im Visier hatte schickte er kleine Feuerbälle in Richtung der Fackeln aus, um sie zu entzünden ohne dabei den Schaft der Fackel zu versengen. Der Raum, der jetzt hell erleuchtet war, glich einer riesigen Halle mit dutzenden von Zimmern und Nebenräumen. Vor etwa zwei Jahren hatten sie beschlossen, dass sie einen Geheimraum brauchten.

Er war nicht nur für die ganzen wertvollen Waffen, Rüstungen und Kleidungen und ander Wertsachen gedacht, sondern auch als Chas Werkstatt für seine zahlreichen Erfindungen, zudem waren sie an diesem Ort wirklich allein, niemand störte sie – das berauschende Gefühl völliger Freiheit.
Jede Menge an „nützlichem Zeugs“, wie Sam Chas Erfindungen und Prototypen nannte, lag in und auf unzähligen Regalen, Schränken und Kleiderständern. Neben Feuerresistenter Kleidung und Masken mit denen man unter Wasser atmen konnte, standen Nebelbomben und Chas neueste Kreation, die Feuerwaffe. Die Feuerwaffe war eine Schusswaffe jedoch einmalig in ganz Weyard, da in der ganzen Welt immer noch mit herkömmlichen Schwertern, Äxten und dergleichen aus Stahl oder Eisen gekämpft wurde. Chas hielt diese Erfindung bisher besonders versteckt, da mit ihrer Hilfe und genügend Soldaten einem gigantischen Eroberungsfeldzug nichts mehr im Wege gestanden hätte. Selbst in Denuo wußte niemand etwas von Chas Erfindungen, da er es besser hielt sie geheim zu halten. Bald würde sich herausstellen, dass dies keine so dumme Idee war.

Sie gingen vorbei an den ganzen Erfindungen bis hin zu den beiden Fluggeräten. „Gut setz den Kristall in das linke Gerät, der rechte ist leider noch nicht fertig und wir haben ja auch nur einen Kristall“, sagte Chas zu Sam, der den riesigen Kristall die ganze Zeit mitgeschleppt hatte. Sam nickte und setze den Kristall langsam und vorsichtig in die Halterung. Sofort began sich der Kristall zu verkleinern und seine Form zu verändern, sodass er schließlich perfekt passte und mit einem Klich einrastete. „Ich werde jetzt den Kristall mit meiner ganzen Kraft speisen, damit er voll aufgeladen ist“, sagte Chas und wandte sich dem linken Fluggerät zu. „Ich dachte wir müssen noch heute los“, sagte Sam erstaunt und runzelte die Stirn. „Tja das hatte ich auch eigentlich vor, aber es ist besser wenn das Gerät voll aufgeladen ist, wir wissen ja nicht wie weit unsere Väter mittlerweile entfernt sind.
Wir werden morgen in aller Früh aufbrechen, das sollte zur Regeneration meiner Kräfte reichen“. „Damit bin ich einverstanden. Ich will mich in aller Ruhe vom Haus verabschieden, ich hab das dumpfe Gefühl das wir für ne sehr lange Zeit weg sind“, meinte Sam ein wenig niedergeschlagen. „Ja das Gefühl hab ich auch, aber wie heißt es so schön, man freut sich nach langer Zeit umso mehr auf sein Zuhause. Wir werden das schaffen, Sam. Ich weiß das, weil keiner gegen uns ankommt wenn wir zusammenbleiben“.

Sam blickte seinen besten Freund mit dankesagendem Blick an. „Ja du hast recht, wir schaffen das“, sagte er lächelnd. „Denk immer dran, wir beide sind die Guten und treten den bösen Jungs in den Allerwertesten“, sagte Chas lachend.
Nachdem Chas seine gesamte Psyenergie benutzt hatte, um den Kristall aufzuladen, fiel er erschöpft ins Bett. Sam blieb noch ein bisschen auf, weil er nicht schlafen konnte. Er fühlte, dass er seine Kindheit hinter sich lassen musste, denn sie waren im Begriff auf eine gefährliche Reise zu gehen. Er sah wie Chas laut schnarchend sich von einer Bettseite zur andern rollte und musste unwillkürlich grinsen. Er konnte sich noch genau an den Moment erinnern an dem sie sich getroffen hatten. Damals vor gut drei Jahren, war er noch Schüler bei Lehrmeister Sama gewesen.

Eines Tages kam Chas, ein ehemaliger Schüler Samas, vorbei und trainierte mit. An diesem Tag war das Partnertrainig dran und Chas wurde dem damals gerade dreizehnjährigen Sam zugwiesen. Obwohl damals erst dreizehn jahre jung, war er schon genauso groß wie Chas, was diesen sichtlich zur Weißglut trieb. Nach einer kurzen Runde mit Holzwaffen, hatte Sam das Gefühl das Chas ihn vorführte. „Gib alles verdammt nochmal“, hatte er ihn damals angeschrien. Chas hatte damals Sam unterschätzt und er nickte als Zustimmung mit dem arroganten Blick eines siegesgewissen Gegners. Die nächste Runde wurde mit Metallwaffen geführt und sie dauerte bis zum Morgengrauen. Das Duell fiel unentschieden aus, der letzte Zusammenstoß, die lange Zeit und die Wunden forderten schließlich ihren Tribut und beide gingen KO.

Chas war erstaunt, endlich einen gleichstarken Gegner gefunden zu haben. Fortan trainierten sie immer zusammen und beide wurden stetig stärker und stärker. Sie freundeten sich rasch an, da Sam für sein Alter den anderen Gleichaltrigen um Längen vorraus war, sodass der Altersunterschied zwischen ihm und Chas zunehmend an Bedeutung verlor. Mit der Zeit sah man sie fast nur noch zusammen was unternehmen, aus Rivalen waren beste Freunde geworden, auch wenn sie sich im Training genauso wenig etwas schenkten als zuvor. Dann in jener Nacht kurze Zeit später geschah etwas furchtbares. Es war ungefähr zur Erntezeit und überall im Land gab es nur Missernten, selbst in Denuo hatten die Bewohner mit dem Hunger zu kämpfen. Die Dörfer litten Hunger und da keine Unterstützung seitens der anderen Dörfe zu erwarten war, da diese von denselben Problemen geplagt wurden, kam es immer häufiger zu kleinen Scharmützeln.

Eines Nachts wurde Denuo trotz seiner abgeschieden Lage von einer geradezu riesigen Räuberbande überfallen. Das folgende Gemetzel war das schrecklichste, was Sam je in seinem Leben gesehen hatte, zum ersten Mal musste er einen anderen Menschen töten. Obwohl die Dorfbewohner Adepten waren, wenn auch nicht so mächtig, waren die Räuber schlicht in der Überzahl. Mitten im Geschehen kämpften auch Chas und Sam Seite an Seite mit Shagon. Ohne Ihn wäre diese Schlacht womöglich nicht zu unseren Gunsten ausgefallen, dachte Sam besorgt. Schon damals besaß Shagon eine nahezu abnormale Wendigkeit und tödliche Präzision, was die Stiche seiner Waffe anging. Nach einiger Zeit wichen die Dorfbewohner allerdings zurück und nur noch Chas, Sam und Shagon zusammen mit den stärksten Adepten standen an vorderster Front, dem Tod ins Auge blickend. Auf diese Weise abgelenkt, bemerkten sie nicht, dass sich eine kleine Gruppe von Räubern abgetrennt und Geiseln genommen hatte.

Unter diesen Geiseln befanden sich auch Chas und Sams Schwestern, die sich in den Häusern versteckt hatten. Da die Anwesen von Sams und Chas Eltern zu den größten gehörten, nahmen sich die Räuber unglücklicherweise diese zuerst vor und nahmen die Schwestern, als sie sie fanden als Geiseln und machten sich sofort wieder aus dem Staub. Erst später als die meisten Räuber tot waren, bemerkten Sam und Chas, dass ihre Schwestern nicht mehr da waren. Verzweifelt suchten sie nach ihnen doch vergebens. Nach einiger Zeit machte sich die traurige Gewissheit breit dass sie entführt wurden. Selbst nach einem Jahr war immer noch nichts von den Schwestern zu hören und Chas und Sam gaben die Hoffnung auf. Besonders seit jenem Tag war ihre Freundschaft immens gestärkt worden, der Verlust und die Trauer auf beiden Seiten schweißte sie enger den je zusammen, ja für Sam war Chas wie ein großer Bruder geworden, obwohl er ihn oft mit „kleiner“ Bruder aufzog und auf den Größenunterschied anspielte, denn Sam war zwar jünger, aber wesentlich größer.

Sam kehrte aus seinen Gedanken zurück und gähnte herzhaft. Ich werd mich jetzt auch schlafen legen, dachte er und wollte sich gerade hinlegen, als Ciara eine Haaresbreite vor seinem Gesicht auftauchte. „Gehst du schon schlafen, Sam? Mir ist langweilig, lass uns was unternehmen“, sagte sie bittend. „Komm schon Ciara, spiel mit Boreas, vielleicht taut ihn das ja mal auf, bis auf seinen Namen hat er noch nicht wirklich viel verraten“, gab Sam nur müde zur Antwort. „Tze, dann eben nicht“, machte Ciara nur beleidigt und trollte sich, Boreas setzte sich auf das gegenüberliegende Bett, lehnte sich an die Wand und schloss die Augen. „Ich wünsch dir auch ne gute Nacht Boreas und bitte, laber mich bloß nicht voll“, sagte Sam lachend und legte sich schließlich hin. Ciara kam wenig später zurück und sah Boreas an. „Was meinst du alter Freund? Ihr Freundschaft ist stark, sie pulsieren vor Lebenfreude und ihre Psyenergie … das ist noch jede Menge Potenzial“. Boreas regte sich. „Das Vermächtnis unser alten Meister“, war alles was er rausbrachte. Ciara betrachtete ihn mit amüsiertem Blick. Boreas sagte selten etwas, doch das, was er sagte hatte meist Hand und Fuß. Schließlich legte sich ebenfalls hin, das Grinsen auf dem Gesicht behaltend.

Nicht weit entfernt von dem Haus, regte sich eine Schemenhafte Gestalt. Sie huschte von Baum zu Baum, immer verborgen im Schatten der Nacht. Sie blickte Richtung Denuo und verharrte eine Weile. „Meister Alex“, zischte eine frauenhafte Stimme aus dem Hintergrund. „Was ist?“, antwortete Alex während er weiter Richtung Denuo starrte. „Wir müssen weiter, abgesehen davon werden wir verfolgt. Ist dies das Adeptendorf, Meister?“, fragte die Stimme zögerlich weiter. „Ja das ist es, Denuo“, sagte Alex mit leuchtenden Augen. „Wir müssen zum nächsten Schattenfürsten und wir sollten uns beeilen“, drängte die Stimme und verschwand wieder. Alex blickte traurig auf das Dorf und seine Klang voller Reue.

„Jenna, Felix und ihr anderen. Wenn ihr doch alle nur noch am Leben wärt, ich würde euch erklären, dass mir der Alte Weise auftrug so zu handeln und als euer Gegenspieler zu fungieren. Dass ich eigentlich auf eurer Seite stand, doch der Alte Weise ein anderes Schicksal für mich wählte. Und dass er uns hintergangen hat, der Alte Weise hat nur so getan, als würde er sich dem Entfachen der Leuchttürme entgegenstellen. Weyard ist nur die Spitze des Eisbergs, wir sind nicht allein, er wußte das die ganze Zeit“, sagte Alex und ballte seine Faust. „Aber eure Nachfahren entwicklen sich vorbildlich, seid stolz darauf“. Er schaute kurz zu Boden und machte sich dann auf, der Frauenstimme zu folgen.
"Englisch mag die Sprache der Welt sein, aber Deutsch ist die Sprache des Herzens." -- Jawoll.
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#3
Suspekt Ich melde mich morgen wieder, wenn ich diesen riesigen Text durchgelesen habe (und editiere dann diesen Beitrag, also bitte nicht löschen^^)

Zitat:[...]dass Chas wiederkommt und wir endlich weiter trainieren können, sonst schaff ich ja bald nicht mal mehr drei Schritte ohne vor Erschöpfung anhalten zu müssen“. Ärgerlich über den Zustand seiner offensichtlich angeschlagenen Fittniss, rapelte er sich aus purem Trotz und Starsinn[...]

Fitness mit "e" und Starrsinn mit zwei "r", rappelte mit zwei "p".

Zum Inhalt: Wow, fast so gut wie Exitus´ Texte und jetzt lese ich mal weiter um noch mehr Rechtschreibfehler zu finden^^.
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#4
Gut, dann warte ich erstmal mit dem Ausbessern bis du alle Fehler gefunden hast Lachen
Nein Scherz, ich mach mich natürlich gleich dran und danke für das Lob =)
"Englisch mag die Sprache der Welt sein, aber Deutsch ist die Sprache des Herzens." -- Jawoll.
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#5
(11.11.2009, 19:38)Shagon Scragal schrieb: Gut, dann warte ich erstmal mit dem Ausbessern bis du alle Fehler gefunden hast Lachen
Nein Scherz, ich mach mich natürlich gleich dran und danke für das Lob =)

7. Abschnitt:
"Chas schaute seinen Freund mit ernster Mie an" --> Miene

8.Abschnitt:
"Nur irgentwo aus den hinteren Ecken des Dorfes waren jetzt noch vereinzelt Stimmen zu vernehmen." --> irgendwo

9.Abschnitt:
"Als sie kurz vor der letzten Ecke der Kreunzung waren" --> Kreuzung (Tippfehler? :-D )

"Vorsichtig spähten sie um die Ecke und ihrem eben noch heiteren Grinsen wich ein entetzter Blick, denn ein wahrlich grauenvoller Anblick bot sich ihnen." --> Blick und Anblick hört sich ein bisschen komisch an, wenn die Wörter im selben Satz sind.

10. Abschnitt:
"Überall auf der Kreuzung und in beide Richtungen zu den Clanbezirken lagen die Mitglieder beider Clans blutüberströmt, mit grausamensten Wunden regungslos und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, auf dem Boden." --> heißt es nicht "grausamsten"?

"Die Kreuzung und die Straßen waren fast kommplett zerstört, riesige Löcher und Risse hatten den Steinplattenbelag in ein Trümmerfeld verwandelt." --> komplett

14. abschnitt (glaub ich, (es ist nähmlich nicht einfach, die Abschnitte zu zählen Crazy )
"auch Sam hielt jetzt auf ihn zu und war im Begriff seine Streitaxt zu siehen" --> ziehen

Inhaltlich:
16. Abschnitt:
"Sie würden s...so etwas nie....mals tun. Unsere beiden Väter s....sind die Helden unser Clans un...d keine dreckigen Ver...räter“. Er spie verächtlich auf die Schuhe des Fremden." --> Dass passt irgendwie nicht, dass er verächtlich auf die Schuhe des Fremden spuckt, andererseits aber dem Fremden glaubt, es aber nicht wahrhaben will, wie es zu sein scheint. (weist du was ich mein? )

lolig^^:
"„Wütend und unbeherrscht wie immer Sam Beyon“, erwiderte dieser lächelnd. Der Fremde kam noch dichter auf sie zu. „Wo...her kennst du meinen Namen du feiger Ab...schaum? Nimm dei...ne Kapuze hab damit ich d...as Gesicht sehen kann, das st...erben wird“, fauchte Sam weiter, trotz schwacher Stimme"
--> Das hinterließ bei mir einen richtig fetten Lachflash Lachen


EDIT:
40. Abschnitt:
"Ein zierlicher Schield, der ihre linke Hand bedeckte, war komplett gebersten, Leder, Riemen und Metallplättchen lagen versprenkelt um sie herrum." --> Schild, herum, geborsten

42. Abschnitt:
"schrie Sam laut, obwohl er längst wußte, dass seine Mutter weder heute, noch irgentwann wieder aufwachen würde."
-->irgendwann

Kurz vor Ende des 1. Akts:
"Chas hofte inständig, dass es irgentwelche Überlebende aus den beiden Clans gab, gleichzeitig schauderte er vor Angst bei dem Gedanken an den Mörder." --> hoffte

2. Akt

1. Abschnitt:
"Unter ächzem und scheißgebadet mit einem klitschnassen Hemd raffte sich Chas auf." --> ... ich glaube, du wolltest schweißgebadet schreiben... O.o

Abschnitt 9:
"Gleichzeitig verfluchte Sam die Räuber, die soviel Unglück über ihr Dorf gebracht hatten und schwor sich, es ihnen einen Tages heimzuzahlen und keine Gnade wallten zu lassen, auch wenn er ansonsten eher friedlicher Natur war." --> walten

Abschnitt 17:
"„Komm lass uns nach draußen gehen; um mal auf andere Gedanken zu kommen“ "
--> nach dem "lass und nach draußen gehen" würde ich ein "," setzen, oder ein "-"

",meinte Chas, nachdem seine Zuversicht wiedergekehrt waren." --> war

Crazy :
"Aus den acht großen Helden bildeten sich insgesamt vier große Clans. Cosma und Ivan gingen den heiligen Bund der Ehe ein, ebenso Aaron und Jenna sowie Garret und Mia. Felix heiratete eine Frau aus Prox, Isaac eine Überlebende aus Vale. Bis auf Felix und seine Frau, die kinderlos blieben, hatten die anderen Nachkommen und zwar reichlich, was daran lag, dass die Helden wohl Nachts ihr wahres Temperament zeigten, wie der Gelehrte Kraden stets schmunzelnd und vor allem leise gesagt hatte um nicht den zornigen Blick Jennas, sowie nachfolgende Schläge ertragen zu müssen."
--> Großer "Aha-Effekt" Lachen

Inhaltlich:


"Die andere Klinge hingegen glänzte pechschwarz, bestand aus einer ganz speziellen Legierung und war wesentlich kürzer, ungefähr die Länge eines Arms von einem Erwachsenen Menschen."
--> wesentlich länger (da die erste Klinge eine Elle lang ist - kürzer als die zweite (ein "Arm" lang))
-->"erwachsenen" klein geschrieben

Abschnitt 18:
"bei der Gründung durften nur Männer und Frauen jenseites der Hundert, für Adepten ein nicht unbedingt hohes Alter, beitreten."
--> Falls du dich inhaltlich bei Golden Sun abstützen willst, würde ich das weglassen, da der lemurianische Trank sonst gar nicht von Bedeutung wäre, oder?

viertletzter Abschnitt vom ersten Post:
"„Ich renn noch kurz einmal ums Dorf also beeil dich ja?“ "
--> vor "ja" kommt glaub ein Komma. Lachen
Antworten
#6
Zitat:9.Abschnitt:
"Als sie kurz vor der letzten Ecke der Kreunzung waren" --> Kreuzung (Tippfehler? :-D )
jep, Tippfehler^^
Zitat:"Vorsichtig spähten sie um die Ecke und ihrem eben noch heiteren Grinsen wich ein entetzter Blick, denn ein wahrlich grauenvoller Anblick bot sich ihnen." --> Blick und Anblick hört sich ein bisschen komisch an, wenn die Wörter im selben Satz sind.
Hast Recht, klingt wirklich komisch.
Zitat:10. Abschnitt:
"Überall auf der Kreuzung und in beide Richtungen zu den Clanbezirken lagen die Mitglieder beider Clans blutüberströmt, mit grausamensten Wunden regungslos und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, auf dem Boden." --> heißt es nicht "grausamsten"?
Heißt es^^
Zitat:14. abschnitt (glaub ich, (es ist nähmlich nicht einfach, die Abschnitte zu zählen Crazy )
Sry, an dem Aussehen des Textes bzw. der Grundstrukturierung arbeite ich zur Zeit noch. Wird besser Ok

Zitat:Inhaltlich:
16. Abschnitt:
"Sie würden s...so etwas nie....mals tun. Unsere beiden Väter s....sind die Helden unser Clans un...d keine dreckigen Ver...räter“. Er spie verächtlich auf die Schuhe des Fremden." --> Dass passt irgendwie nicht, dass er verächtlich auf die Schuhe des Fremden spuckt, andererseits aber dem Fremden glaubt, es aber nicht wahrhaben will, wie es zu sein scheint. (weist du was ich mein? )
Stimmt, dass macht inhaltlich nicht viel Sinn.

Zitat:lolig^^:
"„Wütend und unbeherrscht wie immer Sam Beyon“, erwiderte dieser lächelnd. Der Fremde kam noch dichter auf sie zu. „Wo...her kennst du meinen Namen du feiger Ab...schaum? Nimm dei...ne Kapuze hab damit ich d...as Gesicht sehen kann, das st...erben wird“, fauchte Sam weiter, trotz schwacher Stimme"
--> Das hinterließ bei mir einen richtig fetten Lachflash Lachen
War zwar nicht so beabsichtigt, da ich nicht genau wußte, wie ich nun am besten seine Sprachlosigkeit rüberbring, aber so passts ja :P
Da könnte ich mir in der Tat noch etwas von Tasse's Isaac abgucken Lachen

Zitat:"Die andere Klinge hingegen glänzte pechschwarz, bestand aus einer ganz speziellen Legierung und war wesentlich kürzer, ungefähr die Länge eines Arms von einem Erwachsenen Menschen."
--> wesentlich länger (da die erste Klinge eine Elle lang ist - kürzer als die zweite (ein "Arm" lang))
Die erste Klinge hat die Länge eines Zweihänders und ist deshalb länger als die zweite, die "nur" so lang ist, wie der Arm eines Erwachsenen.
Ich hab jetzt zuhause bei mir kein Schwert um das vergleichen zu können, allerdings ist der normale ausgewachsene Arm maximal 80 oder 90 cm lang, die Klinge eines Zweihänders dürfte da mit 120 cm rüberkommen, wenn man denn Wikipedia trauen möchte :P
Was du meintest war die Länge des Griffs des ersten Schwertes, der ist eine Elle lang.
"Englisch mag die Sprache der Welt sein, aber Deutsch ist die Sprache des Herzens." -- Jawoll.
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#7
So ich reiche mal den Anfang des Prologs nach. Schlechter Zeitpunkt, ich weiß, aber der Prolog gefiel mir bislang nicht wirklich, deswegen kommt er erst jetzt. Natürlich wird nicht alles erklärt, wäre ja sonst langweilig Zungeraus


Langsam stand Soruca auf, ganz langsam und in aller Ruhe. Sie ging zu ihrem Schreibtisch und schlug das Buch auf, welches sie kurz zuvor dort abgelegt hatte. „Es ist fertig geworden, endlich“, dachte sie laut. Der Titel lautete: „Die Chroniken Weyards“. Sie war alt geworden, sehr alt. Und sie merkte, dass ihr Lebensfunken bald erlischen würde. Soruca sah das Buch an, ihr ganzes Leben, ihr Schicksal und das vieler anderer, ihre Geschichten, all dies hatte sie in diesem Buch verarbeitet. Die schönen Momente, wie die schlechten. Sie wischte sich eine Träne mit ihrer runzeligen Hand aus ihrem Auge und began schließlich zu lesen.
Äonen ist es nun schon her, da bewahrten acht tapfere Helden unsere Welt Weyard vor dem grausamen Untergang. Sie waren Abkömmlinge einer antiken Zivilisation, die in der Lage war, eine besondere Kraft, sogenannte Psyernergie, einzusetzen. Damals drohte Weyard von riesigen Wassermassen, den Gaiafällen, in die Tiefe gerissen zu werden zu werden und nur das Entfachen der Leuchttürme, jener Überbleibsel des alten Volkes, konnte dies verhindern. Diese Türmen, vier an der Zahl, sind in alle Himmelsrichtungen in ganz Weyard verstreut. Sie sind die Symbole für die vier Elemente die in Weyard herrschen: Venus, Merkur, Jupiter und Mars und stehen in genau dieser Reihenfolge für Erde, Wasser, Wind und Feuer. Die vier Elemente bilden ein stabiles Gleichgewicht, das die Welt schützt; mehr noch, sie sind auch die Grundlagen der Alchemie, welche den Adepten ihre Kräfte und Fähigkeiten verleiht. Adepten wiederum nennt man jene Menschen, die in der Lage sind Psyernergie anzuwenden, denn nicht jeder in Weyard beherrscht diese antike Macht.

Zum Teil herrschen gewaltige Unterschiede, wie stark die Psyenergie bei einem Adepten wirkt, also wie mächtig sie letztendlich sind. Nur ganz wenigen Adepten schließen sich auch Dschinns an – manche meinen nur auserwählten, doch ich denke eher, dass es eine Art Auswahl seitens der Dschinns gibt, welchem Adepten sie sich anschließen. Diese mystischen Wesen, ebenfalls aus der Zeit des Antiken Volkes stammend, verstärken nicht nur die Kräfte der Adepten, sondern ermöglichen es ihnen auch, die Dschinns für mächtige Beschwörungen einzusetzen, oder sich mit ihnen zu vereinen. Sie ähneln sich vom Aussehen untereinander, besonders innerhalb der einzelnen Elemente; gravierende Unterschiede wie bei uns Menschen in Bezug auf das Aussehen und das Verhalten sind nicht zu verzeichnen. Wie bei den vier Leuchttürmen gibt es ebenfalls vier verschiedene Arten von Dschinns, für jedes Element eine ganz eigene Art. Meinen Studien zufolge sind die Dschinns wesentlich elementbezogener und können sich nicht so leicht anpassen wie wir. Auch die Adepten werden nach ihrer Zuneigung zu den Elementen eingeteilt. So gibt es Erdadepten, Wasseradepten, Windadepten und Feueradepten, alle mit unterschiedlichen Eigenschaften und Fähigkeiten. Tragischerweise gibt es nur noch eine Handvoll Adepten in Weyard, nachdem ein großer und blutiger Bruderkrieg, der „Rote Kreuzzug“ im Jahre 780 vor der Wende, unter den Adepten stattfand und viele Clans, Familien und ganze Stämme nahezu ausgelöscht wurden. Damals überfielen die Stämme der Feueradepten aus Neid und Missgunst auf ihre Brüder die anderen Dörfer und töteten Unzählige von ihnen; Männer, Frauen und Kinder. Wir wissen nicht, woher die Adepten und deren Vorfahren genau kamen, es gibt dennoch Vermutungen darüber, dass jedes Element bei seiner Entstehung mit besonderen Vorzügen und Fähigkeiten bedacht wurde. So wie es scheint, waren die frühen Feueradepten mit ihren Gaben unzufrieden und wurden neidisch auf die Fähigkeiten ihrer Brüder.

Die meisten Menschen halfen bedauerlicherweise den Heerscharen des Feuers bei ihrem Rachefeldzug und im Gegenzug verschonten die Feuderadepten ihr Leben – ein wichtiger Grund für den zunächst großen und schnellen Erfolg des Überfalls des Feuerreiches. In einer letzten, verlustvollen Schlacht am Madra-Felsen, der damaligen Hochburg des Feuerreiches, verbündeten sich die verbliebenen Adepten jedes Elementes mit anderen, loyalen Menschen, Dschinns, Elementarwesen, sogar einigen wenigen Drachen, Golems und Elfen. Dieses Gemetzel – der Name Schlacht kann das damalige Wüten kaum in Worte fassen - , dauerte drei volle Tage und drei ganze Nächte. Die alten Aufzeichnungen übertreffen sich gegenseitig in ihrer Darstellung an Grausamkeit, denn obwohl das Bündnis aus Wind, Wasser und Erde am Ende knapp den Sieg davon trug, waren Tausende und abertausende zu Tode gekommen, das Land im weiten Umkreis um den Madra-Felsen verbrannt; zerstörte Gehöfte, Städte und ganze entvölkerte Landstriche zeugten von dem heftigen Schicksalsschlag. Hinzu kam der schwer wiegende Wermutstropfen, dass viele Feueradepten der Niederlage ins Gesicht blickend, kopfüber flüchteten. „Als die Armeen des Bündnisses den Anführer der Feinde niederstreckten, die neben den Feueradepten aus wilden Trollen, Skeletten, Ghulen, Chimären, Söldnern und anderen niederen Kraturen bestand, zerbarst die Moral der wenigen verbliebenen Truppen wie dünnster Windkristall und sie zerstreuten sich eiligst in alle Winde“, so steht es geschrieben in einer von unzähligen Aufzeichungen über den großen Bruderkrieg. Azrael Drachenjunker, der damalige Anführer der Feuerstreitmächte, hielt durch seine imposante Aura die Moral bis zu seinem Tod aufrecht. Wäre er nicht unter Opferung vieler Männer getötet worden, dann hätte das Gemetzel einen unguten Ausgang für das Bündnis zur Folge gehabt.

Es wurde nie offziell bestätigt, doch wenig später, nachdem bereits Frieden geschlossen war, wurde die Familie Drachenjunker nahezu vollständig ausgelöscht. Um den Frieden nicht aufs Spiel zu setzen, wurde eine Geschichte erfunden, nach der sich die Familienmitglieder gegenseitig umgebracht hätten aus Gier auf die riesigen Hinterlassenschaften von Azrael Drachenjunker. Fakt ist aber, dass Assassinen des Windreiches für die Ermordung beauftragt wurden, weshalb bis heute ein mehr als angespanntes Verhältnis zwischen diesen beiden Mächten besteht. Doch zurück zum Ausgang der Schlacht. Die Dörfer der Elemente Wasser und Erde wollten die desertierten Feueradepten verschonen, die Ältesten der Windclans sahen das anders. Es entbrannte erneut ein Streit von solcher Heftigkeit, dass er drohte zu eskalieren. Man muss allerdings dazu sagen, dass es die Völker des Windes waren, die zuerst den zerstörerischen Angriffen der Feuerarmeen zum Opfer fielen. Da Anhänger des Feuerelementes ohnehin nie besonders gut mit Windadepten ausgekommen waren, wüteten die einfallenden Truppen während des „Roten Kreuzzuges“ in den Dörfern des Windreiches mit besonders kaltblütiger Brutalität. Mehr als Dreiviertel aller Windclans war über Nacht ausgelöscht worden, als sie völlig überrumpelt und ohne Gegenwehr niedergemetzelt wurden. Es ist wohl einzig und allein den weisen Diplomaten der Wasseradepten zu verdanken, dass es nicht erneut zum Krieg kam, da sie die Ältesten des Windreiches schließlich überzeugten, die verbliebenen Adepten des Feuers zu verschonen. Sie kamen dabei allerdings nicht um bestimmte Zugeständnisse herum. So forderten die Ältesten der Windclans die Alchemie zu versiegeln und so die Möglichkeiten auf eine weitere Blutfehde so gering wie möglich zu halten.


Sie benutzten die hinterblieben Türme des antiken Volkes, reparierten und stellten sie wieder her um ihre Funktion zu erfüllen, nämlich ein jedes Element und damit seine Macht zu verschließen. Vor hunderten von Jahren hatte sich wohl ein ähnliches, blutiges Szenario abgespielt und aus Vorsicht errichteten unsere Vorfahren, die einst die Alchemie und damit das Leben nach Weyard brachten, die Vier Leuchttürme um darin die Macht unter Verschluß zu halten. Dadurch war das Gleichgewicht zwischen den Elementen zwar erheblich gestört und Weyard anfälliger für Katastrophen, doch der Frieden untereinander war gesichert da nun die Alchemie und damit auch Psyenergie nicht mehr bzw. nur noch geringfügig zur Verfügung stand; zumindest vorerst. Zur geschichtlichen Einordnung: Um 1000. vor der Wende bildeten sich zunächst die vier Dörfer für die Elemente Feuer, Wasser, Erde und Wind, welche alsbald expandierten - man sprach ab da an von den vier Reichen oder Großmächten. Das Feuerreich lag in den Nördlichen Regionen rund um Prox, Angara wurde von Wasseradepten regiert, von Hisperia bis Atteka erstreckte sich das Windreich und schließlich das größte von allen, das Erdreich, welches ganz Gondowan sowie Indra und zur Häflte Osenia einnahm. Osenias andere Hälfte, sowie Izumo und das Apojii-Archipel blieben unabhängig. Spannungen, Drohungen und kleine Konflikte zwischen den einzelnen Mächten endeteten schließlich im großen Bruderkrieg, der „Rote Kreuzzug“.

Das Ergebnis dessen, die Versiegelung der Alchemie geschah um etwa 775. vor der Wende, knapp fünf Jahre nach Ende des Krieges; es folgten 775 Jahre des Rückschritts, da die Psyenergie, ein wichtiger Faktor für die Weiterentwickelung, nahezu versiegt war. Infolge dessen lösten sich die vier Reiche kurz vor der Wende auf – die innere Ordnung brach damals vielerorts komplett zusammen, auf Grund von Hungersnöten, Missernten und Unterdrückung. Besonders im letzten Punkt sind das Wasser– und das Feuerreich zu nennen, mit Ruhm hatte sich diese beiden zu der Zeit wahrlich nicht überschüttet, was heutzutage oft ein wenig runtergespielt wird. Versklavung und Folterung wurden exzessiv im Wasserreich betrieben, sogar noch viel schlimmer als im Feuerreich. Kritik an der Regierung, dem Herrscher oder allgemein am System wurde nicht selten mit sofortiger Hinrichtung bestraft. In beiden eben genannten Reichen, gab es stets eine Königsfamilie, aus welcher der zukünftige Herrscher hervorging. Im Erdreich sah das Ganze schon anders aus. Zu dem Zeitpunkt war Gondowan der mit Abstand gefährlichste Ort in Weyard. Barbarenstämme streiften mordend und plündernd umher, die Stämme praktizierten merkwürdige Rituale, selbst Menschenopferungen wollen einige wagemutige Abenteurer gesehen haben.

Aus diesen Gründen hielt sich das Erdreich eigentlich selbst zusammen, für kurze Zeit hatte manchmal ein Stamm das Sagen, bei dem kleinsten Anzeichen von Schwäche rückten die anderen jedoch sofort und ohne Erbarmen nach. Bei Koratz, aus dem später Tolbi wurde, erlitt das Feuerreich seine erste herbe Niederlage gegen die vielen Erdstämme und selbigen ist auch ein wesentlicher Beitrag zum schnellen Ende des „Roten Kreuzzuges“ zuzuschreiben. Im Windreich dagegen gab es schon recht früh eine Art Regierung, der sogenannte Landesrat, welcher sich aus Vertretern einzelner Dörfer und Städte zusammensetzte, die dann die Vorgaben für das gesamte Windreich bestimmten.
Alles in allem das vernünftigste Reich vielleicht, jedoch gab es auch hier Sklaverei, wenngleich nicht so extrem wie im Wasser-, oder Feuerreich.
Erst kurz vor der Wende nahm die Konzentration in ganz Weyard aus noch unbekannten Gründen beständig zu, bis schließlich im 16. oder 17. Jahr nach der Wende – welche übrigens die Geburt von Isaac, Felix und vielen anderen der acht Helden makiert – zum ersten Mal seit fast 800 Jahren wieder ein Leuchtturm entfacht wurde.
"Englisch mag die Sprache der Welt sein, aber Deutsch ist die Sprache des Herzens." -- Jawoll.
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#8
Zur Hilfe und besseren Übersicht liste ich hier nochmal wichtige Personen bzw. Gruppen auf:
Clan Scragal/Wind
Marius, Vater von Chas, Shagon und Raiya, Alter 49
Avia, Mutter von Chas, Shagon und Raiya, Gestorben mit 45
Chas, Protagonist und 21 Jahre alt
Shagon, 21 Jahre alt
Raiya, 21 Jahre alt

Clan Beyon/Wasser
Georg, Vater von Sam, Alter 46
Sara, Mutter von Sam, Gestorben mit 39
Sam, Chas bester Freund, 17 Jahre alt

Weisen
Ciara, Wind
Echio, Erde
Boreas, Wasser
Arulkae, Feuer

Rat der Ältesten
--> besteht aus 12 Personen
--> Kitaki ( Boten)
--> Zarku (Assassinen)
--> Raso und Gherr, ebenfalls Zarku

Andere
Alex, Wassermeister, 2 Untergebene Adepten
Tvash, Bürgermeister von Denuo
Sama, Lehrmeister von Sam und Chas
Abtrünnigen, 4 Personen


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So und hier gehts weiter!

Am nächsten Morgen standen Sam und Chas früh auf und weckten Ciara und Boreas, die auch noch ein wenig Schlaf gefunden hatten. Sie schnallten sich ihre Rucksäcke um und setzten sich auf das Fluggerät. Gerangel um einen Sitzplatz gab es nicht, der Platz war mehr als ausreichend, da Chas die Fluggeräte für fast sechs Personen ausgelegt hatte. Ganz vorn saß Chas, gefolgt von Ciara und Boreas, Sam bildete das Schlusslicht. Chas betätigte mit seiner linken Hand einen Schalter, der direkt neben dem Fluggerät aus dem Boden ragte und am Ende der Halle, die sich am Ausgang stark verengte, schob sich wie von Geisterhand eine riesige Platte beiseite und offenbarte den schmalen Ausgang. „Haltet euch fest“, rief Chas den anderen zu, aktivierte den Kristall, indem er seine Hand auf ein kleineres Modell vor ihm auflegte und flog das Fluggerät langsam aus der Halle raus.
Gerade draußen schwebte er mit dem Fluggerät nah an den Ausgang heran und legte erneut einen Schalter um, wodurch sich die massive Steinplatte zurück an ihren Platz bewegte. Chas grinste, ein wahrhaft diebisches Lächeln und gab Vollgas. Eben noch mit langsamen Tempo aus der Höhle gekrochen, stiegen sie jetzt immer höher und wurden rasend schnell. Die Reaktionen auf Chas Geschwindigkeitserhöhung hätten unterschiedlicher kaum sein können. Sam, der ganz hinten saß und wild vor Freude mit seinen Armen umherruderte, war kurz vor einem Kollaps, ähnlich Boreas, wenn auch aus anderen Gründen, wie die Grünfärbung seines Gesichts deutlich verriet. Nur Ciara und Chas zeigten keine besondere Emotionen, fast so als ob sie schon jahrelang nichts anderes getan hätten.

Unter ihnen flog der Arboreas-Wald nur so dahin. Denuo konnten sie bereits ausmachen, deshalb ging Chas mit dem Fluggerät tiefer, als sie den Wald hinter sich gelassen hatten. Bei der rasanten Geschwindigkeit hatten sie Denuo nach knapp Zehn Minuten Flug schon erreicht. Sie landeten nicht direkt im Dorf, sondern ein bisschen davor auf dem Stoppelfeld, ihrem beliebten Trainingsplatz. Mit schnellen Schritten gingen Sam, Chas, Ciara und ein etwas kränklich wirkender Boreas Richtung Denuo. Vor dem Eingang stand Tvash, gestützt auf seinen Gehstock, Raso und Gherr an seiner Seite. „Ich will gar nicht wissen, was du da wieder gebaut hast Chas“, sagte Tvash lächelnd. „Was es auch ist, ich hoffe es hilft euch auf eurer beschwerlichen Reise. Ich wünsche euch viel Glück und Erfolg bei dieser wichtigen Mission. Findet eure Väter aber lasst sie am Leben, damit wir hier in Denuo über sie richten können“. Tvash richtete seinen Blick auf Boreas und Ciara und neigte leicht seinen Kopf. „Auch euch danke ich für eure Hilfe. Wenn die ganze Sache hier zuende ist, seid ihr befreit, ich werde mein Versprechen einhalten. Diese beiden hier - sagte Tvash und zeigt auf Raso und Gherr - kommen aus der Miliz und sind die stärksten Kämpfer, die eine wirklich hervorragende Ausbildung genossen haben. Ein meisterlicher Umgang mit Waffen jedweder Art zeichnet sie aus, wenngleich ihre adeptischen Fähigkeiten bescheiden sind.
Sie werden euch als Leibgarde dienen, aber auch als Berater. Zögert also nicht, ihre Hilfe in Anspruch zu nehmen“. „Wir danken euch ebenfalls für alles, was ihr für uns getan habt. Wir werden euch nicht enttäuschen Bürgermeister“, sagte Chas und verbeugte sich gemeinsam mit Sam. Die Verabschiedung dauerte etwas länger als geplant, da jeder stets aufs neue beteuerte, man möge viel Glück haben und die Dankessagungen erschöfpten sich auch nur gemächlich. Schließlich schafften sie es auf das Fluggerät und da Raso und Gherr jetzt mit an Bord waren, mussten sie doch zusammenrücken. „Chas vielleicht wäre es gut, wenn du nochmal an der Platzverteilung unser Fluggeräte rumtüftelst, wenn wir wieder zu Hause sind“, sagte Sam mit gepresster Stimme, da er als letzter kaum Platz hatte. Chas drehte sich nach hinten um und musste sich ein Schmunzeln verkneifen. „Ich denk drüber nach Sam, ich denk drüber nach“, antwortete er lachend.
Gherr und Raso saßen zwar und hielten sich fest, doch ihre Mienen verrieten absolute Ahnungslosigkeit. Gherr, der deutlich ältere der beiden, überwand seine Verwunderung als erster und richtete seinen fragenden Blick auf Chas, der immer noch nach hinten schaute. Chas fing seinen Blick auf und antwortete mit einem stillen Lächeln, während er sich wieder nach vorne umdrehte und auf das Steuermodul konzentrierte. Gherr hielt es nicht mehr aus und wollte grade zum Reden ansetzen. „Also wozu...“, doch weiter kam er nicht, da Chas bereits seine Hand auf den Steuerkristall gelegt hatte und Vollgas gab. Schneller als der Wind flogen sie in Richtung der gerade aufgehenden Sonne davon.


Kapitel 3 - Der Aufbruch


Ein paar Tage waren sie nun unterwegs. Von Dorf zu Dorf hatten sie sich durchgefragt, immer in der Hoffnung Georg Beyon und Marius Scragal so schnell wie möglich zu finden. Denuo lag auf der Insel Hisperia, sodass die feindlichen Feueradepten unweigerlich per Schiff gekommen sein mussten. Doch bisher hatten sie keine einzige Spur, nirgentswo waren zwei fremde Reisende entdeckt worden. So neigte sich wieder ein erfolgfreier Tag dem Ende zu und die Gruppe um Sam und Chas machte sich bereit, das Nachtlager aufzuschlagen. Bald schon loderte ein kleines Lagerfeuer und Sam kam gerade rechtzeitig mit der Beute seiner Jagd zurück. Zwei große Hirsche hatte er erlegen können, dazu einen Keiler, ein recht dickes Exemplar, wenn man es genauer betrachtete. Die Stimmung war gedrückt, sodass sie in aller Stille aßen und alle mit leeren Augen in das vor ihnen lodernde Feuer starrten. Schließlich brach Ciara das unbehagliche Schweigen. „Wäre es nicht möglich, dass wir in die falsche Richtung gegangen sind? Wir sind doch in der Annahme nach Norden gegangen, dass eure beiden Väter dort versuchen würden mit Schiffen zu fliehen, oder etwa nicht?“. Sam nickte nur stumm, Chas war geistig abwesend, doch irgentwas in seinem Gesicht sagte Ciara, dass etwas nicht stimmte. „Chas, würdest du mir freundlicherweise zuhören? Chas?!“, schrie sie ihn jetzt beinahe an.
„Was ist nur los mit dir, verdammt nochmal“, sagte Ciara aufgebracht. Chas drehte sich um und seine besorgte Miene ließ nichts Gutes verheißen. „Wir bekommen bald Besuch“, sagte er plötzlich sehr aufgeregt, „es sind ungefähr zehn Personen, wenn mich nicht alles täuscht“. Ciaras Blick entspannte sich ein bisschen. „Und warum regst du dich dann so auf, das könnte jeder sein. Soldaten des Windreiches zum Beispiel, oder nur einfache Wanderer wie wir, beruhig dich ein wenig“. Chas schüttelte energisch den Kopf. „Nein das sind keine normalen Wanderer, sie laufen zielstrebig auf uns zu, obwohl wir weit ab vom Weg sind“. Plötzlich stutzte Chas und schloss hektisch die Augen. „S...sie sind nicht mehr da, sie sind einfach weg verdammt. Ich höre nichts mehr, ich kann keine Schritte mehr hören. Kommt Leute, Abmarsch und zwar sofort, das gefällt mir n..., weiter kam Chas nicht, ein langer schwarzer Pfeil ragte plötzlich aus seiner linken Schulter heraus, seine dünne Lederrüstung hatte dem wuchtigen Pfeil nichts entgegen zu setzen und Chas taumelte ein, zwei Meter nach hinten.

„Alle Mann in Deckung und zwar auf der Stelle, ich schaff uns Schutz“, brüllte Sam und hob die Arme in die Luft, um eine Steinwall um sie herum zu formen. „Pah, Angriff ist die beste Verteidigung Sam“, rief Raso ihm zu und zog seinen Morgenstern aus der Halterung. Gherr tat es ihm gleich, nur dass er anstatt einem Morgenstern, einen Speer von seinem Rücken schnallte und sich bewaffnete. „Wir sind keine Adepten, aber wir können meisterhaft mit Waffen kämpfen Sam. Wir geben uns gegenseitig Rückendeckung“, riefen die beiden ihm zu, machten sich kampfbereit und gingen hinter Sams Steinwall in Deckung. Obwohl es allem Anschein nach wirklich nicht mehr als zehn Feinde waren, prasselte doch eine ganze Armada an Pfeilen auf sie ein, ohne den Steinwall wären sie längst durchsiebt worden. Boreas blieb weiter hinten mit Chas, Ciara ging zu Gherr und Raso und machte sich ebenfalls bereit für den gleich folgenden Kampf. Anscheinend gingen den Feinden die Pfeile aus, denn der Pfeilregen versiegte so plötzlich, wie er gekommen war; dafür ertönten sofort dutzende, wütende Schreie mordlustiger Männer.

Sam spähte vorsichtig über den Steinwall hinüber und zählte neun Männer die auf sie zuliefen, alle in den selben Rüstungen, wie sie die beiden Feueradepten getragen hatten, die Denuo zusammen mit den Banditen angegriffen hatten. Der Erste der Feueradepten war allerdings zu unvorsichtig und blind vorgestürmt, sodass Gherrs Speer ihn durchbohrte, bevor er auch nur den Wall passieren konnte. Die Klinge durchbohrte zuerst das Kettenhemd, bevor Gherr ihn rausriss und mit einem erneuten seitlichen Schwung dem Feueradepten die ungeschützte Kehle aufschlitzte. Er fiel nach hinten den Wall hinunter und behinderte dabei einen seiner Kumpane, den Ciara sofort durch einen Blitz nach hinten schleuderte, wo er mit einem lauten Krachen gegen einen Baum prallte und sich nicht mehr rührte.
Die anderen Feueradepten waren nun bereits kurz vor dem Wall und immer noch deutlich in der Überzahl. Zudem hatte sich Sam getäuscht, es waren nicht nur Krieger des Feuerreiches, denn zwei trugen Roben oder zumindest robenartige Rüstungen und keine Schwerter, sondern Kampfstäbe. Wieder hatten es zwei der Krieger über den Wall geschafft, ihnen folgten kurze Zeit später die anderen drei, die zwei Magier blieben mit großen Abstand hinten. Dem ersten Krieger warf Sam seinen für den Krieger riesigen Einhandhammer gegen die Brust, welcher sofort laut stöhnend zusammensackte. Sam setzte nach, hob seinen Hammer auf und zertrümmerte den Schädel des hilflosen Kriegers.

Der zweite wurde von einer Windböe Ciaras erfasst, fast zerteilt und bekam einen tiefen Schnitt, der quer über seinen Körper verlief und den roten Lebenssaft sprudeln ließ. Gherr und Raso lockten zwei weitere Krieger weg von Chas, doch der letzte Krieger, der über den Wall kam hatte einen Wurfspeer in seiner rechten Hand. Er hohlte aus, zielte auf den verletzten Chas und warf in mit voller Kraft in dessen Richtung. Gherr bemerkte den hinterhältigen Angriff gerade noch rechtzeitig und warf sich todesmutig in die Flugbahn des Wurfspeeres und fing ihn ab. Er schaffte es nicht ganz den Speer aufzuhalten, veränderte aber seine Bahn, sodass dieser sich knapp neben Chas ins Gras bohrte. Zum Glück hatte ihn der Speer nur gestreift, dabei allerdings ein Stück Fleisch mit herausgerissen. Gherr hielt seinen Speer deshalb mit nur noch einer Hand fest und konnte dem nachsetzenden, wuchtigen Schlag des Kriegers nicht ausweichen.
Die Wucht des Aufpralls ließ seine Hände erzittern und er ging ungeschützt zu Boden. „Nein, Gherr, nicht“, schrie Raso voller Wut und hieb seinem Gegner den Streitkolben frontal ins Gesicht. Er versetzte dem Feuerkrieger einen kräftigen Tritt in den Bauch, sodass sich dieser vor Schmerzen bückte und unfreiwillig seine Waffe verlor. Raso setzte nach und hieb ihm mit der vollen Wucht seines Morgensterns in den ungeschützten Nacken. Ein lautes Knacken bewieß, dass dieser Krieger soeben sein Leben ausgehaucht hatte und ein befriedigendes Grinsen stahl sich auf Rasos Gesicht. Sam indessen packte den Krieger auf dem Wall, der den Speer geschleudert hatte, am Hals und am Kopf und drehte unter irrem Kraftaufwand den Kopf mit seinen bulligen Händen zur Seite weg und brach dem Krieger so das Genick. Der Körper erschlaffte augenblicklich und während Sam gleichzeitig mit Raso auf Gherrs Gegenspieler zustürmte, lief Ciara zusammen mit Boreas über den Wall, um sich den Magiern zu stellen. Gherr konnte in letzter Sekunde durch eine Seitenrolle dem Schwerthieb seines Gegners entgehen, trat dafür mit aller Kraft ihn die Kniekehle des Mannes, wodurch dieser hilflos zusammenknickte.

Er sank auf den Boden und verlor sein Schwert, kurz bevor Rasos Morgenstern seinen Kopf samt Helm zerschmetterte und ein faustgroßer, armlanger Eiszapfen von Sam das Herz des Kriegers durchbohrte. Dessen Schmerzensschrei verstummte abrupt und sofort hörte er auch auf zu zucken und regte sich nicht mehr. Gerade in diesem Augenblick hörten sie eine riesige Explosion jenseits des Walls und fürchteten ein feuerrotes Inferno zu sehen, doch stattdessen schlug nur wenige Meter hinter ihnen ein gigantischer Blitz in den Boden ein und tauchte die Nacht in ein gespenstisches Licht. „Boreas, Ciara“, brüllten Raso und Sam gleichzeitig, während sie panisch über den Steinwall hechteten. Sie erblickten zuerst Boreas, der schwer verwundet an einen Baum angelehnt lag. Dicke Schweißperlen rannen ihm vor Schmerzen das Gesicht herab und tropften auf sein blutverschmiertes Gesicht.
Ciara war ebenfalls schwer getroffen und hielt sich nur mit sichtlicher Mühe auf den Beinen, doch all das war kein Vergleich zu den beiden Magiern. Sie waren so schrecklich entstellt, dass man sie nur noch schwer als Menschen ausmachen konnte. Rings um die beiden war die Erde pechschwarz und sie selbst schwer verbrannt, ihre dunklen Körper strömten den berstigen Geruch verbrannten Fleisches aus. Chas und Gherr folgten ihnen humpelnd auf die Ebene vor dem Wall, während Sam bereits dabei war die Verwundeten zu heilen. Er selbst hatte glücklicherweise nichts abgekriegt, ebenso wenig wie Raso. Doch Gherr, Chas und Boreas waren schwer und Ciara leicht verletzt. Raso und Sam kümmerten sich um die Verwundeten, bevor sie schließlich die Leichen der Feueradepten begruben, alle Spuren eines Kampfes so gut wie möglich verwischten und zurück zu ihrem Lager gingen.

„Ruhen wir uns etwas aus“, meinte Chas mit schmerzverzerrtem Gesicht. „Wir haben alle Bastarde erwischt, mit Sicherheit war das nur ein Spähtrupp“. Sam zuckte unwillkürlich auf. Haben wir wirklich alle erwischt? Waren es nicht zehn Krieger? Hier liegen aber nur neun Leichen. Hm, Chas wird sich wahrscheinlich geirrt haben, dachte Sam und vergaß im selben Moment, dass er gerade noch drüber nachgedacht hatte. Raso nickte Chas zu. „Das denke ich auch, selbst wenn das nichts Gutes verheißt, dass das Feuerreich Späher in das Windreich entsendet“. Alle schwiegen doch in ihren Gesichtern war die gleiche Furcht zu lesen: das erneute Aufflammen des „Roten Kreuzzuges“, des schrecklichsten Krieges, der Weyard je heimgesucht hatte. Sie rückten näher ans Feuer und zum Schutz schuff Sam erneut einen riesigen Steinwall um sie herum, diesmal allerdings formte er ihn wie ein Zelt und ließ nur ganz oben eine Öffnung frei. Er rundete ihr Zelt ab, indem er die Erde um das Zelt herum stetig anhob und so den Eindruck eines Hügels schaffte.
Zusätzlich ließ er auf dem eben neu geschaffenen Hügel Gräser und andere Pflanzen wachsen, um den Hügel natürlicher aussehen zu lassen. Chas versorgte unter ständigem Husten und Keuchen seine Wunde, Ciara half ihm dabei. Nach getaner Arbeit fiel Chas sofort um vor Erschöpfung, Boreas und Gherr taten es ihm gleich, wenig später folgte Ciara; die schweren Verletzungen forderten schließlich ihren Tribut. So saßen nur noch Raso und Sam am Feuer und hielten Wache. Das Feuer flackerte wild und warf lange Schatten auf die Erdwände ihres Zeltes. „Du hast gut gekämpft Raso, du wurdest wirklich vorbildlich ausgebildet“, sagte Sam schließlich nach einiger Zeit, um die ihm unangenehme Stille zu unterbrechen.

„Du auch Sam, du auch“, erwiderte Raso das Lob mit heiser Stimme. „Ich wäre auch gern ein Adept wie die meisten von unserer Gruppe, aber so bin ich zusammen mit Gherr der einzige, der nur mit Waffen kämpfen kann“, fuhr Raso fort während er sich mit seinen kräftigen Händen den verspannten Nacken massierte. Sam sah ihn ernst an: „Ein Adept zu sein bringt einem nicht nur Vorteile. Anders als in Denuo, wo jeder Bewohner auf seine Weise in der Lage ist Psyenergie einzusetzen, ist das in anderen Städten und Dörfern nicht der Fall. Als Chas und ich früher auf Missionen in andere Städte gesendet wurden, bekamen wir keine warmherzigen Blicke, keine Dankesreden, keinen netten Empfang. Die Menschen hassten uns, Raso, egal wo wir waren. Die Alchemie, so viel Fortschritt sie gebracht hat, so viel Leid und Zerstörung gingen einher mit ihr. Es gibt immer weniger Adepten und immer weniger Orte an denen sie friedvoll leben. Also schätz dich glücklich, dass du ein normaler Mensch bist“, sagte Sam lachend.
„Ja, du hast wahrscheinlich Recht Sam, ich sollte mich glücklich schätzen“, antwortete Raso abweisend und starrte gedankenverloren in das lodernde Feuer vor ihnen. Die Verartzteten schliefen bereits alle und auch Sam und Raso spürten die zunehmende Müdigkeit. Raso legte sich schließlich ebenfalls hin und nachdem Sam ihren Schutzwall nochmal einer Überprüfung unterzogen hatte, fiel auch er um und schlief samt Rüstung ein.

Nicht weit von der Gruppe entfernt, saß der zehnte Feueradept auf einem Baum und beobachtete, wie unablässig Rauchschwaden aus dem künstlich geschaffenen Hügel vor ihm austraten. Das Versteck war raffiniert geschaffen worden. Hätten sie das Feuer gelöscht, wäre dieser künstlich entstandene Hügel noch weniger aufgefallen. Er verspürte keinen Hass, obwohl seine Kameraden vor seinen Augen in Sekunden ausgemerzt wurden. Er verspürte vielmehr Angst davor, zurückzukehren und den Fehlschlag der Mission seinen Vorgesetzten berichten zu müssen. Mit leeren Händen konnte er einfach nicht nach Hause zurückkehren, dann würde ihn ein ähnliches Schicksal wie seine Kameraden ereilen.
Doch diese Gruppe war stark, sehr stark und wahrscheinlich würden sie eine ganze Kompanie Feuerkrieger benötigen. Die beiden Adepten, die ihre Kräfte versteckten, machten ihm besonders große Sorgen. Auch wenn sie fast meisterhaft versuchten hatten, den Fluss an Psyenergie zu stoppen, hatte er sie entlarvt, nur trug das nicht dazu bei, seine Sorgen zu mildern. Nachdenklich kratzte er sich mit seinen kräftigen Häden die Stirn. Neben ihm tauchte urplötzlich eine weitere Gestalt auf, die in ihrer Kleidung sehr dem Feueradepten ähnelte, der auf dem Baum saß. Die Gestalt verharrte in gebeugter Haltung, so als erwarte sie etwas. „Ihre Anweisungen lauten, Captain?“, fragte die Stimme, die einer jungen Frau gehörte. Der Feueradept auf dem Baum bewegte sich kein Stück und starrte weiterhin auf den Hügel, nur seine Lippen begannen sich zu bewegen. „Alle Truppen sollen sich bereithalten und auf weitere Befehle warten. Informiere das Oberkommando darüber, dass ich hier einen Elitetrupp Feueradepten brauche, um diese Gruppe da unten auszuschalten.“
Die Gestalt verharrte, wirkte aber sichtlich irritiert. „Der einzige Elitetrupp, der momentan nicht im Einsatz ist, sind die Drachenadepten aus Prox. Ich denke nicht, dass ihr Wunsch Gehör finden wird, aber ich werde mein Bestes geben, Captain Briareos.“ Briareos nickte nur stumm und im gleichen Moment war die Gestalt auch schon verschwunden. Drachenadepten, wie er sie hasste, Überbleibsel dieses vermaledeiten Hagartio. Überhaupt hasste er Prox und den Norden. Er arbeitete lieber in den wäldlichen Regionen in Angara. Er seufzte und machte sich wenig später auf, der Frau zu folgen.

Der Mond warf riesige Schatten auf das Schloss, welches mitten in einem Wald lag und doch keinerlei Leben hier zu existieren schien. Alex humpelte den Weg entlang, welcher geradewegs aus dem Schloss führte und in mehreren Abzweigungen in Richtung des Waldes mündete. Sein Schwettarm war von einer tiefen Wunde überzogen, unfähig sein Schwert länger halten zu können und in seinem linken Bein steckte ein pechschwarzer Pfeil, dessen Spitze sein Bein trotz Schutz durchbohrt hatte. Wie vor einiger Zeit Fürst Grenau, war nun der zweite von insgesamt sieben durch seine Hand gefallen.
Er hatte gehofft hier Antworten zu finden, Antworten auf viele unerklärliche Dinge, die in letzter Zeit statt gefunden hatten. Er hatte gedacht, dass sein Leben damals, vor langer Zeit, ein jähes Ende gefunden haben sollte, damals auf dem Aleph-Berg. Doch er lebte und nur ein einziger Gedanke kreiste seitdem in seinem Kopf. "Finde und töte die Fürsten der Schatten Alex, töte sie und dir wird vergeben." Er hatte versucht ihn zu verscheuchen, hatte versucht einen klaren Kopf zu bekommen, doch je mehr er sich zu erinnern versuchte, desto schmerzvoller wurde es. Antworten hatte er hier ebenso wenig erhalten, wie bei Fürst Grenau, im Gegenteil. Was er wußte war nicht viel und er dachte jede frei Sekunde über diese wenigen Dinge nach, als wollte er sie nicht freigeben. Zunächst einmal hatte ihn der Alte Weise benutzt, doch nicht nur ihn.

Es war ihm nie darum gegangen, die Entfachung der Leuchttürme zu verhindern. Er hatte ihm versprochen, sollte er die Leuchtfeuer entzünden, würde wieder Frieden in Weyard einkehren, den Frieden den er sich schon seit so langer Zeit herbeigesehnt hatte. Die Macht der Goldenen Sonne hätte ihm zu diesem Ziel verhelfen sollen, doch er hatte sie nicht bekommen. Damals auf dem Berg hatte er sein Ziel aus den Augen verloren, die greifbare schier unendliche Macht hatte ihn schwach gemacht. Aber der Alte Weise hatte ihn betrogen, er hatte ihm seine Macht genommen. Für einen kurzen Moment fühlte er die wohlige Wärme der Sonne, die immense Macht, die sie ausstrahlte. Doch das währte nur für einen Bruchteil einer Sekunde. Als er spürte, wie diese Kraft ihn verließ, regelrecht aus ihm rausgesaugt wurde, verspürte er zum ersten Mal in seinem Leben tiefe Leere und nichts hatte sie seitdem zu füllen vermocht. Und er schlief, er schlief Monate, Jahre, Jahrhunderte lang, die Zeit verstrich und ein Liedschlag kam ihm vor wie eine halbe Ewigkeit. Doch plötzlich, auf einmal wurde er in die nackte, kalte Welt zurückgeworfen.

Seitdem war einige Zeit ins Land gegangen er hatte erfahren, dass die einstigen Helden und Widersacher von ihm schon verstorben waren und ihre Nachfahren in einem recht abgelegenen Dorf lebten - Denuo. Eines Nachts schließlich hatte er einen Traum, eine Stimme, die er nicht zuordnen konnte, versprach ihm Vergebung, Verzeihung seiner Sünden. Dafür sollte er nur eine Sache tun, die Fürsten der Schatten töten, jeden einzelnen. Viele unschuldige Menschen ließen damals ihr Leben für seinen Irrglauben und er fühlte sich schuldig, er fühlte sich verantwortlich für all diese Menschenleben. Jene besagte Stimme hatte ihn schließlich an einen Ort geführt, dessen Existenz er nie für möglich gehalten hätte. An diesem Ort befand sich ein riesiges Schloss, umgeben von kilometerlangen, nicht enden wollendem Ödland. Das Schloss war nichtsdestotrotz bewohnt wie er schnell feststellen musste. Scharen von Menschen, Ogern, Trollen und anderen Kreaturen liefen wie Ameisen geradewegs auf ihn zu, sie quetschten sich durch die turmhohen Tore, die für ihn wie die Pforten der Hölle schienen. Doch er stellte sich ihnen entgegen, obwohl es gut und gern an die tausend Krieger waren und er war siegreich. Der Rest des Schlosses war ihm nicht mehr in Erinnerung geglieben, doch wie jetzt, war er damals schwer verwundet aus dem Schloss entflohen. Der Tod eines sehr starken Mannes, vermutlich des Schlossherrn, blieb lediglich in seinem Gedächtnis.
Fürst Grenau, ja so hatte er sich bezeichnet, mehr noch er hatte sich als Adept ausgegeben, als Meister. Der Kampf gegen diesen Mann hatte ihn beinahe das Leben gekostet, denn er war mächtig gewesen, unglaublich mächtig. Zudem war seine Psyenergie, sollte er wirklich ein Adept gewesen sein, eine ihm unbekannte. Solange er gelebt hatte, war ihm niemals etwas derart böses, derart feindseliges begegnet. Der Kampf hatte das Schloss in seinen Grundfesten erschüttert und nach seinem siegreichen Ausgang war die Flucht vor weiteren unzähligen Monstern ein weiterer Kampf ums Überleben. Er rannte und rannte, daran konnte er sich noch erinnern, solange bis er wieder Tageslicht erblickte. Dann schwand sein Bewußtsein und er wachte erst viel später auf mitten in der Nacht.

In der nachfolgenden Zeit schlug er sich als Söldner durch, verdingte sich als Landarbeiter oder eskortierte reiche Händler, bis er schließlich von Denuo erfuhr und auf seinem Weg sich ihm zwei junge Adepten angeschlossen hatten, deren Leben er vor einer Horde Goblins gerettet hatte. Ihr Weg führte sie schließlich bis kurz vor Denuo, daran vorbei, bis sie endlich hier gelandet waren. Abermals hatte er keinen blassen Schimmer, wie sie überhaupt hierher gekommen warten, doch erneut erhob sich vor ihnen ein rabenschwarzes Schloss. Auch hier war ihm nicht alles in Erinnerung geblieben, an eine Sache, eine sehr schmerzvolle, erinnerte er sich jedoch nach wie vor. Die beiden jungen Adepten, die mit ihm gezogen waren, hatten in den unzähligen Gängen und Korridoren des albtraumhaften Schlosses ihr Leben gelassen. Abermals stellten sich ihnen gewaltige Horden entgegen, sodass sie in den schmaleren Gängen durch tiefschwarzes Blut wateten. Abermals erwartete sie ein unglaublich starker Schlossherr, der seine beiden Freunde in einem erbitterten Gemtzel niederstreckte. Zum ersten Mal hatte sich die Leere in ihm gefüllt und zwar mit Hass. Als er sah wie seine Freunde ihr Leben aushauchten, mit Tränen in den Augen und Furcht auf ihren Gesichtern, verlor er jede menschliche Regung.

Er tötete den Schlossherrn in einem Anflug aus Hass und blinder Tobsucht, unfähig dessen Namen zu erfahren oder Antworten zu erhalten.
So saß er nun da, mitten in einem dunklen, verlassen Wald und sein eigenes Blut rann in Strömen. Sollte er seine Blutung nicht bald stoppen können, wäre Verblutung sein Tod; und sterben wollte er nicht, zumindest nocht nicht. Diese fremden Orte, diese Menschen, Monster, diese Fähigkeiten und Techniken die sie besaßen, all das war für ihn wie ein einziger Traum und er drohte in ihm verloren zu gehen.

Die Kunde des zweiten toten Fürsten erreichte Shagon wenig später und er fluchte laut. "Verdammt, diese nichtsnutzigen Adeligen. Lassen sich einfach abschlachten wie dämliches Vieh und das von einem einzelnen Mann!" Erst Fürst Grenau, nun Fürst Odar, wenn sich das so fortsetzte bekamen sein Meister und er bald Schwierigkeiten und zwar ernsthafte. Umso schlimmer war es, weil er eigentlich einer ganz anderen Sache nachgehen wollte, der Ermordung seiner Mutter und vielen Clanangehörigen der Scragals. Auch wenn schon lange nicht mehr dazugehörte und ein Ausgestoßener war - ein Clanmitglied auf Grund seines Blutes blieb man aber sein Leben lang, verbannt von den anderen hin oder her. Die Welt war im Wandel, dass spürte er und gerade jetzt war Shagon schon genug abgelenkt und konnte sich nicht auch noch um diesen Alex, wenn er denn wirklich so hieß, kümmern. Allerdings konnte er diesen Auftrag auch niemandem anders erteilen, dafür war dieser Alex zu gefährlich. Shagon seufzte und sah noch wie plötzlich fünf maskierte Männer auf ihn zustürmten, die erhobenen Fäuste im Anschlag. Blitzschnell sprang er den vordersten an und schickte ihn mit einem Handkantenschlag ins Reich der Träume. Dem zweiten verpasste er einen gezielten, seitlichen Schlag auf die Schläfe, wodurch dieser sofort bewusstlos zur Seite kippte.

Die verbleibenden vier umkreisten ihn nun und schlugen wie auf Kommando gleichzeitig zu. Shagon streckte nur einen Bruchteil einer Sekunde vor ihnen seine beiden Hände auf den Boden und löste eine so enorme Druckwelle aus, dass alle vier maskierten Männer jeweils gut zwanzig Schritt weit geschleudert wurden. Shagon richtete sich auf, reckte sich und blickte auf den Mann, der etwas erhöht auf einem Stuhl saß und mit aller Seelenruhe den Kampf beobachtet hatte. Er klatschte mit seinen faltigen Händen und obwohl sein Gesicht hinter einem Tuch verborgen war, merkte man ihm sein fortgeschrittenes Alter an. Der alte Mann erhob sich und sah ihn direkt an: "Hervorragend Shagon, dein Training ist für heute beendet."

Alex erwachte schweißgebadet mit pochendem Herzen in mitten einer endlos weiten grünen Wiese. Bei dem Versuch sich aufzurichten bescherte ihm sein Kopf furchtbare Schmerzen, sodass er es fürs erste vorzog einfach liegen zu bleiben. Als Alex bemerkte, dass seine gesamte Kleidung sich dunkelrot gefärbt hatte, stieg Panik in ihm auf, bis er feststellte, dass das Blut längst getrocknet war. Ein wenig erleichtert ließ er seinen Kopf wieder langsam in das weiche Gras sinken. Erst jetzt wurde ihm richtig bewußt, dass es tiefste Nacht war und ihn ein bisschen fröstelte. Als er nach oben sah, wurde ihm jedoch ein wenig warm ums Herz, denn der Sternenhimmel funkelte in einer so unbeschreiblich schönen Art und Weise, dass er nicht aufhören konnte in dieses unendliche Lichtermeer zu schauen.
Er konnte nicht genau sagen, wie lange er letztendlich dort gelegen hatte, nur, dass gegen Morgengrauen seine pochenden Kopfschmerzen nachließen und er sich aufmachte - wohin wußte er auch noch nicht, er ging aufs geratewohl dem Sonnenaufgang entgegen. An einem kleinen Bach mit eisigem Wasser wusch sich Alex den Schmutz aus seinen Haaren und das Blut aus seiner Kleidung, die inzwischen recht zerfetzt aussah und bald neuer Kleidung weichen würde. Das Wasser fühlte sich unglaublich gut an, kalt aber erfrischend, belebend; er fühlte wie neue Kraft, neue Energie in seinen ausgelaugten Körper strömte und ihn bis in die letzten Winkel erfüllte.

Captain Briareos, seines Zeichens Kommandeuer eines Teils der Streitkräfte des Feuerreiches, saß in dem provisorisch eingerichteten Zelt, unweit von der Stelle an dem Sam in der Nacht zuvor einen künstlichen Hügel geschaffen hatte. Briareos gähnte herzhaft und saß recht gelangweilt in seinem Stuhl, in Erwartung an die Antwort auf seine Bitte bezüglich eines besonders kampfstarken Trupps. Wenn er eine Sache gelernt hatte, dann diese fremden Adepten nicht zu unterschätzen, die Nacht zuvor war dies neun Feueradepten zum Verhängnis geworden. Fassen konnte er die Geschehnisse der vergangen Nacht nach wie vor nicht, das machte diese merkwürdigere Gruppe jedoch nur noch interessanter. Er hatte sofort bemerkt, dass diese Gruppe von Adepten keiner regulären Armee entstammten, dafür sprach zum Beispiel, dass sie keine einheitliche Kleidung trugen und völlig unterschiedliche Kampfstile, sowie Psyenergie einsetzten. Aus diesem Grund war er eigentlich nicht wirklich daran interessiert, diese Gruppe ins Jenseits zu befördern, wie ihm das Oberkommando befohlen hatte. Abgesehen davon waren viele in dieser Gruppe noch sehr jung und obwohl er keine Befehle in Frage stellte, kamen ihm jetzt Zweifel auf.
Im Moment war das aber sowieso egal, war die Gruppe doch mitten in der Nacht aufgebrochen und entkommen. Seitdem hatte er sie aus den Augen verloren, was ihm insgeheim auch ganz recht war.
Beinahe wäre er eingenickt, doch plötzlich stürmte ein sichtlich aufgebrachter junger Soldat in sein Zelt und salutierte. "Abend, Captain. Ich ... hab leider schlechte Nachrichten für sie, es ... es gab einen Aufstand im Inneren des Feuerreiches. Die Drachenadepten ... sie haben in unserer Hauptstadt schrecklich gewütet und die Führung übernommen. Es tut mir unglaublich leid Captain, aber ihre Frau ... sie ... sie ist tot. Ich ... ich bitte untertänigst um Verzeihung."
Der Soldat fiel auf die Knie und Tränen stahlen sich aus seinen Augen, sein Kopf senkte er vor Scham.
Briareos sah den Soldaten eine ganze Minute schweigend an, seine Lippen wirkten wie versiegelt. Schließlich brachte er ein Wort, sogar einen kurzen Satz heraus. "Meine ... meine Frau ist tot, sagst du?" Der Soldat nickte nur stumm mit seinem Kopf, unfähig seinen geschätzten Captain anzuschauen.
Der nachfolgende Schrei Briareos sollte später einmal in die Geschichte eingehen, als das traurigste und zugleich grausamste Geräusch, ein markerschütternder Klang dessen Gewalt alles und jeden überwältigte und in die Knie zwang, der dieses fürchterliche Geräusch vernahm.

Sam, Chas und die anderen ihrer Truppe waren bereits seit den frühen Morgenstunden wieder unterwegs. Ihr Fluggerät, für das Chas immer noch keinen richtigen Namen gefunden hatte, war bei dem Überfall der Feueradepten zerstört worden. Da ihnen zudem das nötige Werkzeug zur Reparatur fehlte, hatten sie beschlossen es zurückzulassen und zu Fuß weiterzugehen.
Da Denuo auf den Ruinen Vales erbaut wurde, war ihr erstes großes Ziel die Stadt Vault, die südlich von Denuo lag. Während des "Goldenen Zeitalters" hatte der Wohlstand fast überall zugenommen, neue Dörfer sprossen aus dem Boden, kleine und abgelegene entwickelten sich zu prachtvollen Städten und Tolbi wurde das neue Zentrum der Welt, vor allem nachdem Isaac es um das nahezu zehnfache im Laufe seines Lebens vergrößert hatte.

Sam starrte gen Himmel und wischte sich den Schweiß von seiner Stirn, der dank der mörderisch heißen Mittagssonne in Strömen floss. Es ärgerte ihn, dass sie ihr Fluggerät - ein endgültiger Name ließ nämlich weiterhin auf sich warten - zurückgelassen hatten und ihnen somit wertvolle Zeit verloren ging. Zeit, die sie nicht hatten. Die Hoffnung, ihre Väter in absehbarer Zeit zu finden, erlosch zunehmend, die Reise zermürbte und stellte ihn auf eine harte Geduldsprobe.
Boreas kam mit langen Schritten angelaufen und versuchte mit Sam Schritt zu halten, während er ihn mit fragender Miene ansah. "Sag mal Sam, in welchem Jahr befinden wir uns eigentlich genau", wollte Boreas wissen und blieb stehen um Sams Antwort abzuwarten. Der überlegte nicht lange, sondern deutete nur mit einem Nicken auf Chas, der die Frage gehört hatte und sich angesichts Sams Unwissenheit ein Lächeln nicht verkneifen konnte.
Er holte aus seinem Rucksack ein Stück altes, muffiges Papier, auf dem eine Art Zeitstrahl zu erkennen war. Neugierig kam Boreas näher und schaute sich das Wirrwar an Strichen, Punkten und anderen Zeichnungen an und runzelte nur verwirrt die Stirn.
Chas bemerkte, dass Boreas nicht wirklich durchsah und hob die Stimme zu einer Erklärung an: "Ich fange mal in der Mitte an, bei dem Jahr 0. Das Jahr 0 wird im Allgemeinen als Jahr der Wende bezeichnet. Es kennzeichnet ungefähr die Geburt einiger der Helden, die in die Geschichte für ihre herausragenden Taten eingegangen sind.
Man brauchte einen Anfang und so bot sich die Geburt als idealer Ausgangspunkt. Den ersten Vermerk auf diesem Zeitstrahl siehst du ganz links. Man nimmt an, dass sich ungefähr im Jahr 1000 vor der Wende die vier Reiche gebildet haben. Es gibt leider keine genauen Überlieferungen, daher ist dies nur eine Schätzung und sehr wahrscheinlich nicht hundertprozentig richtig. Das nächste Ereignis, das in die Geschichte eingegangen ist, fand im Jahr 780 vor der Wende statt: der "Rote Kreuzzug", einer der brutalsten, wenn nicht sogar der schlimmste Krieg, der jemals über Weyard hinwegfegte.
Der Zerfall der vier Reiche kurz vor der Wende makiert schließlich das letzte nennenswerte Ereignis. Ab dem Jahr 0 bis hin zum Jahr 400 nach der Wende, spricht man vom "Goldenen Zeitalter", der Blütezeit Weyards. Mein Bruder Shagon, sowie meine Schwester Raiya und ich selbst wurden im letzten Jahr des "Goldenen Zeitalters" geboren, wie du hier sehen kannst. Im Jahr 405 nach der Wende wurde Sam geboren, deshalb hab ich das hier vermerkt.
Und schließlich die Neubildung der Reiche in den Jahren 416 und 417 nach der Wende, das letzte große Ereignis. Momentan befinden wir uns im 421. Jahr nach der Wende und wie du schwer übersehen kannst: wir haben Sommer", sagte Chas mit verschmitztem Grinsen. "Das war es eigentlich auch, ich hab lediglich eine kleine Auswahl an Ereignissen hier vermerkt, wenn du detailierte Informationen willst, solltest du einen Gelehrten der Geschichte aufsuchen", fuhr er fort.
Boreas nickte ihm freundlich zu: "Nein, ich denke, dass wird nicht nötig sein, vielen Dank für den Einblick", gab er freundlich zurück und gesellte sich zu Ciara, die den kleinen Tross an der Spitze anführte.
Die Sonne war bereits am Horizont verschwunden und erste Sterne zeigten sich zaghaft, als die Gruppe um Chas und Sam ihr Lager aufschlug. Bis nach Vault war es wohl noch ein Stück, wenn sie dieses Tempo durchhalten würden, ständen ihre Chancen nicht schlecht, Vault in einer Woche zu erreichen.
Sam wurde zum Holzsammeln abgestempelt, Raso und Gherr sollten etwas zum Füllen ihrer hungrigen Mägen finden, während sich Chas mit den anderen besprach und ihr weiteres Vorgehen plante.
Das gesammelte Holz zündete Chas schließlich mit einem Wink seines Fingers an und briet die zwei, von Gherr erlegten Hirsche, bis sie saftig und zart waren.
Nachdem sie gegessen und das Feuer gelöscht hatten, fielen fast alle, auch dank des guten Essens, um vor Müdigkeit und sanken schnell in einen tiefen Schlaf, sodass es niemanden störte, dass Sam lautstark schnarchte, selbst Chas nicht, der als einziger noch wach war. Das Training im Gebirge hatte seine Kondition mehr gesteigert, als er vermutet hätte, ebenso überraschte ihn das Durchhaltevermögen der anderen. Chas drehte sich auf den Rücken und schaute geradewegs den funkelnden Himmel an. Wunderschön: anmutig und beruhigend zugleich, dachte er, als er die strahlenden Punkte am Firmament ausmachte. Die Luft war klar und von einer leichten eisigen Kälte durchzogen, trotz des Sommers. Chas zog seine Decke ein wenig höher und merkte, wie auch seine Lider zunehmend schwerer wurden. Schließlich nickte er ein und begann wie auf Befehl, Sams Schnarchkonzert zu unterstützen.

Man merkte Angara die Veränderungen an, die das Wasserreich mit sich gebracht hatte. Die Stadtmauern, die Straßen, selbst die Häuser wurden mit unterschiedlich blauen Steinen verziert, dunkelblaue Fahnen säumten die Straßen und wechselten sich mit Laternen ab, die durch die Alchemie in einem grellen Blau leuchteten und so Abends die Straßen erhellten.
Nachdem Sam, Chas und die anderen zunächst erfolglos in Richtung Norden gezogen waren, näherten sie sich nun den Stadtmauern von Vault. Ein ehemals kleines Dorf, was sich jedoch im Laufe der Zeit zu einer pulsierenden Hafenstadt gemausert hatte.
Die Flüsse waren verbreitert worden, sodass sie nun unmittelbar an Vault grenzten und den direkten Schiffsverkehr mit Kalay ermöglichten, das etwas weiter südlich lag. Da Vault direkt im Herzen von Angara lag und es fast nirgends sicherer war als hier, konzentrierte sich das Gewerbe ausschließlich auf den Handel mit Naturalien, Kostbarkeiten und Gebrauchsgegenständen; Waffen, Rüstungen und dergleichen wurden so gut wie nicht gehandelt was Chas besonders ärgerte, da die gesamte Ausrüstung dringend einer Reparatur bedurft hätte und die einzige Schmiede nur für die Instandsetzung der Ausrüstung der Stadtwachen verantwortlich war.
Sie ruhten sich in einem Inn aus, nicht weit vom Hafen entfernt, welches den passenden Namen "Zur Goldenen Sonne" trug und erhielten am nächsten Morgen Informationen und Berichte von zwei Personen, die auf Georg und Marius perfekt zutrafen. Ein älterer Herr, der als Fischer sein ganzes Leben in Vault verbracht hatte, erzählte ihnen, dass zwei Herren vor nicht allzu langer Zeit ein Schiff nach Kalay genommen hatten.
Sie hatten sich bei ihm erkundigt und er hatte ihnen eine preiswerte Überfahrt verschafft. Der alte Herr beschrieb die beiden als nette und zuvorkommende Menschen, bemerkte aber die wutverzerrten Gesichter und fragte nach dem Grund. Als Chas nur mit dem Kopf schüttelte, zuckte der Alte bloß mit den Schultern und widmete sich wieder seiner Fischsuppe.
Sie trennten sich und kauften Proviant ein, sammelten weitere Informationen oder sahen sich den Kern Vault's an. Am Abend trafen sie sich im Inn "Zur Goldenen Sonne" und tauschten die Informationen bei saftigem Braten, herzhafter Suppe, sowie Brot und Bier aus.
Boreas und Ciara hatten sich bereits zu Bett begeben, sodass sich nur noch Chas, Sam, Raso und Gherr in dem schummrigen Raum aufhielten und das weitere Vorgehen besprachen. "Wir sollten morgen früh aufbrechen und das Schiff nach Kalay nehmen", sagte Gherr gerade. "Sofern sich der alte Mann nicht geirrt hat", gab Chas zu Bedenken. "Der Zufall ist gering, aber wenn der alte Mann sich irren sollte, verlieren wir viel Zeit und Zeit ist das einzigste, was wir nicht haben."
"Außer dem alten Mann können sich aber noch ein paar weitere Personen an Georg und Marius erinnern. Ich denke wir sollten morgen nach Kalay aufbrechen", sagte Sam mit gähnender Stimme. Chas nickte ihm nach einigem Überlegen schließlich zu: "Gut, dann ist das beschlossen. Ich schlage vor, dass wir früh zu Bett gehen, damit wir morgen ausgeruht sind. Mir wurde ebenfalls gesagt, dass Kalay die besten Schmiede ganz Angaras beherbergen soll, wir werden also aller Vorraussicht nach dort unsere Ausrüstung reparieren lassen."
Die anderen nickten ihm müde zu und Chas musste unwillkürlich grinsen. Die Reise ist anstrengender als ich dachte, aber kein Wunder, so viel wie wir in den letzten Tagen unterwegs waren. Die Überfahrt wird uns gut tun und eine willkommene Abwechslung sein.
Mit diesen Gedanken drehte er sich auf die Seite, hörte noch wie Raso im selben Raum einige Schritte entfernt ungeniert ein paar Darmwinde entließ und schlief mit einem Schmunzeln auf dem Gesicht nach einer Weile ebenfalls ein.

Tvash saß gebeugt in seinem Stuhl und überblickte die Karte die vor ihm auf dem hölzernen Tisch lag und Weyard zeigte. Die Revolten im Feuerreich, das im Norden Angara's lag, waren besser ausgefallen als er sich gedacht hatte. Im Feuerreich hatten zwei grundverschiedene Kasten das Sagen. Den mutigen und tapferen Kriegern, deren beste Männer Drachenadepten genannt wurden standen die hinterlistigen Magier und deren Elite, die Flammenmagiern gegenüber.
Von allen Reichen war das Feuerreich am anfälligsten für Revolten, Kriege und dergleichen. Darum hatte Tvash hier zuerst ein bisschen nachgeholfen.
Was die anderen Reiche anging würde als nächstes das Windreich folgen. In früheren Jahren hatte das Reich einen Landrat besessen, der jedoch wenig später aufgelöst wurde und sich mittlerweile drei große Clans die Macht teilten, stets bereit, dem anderen Macht abzuknöpfen. Durch Bestechungsgeld, falsche Schuldzuschiebungen und Versprechen konnte hier viel erreicht werden was Tvash seinem Ziel näher brachte.

Das größte Problem würde das Erdreich werden, da es einfach zu viele Stämme gab und sich die Machtverhältnisse zu unregelmäßig änderten; ja, das Erdreich würde er als letztes betrachten. Womit als drittes nur das Reich des Wassers in Frage kam. Tvash stöhnte unwillkürlich auf und rieb sich mit seinen Handflächen die müden Augen. Er machte sich keine Illusionen, um Chaos im Wasserreich zu verbreiten musste er zuerst die führenden Köpfe ihrer Regierung ausschalten, was sich als mühsam und zeitaufwändig heraustellen würde.
Er stand auf und sah sich in einem großen, schmutzigen Spiegel an. Die Krankheit forderte ihren Tribut uns er sah schlechter denn je aus. Sein Gesicht wirkte ausgemergelt und blass, die Arme hingen schlaff und dünn herunter und das Haar fiel ihm langsam aber sich aus - schneller, als es in seinem Alter üblich war.
Plötzlich krümmte er sich, würgte und kurz darauf übergab er sich und abermals floß eine pechschwarze Flüssigkeit aus seinem Mund.
Es wird eng, sehr eng, dachte er nicht zum ersten Mal und ließ sich erschöpft in seinen Sessel fallen.

Die Fahrt nach Kalay verlief ohne nennenswerte Probleme. Die Zeiten, in denen die Schiffe noch von Seemonstern angegriffen wurden, waren seit geraumer Zeit vorbei und die Schiffsreisen wurden wieder sicherer.
Die Mittagssonne brannte auf das hölzerne Deck des Schiffes und Sam, Chas und die anderen waren unter Deck in ihre Kojen geflüchtet, sodass sie nichts von der wunderschönen Uferlandschaft um sie herum bemerkten, die mit satten Wäldern und Wiesen geschmückt war.

Gegen Abend erreichten sie schließlich die nächste Etappe auf ihrer Reise: die Hafenmetropole Kalay. Kalay hatte im Laufe der Zeit vor allem durch die regelrechte Expansion Tolbi's profitiert, das sich unter dem Helden Isaac um das nahezu zehnfache vergrößert hatte und unangefochten Dreh-und Angelpunkt Angara's war. Streng genommen lag Tolbi auf gondowanischem Boden, allerdings bildete erst das Gebirge weiter im Süden die wirkliche Grenze zwischen dem Wasser-und Erdreich, sodass noch ein kleiner Teil an Landmasse von Gondowan zum Wasserreich gehörte. Die besten Gelehrten Weyard's kamen hier zusammen um die Alchemie zu erforschen, die mutigsten Kämpfer bestritten Wettkämpfe im Kolosseum und die Händler bevölkerten die riesigen Straßen wie kleine Ameisen und boten die seltensten und erlesensten Waren feil.
So wirkte Kalay wie ein kleiner Bruder, der im Schatten des Erstgeborenen stand, dennoch hatte sich auch hier eine recht breite wohlhabende Schichte gebildet, weshalb sich der Neid in Grenzen hielt.

Die Gruppe um Sam und Chas hatte den Hafen hinter sich gelassen und befand sich auf dem Weg zum besten Schmied der Stadt, der auf den Namen Torgal hörte. Torgal's Schmiede befand sich nicht weit entfernt von Stadtkern, war im Vergleich zu benachbarten Prachtbauten jedoch recht bescheiden eingerichtet. Er saß unweit der Esse und starrte in die funkelnde Glut, die sein Gesicht gespenstisch beleuchtete und ihm einen fast wahnsinnigen Blick bescherte. Torgal war ein Mann um die Vierzig, mit dunklem Vollbart und kräftigen, muskelbepackten Armen, die von seiner harten und anstrengenden Arbeit zeugten.
Er musterte die Neuankömmlinge mürrisch mit hochgezogener Augenbraue, sagte aber weiter nichts. Chas trat einen Schritt nach vorn und reichte ihm eine Hand: "Schönen guten Tag, Meister Torgal. Wir kommen auf Empfehlung unseres Kapitäns und benötigen dringend eine Reparatur unserer Ausrüstung. Die Bezahlung ist gut", fügte Chas mit einem Lächeln hinzu.

"Wie viele Teile insgesamt?", brummte Torgal nur als Antwort. Chas drehte sich kurz um und sprach mit Sam, während er im Kopf die Liste durchging.
"Insgesamt sind es zwei Brustpanzerungen, ein Morgenstern, ein Speer, sowie zwei Kurzschwerter. Von den Panzerungen ist eine ein Kettenhemd, falls das eine Rolle spielt."
Sie legten die besagten Teile vor Torgal auf einen riesigen Eichenholztisch und warteten geduldig auf eine Antwort. Der sah sich alles an und brummte schließlich: "Das meiste krieg ich wohl hin, aber die beiden Schwerter und die Panzerung von dem Riesen da ... das wird nichts, weil mir die Materialien fehlen. Falls ihr auf der Durchreise nach Tolbi seit, schaut euch dort noch einmal um. In Tolbi sollte es eigentlich Schmieden mit den passenden Werkzeugen und Materialien geben."

Nachdenklich besah er sich Chas Kurzschwerter und Sam's Brustpanzer. "Diese Schwerter sind uralt und heutzutage ein Vermögen wert. Mir ist auch so, als ob ich die schon einmal gesehen hab, nur wo?
Zum Beispiel dieser Panzer hier, er besteht aus einem Material was federleicht, zugleich aber steinhart ist. Sowas wird heutzutage kaum noch verwendet, weil die Herstellungskosten immens sind. Normalerweise schmieden wir mit Eisen, Stahl und verschiedenen anderen Stoffen. Aber ... eine so hoch entwickelte Schmiedekunst sieht man nicht oft, zumal die Reparatur ebenfalls fast unbezahlbar ist."

Torgal machte eine Pause und kratze sich an seiner bereits faltigen Stirn, während er überlegte, wie lange es dauern würde, die anderen Sachen auf Vordermann zu bringen. "Ich repariere was ich kann, für den Rest müsst ihr nach Tolbi."
Chas bedankte sich bei Torgal, während Sam die beiden Schwerter und die Panzerung an sich nahm und als letzter die Schmiede verließ.
Kaum waren sie gegangen, traten vier unterschiedlich große Zarku wie aus dem Nichts hervor und umzingelten Torgal.
Dieser hob nur leicht den Kopf und seufzte: "Ich hätte gern noch etwas mehr Zeit gehabt."

Kaum hatte er zu ende gesprochen, hob einer der am Rande stehenden Zarku blitzschnell seinen Arm an, ließ seine Hand nach vorn zucken, die von grellen, winzigen Blitzen umgeben war und schlug dann Torgal mit einem sauberen Seitenschlag den Kopf ab. Das Blut, das fontänenartig aus dem Kopf des Schmiedes schoss, traf keinen einzigen Zarku, sondern blieb an einem dünnen Wasserschild hängen, der sie alle fast unsichtbar umgab und tropfte schließlich auf den harten Steinboden.
Sie machten sich keine Mühe, die Leiche zu entsorgen, zumal es ohnehin zum Plan gehörte. Bald schon sollten Chas, Sam und die anderen wegen Mordes überall gesucht werden. Die Masken hüllten jede Emotion in einen tiefen Schleier und doch schien es als würde der kleinste Zarku grinsen, sich sogar freuen. Er ging einen Schritt nach vorn und sprach dann mit ungewöhnlich hoher Stimme: "Gebt Raso und Gherr Bescheid, sobald Meister Tvash das Zeichen gibt, geht's los."

Die anderen salutierten augenblicklich: "Jawohl, Sir!", und verschwanden noch vor seinen Augen. Der kleine Anführer schaute sich noch einmal prüfend um, trat verächtlich gegen Torgals entstellte Leiche und verschwand dann ebenfalls.


Der Bürgerkrieg hoch im Norden Weyards hielt weiterhin an, weder die Drachenadepten noch die Flammenmagier konnten einen eindeutigen Sieg erzwingen und langsam aber sicher machten sich die anderen Ländern kampfbereit. Die Aussicht auf einen komplette Aufteilung des Feuerreiches war gut, da der Bürgerkrieg das ohnehin schon marode Land nun vollends zu vernichten drohte.
Doch die Auflösung eines ganzen Reiches hätte fatale Folgen für die ganze Welt. Die Balance, das Kräfteverhältnis wäre verschoben und die Gier nach Macht und Besitz
erneut entflammt.
Shagons Meister hatte ihm eingeschärft, dass auch sein Vorhaben, seinen Vater zu finden, davon bedroht wurde. Also beauftragte er Shagon, die Heeresspitze beider Parteien zu eliminieren, um so eine Unterbrechung des Bürgerkrieges zu erzwingen.
Es war tiefste Nacht und Shagon saß ziemlich genau in der Mitte einer riesigen Landfläche, die auch Asche-Tal genannt wurde. Genau an den Seiten waren jeweils gigantische Heereslager aufgebaut, auf der einen Seite die Drachenadepten, auf der anderen die Flammenmagier.

Jedes Lager beherbergte gut und gerne an die Zehntausend Soldaten. Ein falscher Tritt bedeutete also den Tod und bevor Tvash nicht von seiner Klinge durchbohrt und getötet wurde, durfte Shagon nicht einen sinnlosen Tod sterben.
Sein Meister hatte ihm für diesen Auftrag ein wenig Hilfe verschafft, die er wiederum von den Schattenfürsten erhalten hatte. Wie Shagon, waren auch die drei Gestalten neben ihm Nachtwächter - ein bestimmter Rang innerhalb ihrer Organisation - was darauf schließen ließ, dass sie nicht gerade schlecht waren. Doch im Gegensatz zu Shagon folgten ihnen keine Dschinns, was ihre Kampfkraft erheblich einschränkte.
Shagon räusperte sich und ging auf die drei Nachtwächter zu: "Also, wie ihr vielleicht wisst, hat mir mein Meister das Kommando für diese Mission übertragen. Da wir den selben Rang bekleiden, verzichte ich darauf. Da wir sowieso in unterschiedliche Lager müssen, spielt es keine Rolle. Das bedeutet, dass ich alleine losziehen werde, während ihr zu dritt dem anderen Lager einen Besuch abstattet. Jedes Lager beherbergt genug Kampfkraft um euch tausende, qualvolle Tode sterben zu lassen. Seit also leise und bewegt euch stets im Schatten der Nacht, genau so wie ihr es gelernt habt."

Die anderen nickten ihm nur zu, in ihren Blicken lag eine gewisse Erfurcht, da ihnen die Wichtigkeit der Aufgabe bewußt war und auch etwas anderes, vielleicht Angst konnte man in ihren Augen erkennen.
"Ach ja, eins noch", sagte Shagon bevor er sich aufmachte, "versagt, überlebt und diese Mission war mit Sicherheit eure letzte."
Mit diesen Worten machte er sich auf, den Hang zum Lager der Drachenadepten zu erklimmen.

Die grausam zugerichtete Leiche des Schmiedes Torgal wurde drei Tage später im frühen Morgengrauen gefunden, als ein Kunde sein Schwert abholen wollte, welches er dort vor einer Woche zur Reparatur abgegeben hatte.
Augenzeugen konnten eine kleine Gruppe identifizieren, die wohl die letzten Kunden gewesen waren. Also richteten sich die Bemühungen des Bürgermeisters von Kalay darauf, diese bisher einzigen Verdächtigen aufzuspüren und zu befragen. Er hatte vorsorglich die Patrouillen innerhalb der Stadt verdreifacht, sodass an nahezu jeder Ecke eine Wache Ausschau hielt.
Sam, Chas und die anderen Mitstreiter hatten von dem ganzen Wirbel noch nichts mitbekommen, lediglich die erhöhte Zahl an Wachposten fiel ihnen unweigerlich auf.

"Wahrscheinlich kommt heute ein wichtiger Gast, bestimmt hoher Besuch wenn du mich fragst", sagte Chas gerade und nickte in Richtung einer Truppe von zehn Soldaten, die eilig im Gleichschritt in Richtung Marktplatz liefen.
Sam antwortete nur mit einem Achselzucken, er war mit seinen Gedanken gerade woanders, genauer gesagt plante er bereits den nächsten Schritt ihrer Reise. Sie waren mit Torgal um die späte Mittagszeit verabredet. Normalerweise dauerte die Reparatur länger als drei Tage, allerdings bezahlten sie gut und Torgal hatte einen anderen Auftrag eines heimischen Kunden beiseite geschoben, damit die Gruppe um Sam und Chas möglichst schnell nach Tolbi weiterreisen konnte.

Bis dahin blieb nur noch wenig Zeit, sodass Sam es für das klügste hielt, sofort zu dem kauzigen Schmied aufzubrechen, den er, obwohl erst einmal begegnet, gut leiden konnte. Er war kurz angebunden, wirkte grimmig, machte auf Sam aber einen recht sympathischen Eindruck. Genau genommen freute er sich auf die erneute Begegnung mit dem Schmied und nahm sich vor, Kalay später nochmals zu besuchen und Torgals Schmiede einen weiteren Besuch abzustatten.
Als er den anderen von seinem Vorgehen erzählte, rollte die breite Masse nur genervt mit den Augen, was seinem Gesicht ein fröhliches, breites Grinsen einbrachte. Das Ende vom Lied war, dass Chas als einziger mitkommen sollte, um die reparierten Sachen abzuholen. Derweil sollten Raso und Gherr sich am Hafen nach einer Überfahrt erkundigen; die Reparatur der anderen Sachen drängte und die Gruppe konnte sich keine weiteren Verzögerungen leisten.
Der Rest der Gruppe, bestehend aus Ciara und Boreas, wollte lieber im Inn rumfaulenzen also entließ Sam sie nur mit einer Handbewegung und der Bitte, keinen Mist zu bauen oder in irgenteiner Weise unangnehm aufzufallen.

Zur gleichen Zeit wurden vor den Stadttoren drei Menschen in seltsamer, aber einheitlicher Kleidung, tot aufgefunden mit teils tiefen Schnittwunden. Ein alter Schäfer, der auf dem Weg in die Stadt war, hatte die drei Leichen abseits des Weges gefunden, als eines seiner Tiere aus der Herde ausgebrochen war.
Nun rätselte der Hauptmann der Stadtwache über diese Vorkommnisse in letzter Zeit und überlegte, ob die beiden Morde in einem Zusammenhang standen, oder unabhängig von einander ausgeübt worden waren.
Die drei Männer waren wirklich seltsam gekleidet, vielleicht eine Art Sekte oder politisch aktive Organisation. Letzteres schloss er jedoch sofort aus, diese Kleidung hatte er immerhin noch nie zuvor gesehen und eine Organisation mit dieser Kleidung wäre ihm nicht unbekannt gewesen - blieb nur die Möglichkeit, dass sie einer Sekte angehörten. Ebenfalls aufallend war, dass die drei unterschiedlich groß waren, recht große Unterschiede, trotzdem nicht unterschiedlich alt wirkten, eher gleichaltrig. So eine Gruppe muss aufgefallen sein, dachte der Hauptmann und beschloss, sich demnächst in der Stadt umzuhören.
Er wandte sich erneut der Kleidung zu. Sie bestand aus einem Umhang, eine Art Cape, in strahlendem Weiß, durchzogen von filigranen Goldfäden. An das Cape war zusätzlich eine Kapuze angenäht, die locker nach hinten hinüberhing. Die Lederrüstung war schwarz gefärbt, selbst Gürtel und alle metallenen Schnallen und dergleichen war auf diese Weise abgedunkelt. An die Rüstung schloss sich eine ebenfalls schwarze, dicke Stoffhose an, gefolgt von dünnen Stiefeln, die sich jedoch leicht durch ein dunkles Rot vom Rest abhoben.
Der Hauptmann trat einen Schritt zurück und schaute sich die Gesichter der Toten noch einmal ganz genau an. Auf den ersten Blick waren nur die Unterschiede zu erkennen, doch als er genauer hinsah, konnte er bei allen eine Art Zeichen ausmachen: ein umgedrehtes, pechschwarzes Dreieck, was kurz unterhalb des rechten Auges angebracht war.
Der kleinste jedoch besaß nicht nur dieses Dreieck, bei ihm umschlang ein merkwürdiges Tier das Zeichen, wobei der Hauptmann nicht mit Sicherheit sagen konnte, ob es ein Tier war - für ihn besaß es leichte Ähnlichkeiten mit einer Schlange, oder einer Echse.
Er setzte sich auf einen hölzernen und unbequemen Stuhl, um auf die Ankunft der Leichenbestatter zu warten. Torgal tat ihm Leid, denn der Schmied hatte Kalay stets gute Dienste geleistet. Auch wenn die Zeiten friedlich waren, abgesehen von den jüngsten Morden, hatte Torgal die Ausrüstung seiner Männer immer in tadelosem Zustand gehalten. Seine Finger ballten sich zu einer Faust. Ja, er würde die Mörder finden und zwar um jeden Preis, dessen war er sich sicher.
"Englisch mag die Sprache der Welt sein, aber Deutsch ist die Sprache des Herzens." -- Jawoll.
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#9
Wow, echt gute Geschichte, sehr ausführlich erzählt und inhaltlich gut geschrieben
jetzt bin ich neugierig darauf geworden ^^, schreib doch noch ein Kapitel
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#10
Kann ja schon fast mit den Texten von Exitus mithalten.

Finde ich toll geschrieben, da ausführlich und gut ausgeschmückt.
Weiter so.Ok
ICH HAB'S GESCHAFFT! Ich bin der erste boshy auf dem schwersten Modus von "I wanna be the boshy"!
Hier die Playlist aller Teile: KLICK
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